Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Großherzogthum Sachsen-Weimar-Eisenach: Verwaltungsbezirk Neustadt: Amtsgerichtsbezirke Neustadt a. Orla, Auma und Weida
Person:
Lehfeldt, Paul
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2488877
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2491742
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NEUSTADT 
Rathhaus. 
Neustadt 
110 
[Rathhaus, älteres „steinernes Haus", 1364 von den Landgrafen Balthasar 
und seinen Brüdern der Stadt geschenkt. Rathhaus-Kapelle, damals zum Ge- 
brauch der Sacramente eingerichtet, dem Augustinerkloster unterstellt, 1368 im 
Gottesdienst bis auf Messelesen eingeschränkt, später ganz aufgehoben. Den im 
Volksmund bewahrten Ausdruck für den östlichen Rathhaus-Theil: Bielke deutete 
Wünscher nach dem Vorgang von Langguth's Erklärung der Bielke in Pössneck 
(s. Bd. Saalfeld, S. 270) als Basilika und suchte hier die alte Rathskapelle zu erkennen. 
Die Ableitung von der kirchlich-technischen Bezeichnung erschien mir schon bei der 
Pössnecker Bilka (es sei diese nochmalige Heranziehung gestattet) sprachlich und auch 
sachlich gewagt, da der fragliche Raum nur ein einschiffiges Rechteck mit gerader, 
durchgehender Holzdecke war, keine Basilika (mehrschiffiger Raum mit höherem Mittel- 
schiff). Meine Vermuthung, dass die Bezeichnung nicht aus den Klosterzeiten, sondern 
aus der Zeit des Besitzes durch den Stadtrath stammte, fand Nahrung durch eine Angabe 
in der Harnisch'schen Chronik von Gera aus dem 18. Jahrhundert (s. Bd. Gera, S. 50), 
dass im Weinkeller des dortigen Rathhauses u. A. eine Bilckentafel War. Herr Archivar 
Dr. Schmidt in Schleiz gab mir nun auf meine Anfrage die gütige Auskunft, dass 
die Billekentafel, auch Beilkentafel, das deutsche Billard bezeichnete," von dem fran- 
zösischen Stammwort bille her und jedenfalls auf dem Wege über Niederdeutschland 
nach Thüringen kam, da es die Verkleinerungs-Endung: ke hat. Es lässt sich nun 
annehmen, dass man auch den Ort, wo eine solche Billekentafel aufgestellt War, kurz- 
weg die Billke nannte, und dass sie gerade ein nennenswerthes Ausstattungsstück der 
thüringischen Rathhäuser bildete.  Wünscher, Kirchengesch, S. 48.] 
Rathhaus, prächtiger Bau, dem zu Pössneck, Saalfeld und anderen Rath- 
haus-Bauten der Gegend und Zeit verwandt. Es ist ein von Ost nach West gestrecktes 
und demgemäss mit Satteldächern in dieser Richtung bedecktes Gebäude, mit der 
Nordfront ganz frei und beherrschend nach dem Markt gelegen, mit der Südfront 
nach der massig breiten Carl-Alexanderstrasse (früher Breitestrasse, noch früher, 
1594, Johannisgasse), mit den beiden anderen Fronten nach schmalen Gassen, und 
hat ein theils zu ebener Erde, theils hoch gelegenes Erdgeschoss und zwei Ober- 
geschosse, durchweg ohne theilende Gesimse. An Stelle älterer Rathhausbauten 
[des 1364 vorhandenen, s. 0., zuletzt eines von 1409] wurde es der Hauptsache 
nach in zwei, vielleicht drei Bauperioden errichtet. Der östliche Theil mit dem 
höheren Dach, der schmuckvollste, ist auch der älteste, von 1465 (s.  Später 
wurde das Gebäude nach Westen erweitert, und zwar, wie mir scheint, in zwei 
Malen. Wohl in der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts wurde (nach dieser Annahme) 
das Gebäude um zwei Achsen verlängert, der Anbau jedoch nicht so hoch geführt, 
wie erjetzt ist (bezw. n1it einem anderen Oberbau, da, wo jetzt das 2. Geschoss 
sich befindet); bei dieser Gelegenheit wurden ältere Theile, etwa von der ursprüng- 
lichen, damals fortfallenden Westfront an der Nordfront verwendet, so die Eingangs- 
Thür zum hohen Erdgeschoss und die steinerne Tafel mit der alten Bau-Inschrift: 
Qlnno öomi  mcccclpvxlv inceptu. (dies sehr zusammengedrangt) e. I). op9, welche 
rechts von dem 2. Fenster des 2. Obergeschosses, also, meine Annahme voraus- 
gesetzt, an der Ecke des neuen Bautheils nur wieder angebracht wurde. Noch 
später, 1610 (Jahreszahl am Südfront-Erker, s. u.) wurde bei weiterer Ausdehnung
        

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