Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Großherzogthum Sachsen-Weimar-Eisenach: Verwaltungsbezirk Dermbach: Amtsgerichtsbezirke Vacha, Geisa, Stadtlengsfeld, Kaltennordheim und Ostheim v. d. Rhön
Person:
Voss, Georg Lehfeldt, Paul
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2483167
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2484635
VAOIA, Stadtkircho. Vwlu. 14 
 
Ecken sind vier bürgerliche Wappen angebracht: oben (heraldisch) rechts, drei 
schlanke Bäume; links ein springender Widder. Unten, rechts, ein Schwan (oder 
Pelikan); links eine Traube. Die Inschrift lautet: NOB. ET LAUDATISS. 
MATRONA VICTORIA HEIDENREICH NOB. ET STREN. VIRI CASPAR 
WIDMARCTER CONJUX  EI     I CHRISTO OBDORM. ANNO 16   
DIE  Das Todesjahr ist nicht ausgefüllt. Victoria starb im Jahre 1635 im 
58. Lebensjahre. 
Der ehemalige Taufstein ist nach dem nahe gelegenen Kreuzberg (Philipps- 
thal, nordwestlich von Vacha) gekommen. 
Kanzel, Altar und das Gestühl für die Frauen wurden beim Abbruch 
der Kirche, im Jahre 1818, nach der Friedhofskapelle gebracht (s. die Beschreibung 
auf S. 23). Der aus der Zeit der katholischen Kirche stammende Schatz von 
Geräthen aus Silber und werthvollen Kleinodien scheint beträchtlich gewesen 
zu sein. Nachdem der evangelische Gottesdienst dieser Gegenstände nicht mehr 
bedurfte, wurde im Jahre 1530 beabsichtigt, diese Gegenstände zu verkaufen. 
Nähere Angaben darüber fehlen. 
Die Bilder aus katholischer Zeit wurden im Jahre 1609, auf Befehl des 
Superintendenten, aus der Kirche herausgenommen.  Im Chor der Kirche hing 
das grosse auf Holz gemalte Porträt des Pfarrers George Wohlfahrt, der 
das Pfarramt von 1546 bis 1572 bekleidete. Das Gemälde war beim Abbruch der 
Kirche noch vorhanden und ist seitdem verschollen.  
Während des siebenjährigen Krieges, im Jahre 1757, beim Durchzug der 
Franzosen unter dem Prinzen Soubise, diente die Kirche als Militärlazareth. Auch 
im Jahre 1806 wurde die Kirche als Kriegslazareth und zum Aufenthalt der Kriegs- 
gefangenen benutzt. 
Der jetzige Hauptraum, also der dritte Kirchenbau an derselben Stelle, 
ist ein einheitlicher Neubau aus den Jahren 1821-1824. Die Kirche erhielt 
damals den Namen Johanniskirche, zu Ehren des damaligen Erbprinzen Carl 
Alexander August Johann (des nachmaligen Grossherzogs Carl Alexander). Im 
Aeusseren bildet den einzigen bemerkenswerthen Schmuck das Portal an der 
Sildseite. Es ist ein charakteristisches Beispiel der Nachahmung altrömischer Bau- 
formen. Die Thür wird von zwei uncanellirten dorischen Säulen eingefasst, die 
ein dorisches Gebälk mit einem Triglyphenfries tragen. Darüber das für jene Zeit 
bezeichnende halbkreisförmige Fenster. Das Innere ist ein viereckiger Saal, bei 
dessen Errichtung keine von den älteren Ueberlieferungen der kirchlichen Bau- 
kunst beobachtet wurde. Abweichend von der Tradition ist auch der Altar an 
der einen Langswand (an der Nordseite) aufgestellt. Darüber ist die mit einigen 
classicistischen Ornamenten verzierte Kanzel angebracht. An den Wänden stehen 
eingeschossige Emporen. Der ganze Raum hat eine horizontale Decke. Die Aus- 
malung des Innern erfolgte 1892 durch die Eisenacher Maler Grau und Rosenthal. 
Die Altargeräthe stammen grossentheils aus der Bauzeit der Kirche. Sie 
sind ein Geschenk der Grossfurstin Maria Paalowna aus den Jahren 1823 und 
1824. Aeltere Stücke sind: eine Zinnkanne von 1608, ein Kelch aus der Zeit um 
1700 mit gravirten Ornamenten und einige andere Zinngeräihß des 18. Jahr- 
hunderts.
        

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