Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Großherzogthum Sachsen-Weimar-Eisenach: Verwaltungsbezirk Dermbach: Amtsgerichtsbezirke Vacha, Geisa, Stadtlengsfeld, Kaltennordheim und Ostheim v. d. Rhön
Person:
Voss, Georg Lehfeldt, Paul
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2483167
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2484496
VAcnA, 
Geschichte 
Stadt. 
Vacha. 
dauerte bis zum Westfälischen Frieden 1648 und ist in mehrfacher Hinsicht die 
wichtigste und interessanteste in der Geschichte der Stadt und der dazu gehörigen 
Ortschaften. Zunächst ist zu erwähnen ein schweres Brandunglück, welches 
die Stadt im Jahre 1467 heimsuchte und sämmtliche Gebäude einschliesslich des 
Klosters in Asche legte. Erhalten blieben nur die massiven Theile der Pfarr- 
kirche und derBurg, sowie ein steinernes Gebäude am Markt, in welchem 
seit dem Jahre 1455 gemünzt wurde. Es ist nicht ersichtlich, ob Fulda oder 
Hessen das Münzrecht ausübten, doch dürfte das erstere wahrscheinlich sein, da das 
Münzgebäude durch den Fuldaer Abt Hermann errichtet worden war. Jedenfalls 
blieb die Landeshoheit F uldas über Vacha dadurch gewahrt, dass die Münzen der 
„Vacher Were" die Bilder der jeweilig regierenden Aebte mit der bischöflichen 
Mitra zeigten. Wie lange die Ausübung des Münzrechtes in Vacha gedauert hat, 
ist nicht überliefert; wahrscheinlich hat sie ihr Ende erreicht mit dem Uebergang 
der vollen Landeshoheit auf Hessen im Jahre 1648. 
Das nächste bedeutsame Ereigniss ist die Einführung der Reformation in 
Vacha. Sie fand statt im Jahre 1523 durch den damaligen Stadtpfarrvicar Georg 
Witzel, einen geborenen Vachaer, der, mit dem viel genannten Pfarrer J. Strauss 
von Eisenach eng verbunden, in den religiösen Streitigkeiten jener Zeit eine nicht 
unbedeutende Rolle gespielt hat. Später Pfarrer in Wenigen-Lupnitz bei Eisenach, 
wurde Witze] nach der Niederwerfuug des Bauernaufstandes 1525 flüchtig, trat 
dann in den Schooss der katholischen Kirche zurück und ist als Renegat am Hofe 
des Fürstabtes von Fulda noch zur Würde eines geistlichen Rathes gelangt. Er 
starb 1573 in Fulda.  Die Einführung der Reformation scheint übrigens zunächst 
friedlich und ohne Widerstand seitens der geistlichen Oberbehörde vor sich ge- 
gangen zu sein. Hatte sich doch Luther, als er 1521 vom Wormser Reichstags 
heimreiste, in Hersfeld eines geradezu glänzenden Empfanges seitens des dortigen 
Abtes Crato, eines eifrigen Humanisten, zu erfreuen, wie es ja auch allbekannt 
ist, dass sein Auftreten auch in kirchlichen Kreisen vielfach Beifall und sogar 
Förderung fand, bis die Verquickung seiner Kirchenreform mit dem social- 
politischen Programm der aufständischen Bauern ihm diese Sympathieen ent- 
fremdete. 
Der Banernkrieg. Auch Vacha wurde in die Wirren des Bauernkrieges 
mit hineingezogen. In der zweiten Hälfte des April 1525 erschien das Heer der 
thüringischen Bauem unter Thomas Münzers persönlicher Führung in der Gegend, 
um sich mit dem fränkischen Bauernheer, das schon die Grafen von Henneberg 
zur Annahme der 12 Artikel, Auslieferung des Geschützes und Anschluss an den 
Haufen gezwungen hatte, zu vereinigen. Starker Zuzug aus der Umgegend er- 
folgte, auch 500 Eisenacher sind hier zu Münzer gestossen. Die geplante Ver- 
einigung mit den fränkischen Bauern erfolgte indess nicht, da mittlerweile gemeldet 
ward, dass Landgraf Philipp von Hessen aus seinem Lande mit Heeresmacht im 
Anzugs sei und andererseits Herzog Georg von Sachsen von Osten her anrücke. 
Infolgedessen zog Münzer wieder gen Norden auf Mühlhausen, der fränkische 
Haufen südwärts auf Würzburg zu ab. Diese Umstände erklären das Verhalten 
des Rathes der Stadt Vacha, welcher einerseits zwar die 12 Artikel annahm und 
20 Mann in das Bauernheer eintreten liess, andererseits aber auch sich dem Land- 
grafen gegenüber zur Zahlung des Soldes für 10 Mann auf einen Monat verpflichtete.
        

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