Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Großherzogthum Sachsen-Weimar-Eisenach: Verwaltungsbezirk Neustadt: Amtsgerichtsbezirke Neustadt a. Orla, Auma und Weida
Person:
Lehfeldt, Paul
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2488877
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2491494
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Neustadt a. O. NEUSTADT a. 0., Stadtkirche.  85 
 
durch ein Thor auf eine Strasse mit einem Giebelhaus. Der Inhalt des Gemäldes 
ist auf verschiedene Weise erklärt "worden. So als die Wiedererscheinung Christi 
nach seiner Verklärung (Matth. 17, Marc. 9, Luc. 9), da er auch dort nur von Petrus, 
Johannes und dem älteren Jacobus begleitet war; als Christi Gang, um Lazarus zu 
erwecken (Joh. 11), weil ihm dort Frauen auf dem Wege entgegenkamen; als Ver- 
bindung zweier Vorgänge, der Rückkehr von der Verklärung und der Verkündigung 
seines Leidens an die Mutter, die er zum Abschied segnet; als Erscheinung Christi 
nach der Auferstehung. Der Abschied von der Mutter trifft am nächsten, wenn auch 
nicht völlig; die Rückkehr von der Verklärung ist abzuweisen. Die Verklärung ist ein 
so freudiges, erhebendes Ereigniss für den Heiland, dass dies sich auf seinen Gesichts- 
zügen ausprägen müsste, der Abschied von der Mutter aber von der Verklärung zeitlich 
und geistig zu sehr getrennt, als dass sie der Künstler verbinden dürfte (wie etwa 
Rafael die Verklärung und den vergeblichen Versuch der Jünger, während der Ver- 
klärung einen Besessenen zu heilen). Auf die Verklärung folgt nicht unmittelbar 
Trauer, sondern die Mahnung an die Jünger, dies Zeichen seiner Erhöhung zu ver- 
schweigen, und dann sofort thatenfrohes Wirken, ausgedrückt in Heilungen und Reden 
und Verkehr mit dem zu ihm strömenden Volke, gewissermaassen der Ausfluss der 
ihm gewordenen Bestärkung; erst später folgen Abschied und Trauer, also auch für 
den Maler. Für den Gang zu den Schwestern des Lazarus nach Bethanien passt keiner 
der aufgezeichneten Momente. (Christus geht von Jerusalem dorthin, von allen Jüngern 
begleitet; auf dem Wege kommt ihm Martha allein entgegen, während Maria Magdalena 
im Hause bleibt, dann kommt, von ihr gerufen, Maria Magdalena, eilend, und viele 
Juden, die bei ihr im Hause waren, mit ihr; Magdalena fallt Jesu weinend zu Füssen, 
und dieser lässt sich zum Grabe führen.) Man kam wohl auf die Deutung durch die 
Wahrnehmung des Vorganges nahe vor Jerusalem, durch das Dasein von Frauen und 
Jüngern auf dem Bilde, und, weil Christus beim Anblick der Frauen bestürzt (ävsßgturi- 
(mm) und gerührt ward  denn mehr ist es nicht, wie ausdrücklich bemerkt wird. 
Dort trägt er die Hoffnung der Wiedererweckung in sich. Auf unserem Bilde ist aber 
weit mehr, als Christi Mitleid oder Theilnahme an Anderer Leiden ausgedrückt. Noch 
weniger passt auf seinen und der Anderen Ausdruck die Erscheinung nach der Auf- 
erstehung, bei welcher der Maler ihn vielleicht mit Spuren des Leidens, aber lichtvoll, 
friedlich verklärt, die Seinen im Uebergang von Trauer zur freudigen Ueberraschung 
gemalt hätte. Man wird dagegen nicht fehl gehen in der Annahme, dass man den 
Abschied Christi von den Frauen und von den Lieblingsjüngern hier vereinigt er- 
blickt. In den letzten Zeiten seines Erdenlebens ging Jesus nur bei Tage nach 
Jerusalem, um dort im Tempel zu lehren, Nachts über blieb er in einem Gehöft 
am Oelberg, der zwischen Jerusalem und Bethanien lag (vgl. Ev. Luc. 21, 37, 
motivirt bei Ev. Joh. 8, 1 und 11, 7-11). Der Legende nach (vgl. u. A. A. Schultz, 
Legende vom Leben der Maria 1878, s. 27 u. es, LVII) blieb seine Mutter in den letzten 
Zeiten bei Maria Magdalena und Martha in Bethanien. Dort nahm Christus, als er 
den Entschluss gefasst hatte, sich seinen Feinden zu überliefern, Abschied von ihr 
und den anderen Frauen, segnete und tröstete sie. Sie waren ihm also nahe, als 
er nach dem Abendmahle von Jerusalem in der Gewissheit seiner baldigen Ergreifung 
auszog, aber er hatte mit ihnen vorher abgeschlossen. Danach entliess er auch 
die übrigen Jünger in Gethsemane, nur Petrus und die zween Söhne Zebedäi 
hatte er zum letzten Gange noch bei sich behalten (Ev. Matth. 26, 37, Marc.
        

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