Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Großherzogthum Sachsen-Weimar-Eisenach: Verwaltungsbezirk Neustadt: Amtsgerichtsbezirke Neustadt a. Orla, Auma und Weida
Person:
Lehfeldt, Paul
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2488877
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2494290
Weida. 
VEITSBERG. 
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geiiickt. Von 1768 rührte ein Einbau an der Südseite zwischen dem südöstlichen 
und südlichen Strebepfeiler (Stand zweier Bauerngutsbesitzer von Grossdraxdorf 
und Wünschendorf) her. Einige höchst nothwendige Sicherungen des alten Baues 
erfolgten gleichzeitig mit der Erneuerung des 1779 vom Sturm herabgerissenen 
Thurmdaches in höchst kümmerlicher Weise. 
Aus dem Anfang unseres Jahrhunderts, dürftig ausgeführt und die Kirche 
aussen entstellend, stammten der hölzerne Treppen-Vorbau an der Chor-Nordseite, 
der kleine Vorraum zum Chor zwischen dem südlichen Strebepfeiler und dem Sacristei- 
hau, der Anbau an der Langhaus-Südseite im westlichen Theil (meilitzer Kammer- 
gutsstand), dieser mit der Angabe: D.H.V. W. (Wolfersdorf) 1800. 
Auch in unserem Jahrhundert suchten die einzelnen Gemeindemitglieder sich 
gern eigene Plätze zu verschaffen; war aber dieses Bestreben in den letzten Jahr- 
hunderten noch von dem Wunsch nach Schmuck begleitet gewesen, so zeigten sich 
die neuen Einbauten ganz kahl. Die Kirche ward im Innern in ein Gewirr von 
Emporen und Ständen, Verschlägen und Treppen ohne jegliche Ordnung ver- 
wandelt, willkürlich und gefahrdrohend verbaut. Ergaben noch die älteren Ein- 
bauten manche malerische und originelle Blicke, so wirkten die neueren nur 
störend; jeglicher architektonisch würdige und kirchliche Gesammt-Eindruck fehlte. 
Eine gründliche und Sachverständige Restauration war lange erwünscht, welche 
das wirklich Schlechte beseitigte, das Bessere schonte, das Gute hervorhob bezw. 
aufdeckte und das Gefährdete rettete. Die weitere Frage war die der Vollendung 
der in den früheren Zeiten eilfertig ausgeführten oder unvollständig gebliebenen 
Theile, um die ehrwürdige Kirche in baukünstlerischem, wie malerischem Sinne 
unter Bewahrung ihres Charakters auszugestalten. 
Nach 1890 begonnenen Verhandlungen betraute die Kirchgemeinde den auf 
dem Gebiete des mittelalterlichen Kirchenbaues theoretisch und praktisch be- 
währten Baurath Dr. Mothes zu Zwickau mit dieser Aufgabe, welche er von 
Mitte Juni bis Ende November 1896 ausführte. Nach seinen eigenen Angaben 
erstreckte sich der Umbau, abgesehen von rein technischen Festigungs- und 
Säuberungs-Arbeiten, von Einbringung neuer Thürilügel, Beschläge, Ver- 
glasungen etc. und von einzelnem, schon Erwähntem, besonders auf folgende 
Punkte: Befreiung der Vorhalle von drei dort eingebauten kleinen Emporen und 
Ständen nebst zwei 'l'reppen; übersichtliche Ordnung der Bänke in der ganzen 
Kirche unter Beseitigung der wirr durch einander gebauten Stände und Emporen. 
Vor dem das Hauptschiff vom Nordschiff trennenden Bogen hingen zwei Emporen in Höhe 
von 4,76 und 6,75 m über dem Fussboden, dahinter im Nordschiff stand eine in Höhe von 
2,85 m, in der Nordkapelle hing eine in Höhe von 2,28 in, vor dem Bogen zwischen Chor- 
Viereck und Nordkapelle eine in Höhe von 3,85 m; im Chorschluss Waren drei kleinere 
in verschiedenen Höhen herumgeführt, die oberste in Höhe von 4,77, an der Chor- 
Südwand eine in Höhe von 3,14 m. Unter der 3,80 m hoch stehenden, rund vorge- 
bauten Orgelbühne war ein ganzes Nest von kleinen Emporen u. dergl. angebracht, die 
auch sonst noch in Höhe von 1,50 m, 2 m etc. standen. Die grossen Emporen ruhten alle 
auf wagerechten Balken, über Welchen die nöthige Stufen-Ansteigung durch Kästen 
erreicht war, so dass eine Menge von Licht und Luft verloren ging. An verschiedenen 
Stellen mussten Brüstungen und Eisenstangen überstiegen, niedrige Oelfnungen durch- 
krochen werden. Die neuen Emporen haben durchweg vorn eine Höhe über dem
        

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