Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Großherzogthum Sachsen-Weimar-Eisenach: Verwaltungsbezirk Eisenach: Amtsgerichtsbezirk Eisenach - die Wartburg
Person:
Voss, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2477139
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2478157
Die 
Wartburg. 
Das 
Landgrafenhaus. 
6) Die Uapitelle mit den schlichten, etwas steif gezeichneten Blättern an 
den drei Capitellen in der Elisabeth-Gallerie (auf der Ansicht bei den Buchstaben 
Q, Yund Z) sind künstlerisch geringer; es fehlt der lebhafte Schwung der Blätter, 
auch das kraftvolle Relief, das viele der übrigen Ptlanzencapitelle der Wartburg aus- 
zeichnet. Bei diesen drei Doppelcapitellen fehlt übrigens die Wölbung an der Unter- 
kante der Deckplatte. Zu denselben schlichten Blattformen gehört auch das Capitell, 
das jetzt in dem neuen Treppenthurm des Landgrafenhauses eingesetzt ist, ferner 
das Capitell mit den tütenförmigen Blättern in der Erdgeschosslaube (Abbildung 
S. 28). Von derselben Hand könnten auch die Capitelle mit den steif gezeichneten 
doppelten Blattreihen stammen: das eine befindet sich im Sangersaal, das andere 
in einem Fenster des Speisezimmers bei Nr. 3, das dritte im obersten Geschoss 
der Hoffront bei Nr. 9 (Abbildung S. 34), das vierte ist im Uommandantengarten 
auf einem Säulenstumpf aufgestellt. (Auch in den inneren Arkaden der (lallerie 
des grossen Festsaales befindet sich ein Capitell mit doppelten Blattreihen. Doch 
der Stil in diesen Blättern ist viel kraftvoller. Es gehört durchaus zu den übrigen 
(Japitellen derselben Arkadenmauer, also zur ersten Gruppe.) 
7) Die schmalen, fast ährenförmigen Blätter an zwei Capitellen in 
der Laube des Erdgeschosses weichen von dem Blattwerk an allen übrigen Capi- 
tellen des Landgrafenhauses so stark ab, dass man hier die Hand eines besonderen 
Meisters vermuthen darf (Abbildung S. 126 und Lichtdruck nach S. 24). Der- 
selbe Bildhauer hat auch an anderen Stellen des Landgrafenhauses gearbeitet. 
Darauf lässt eines der ehemaligen Capitelle des Landgrafenhauses schliessen, das 
jetzt aussen am Eingang der Commandantenwohnung als Consol eingemauert ist 
(Abbildung in dem Abschnitt „Die Commandantenwohnung"). 
Die Beantwortung der Frage nach den einzelnen Bildhauern, die am Land- 
grafenhause gearbeitet haben. wird allerdings erschwert durch die Verschiedenheit 
in der Erhaltung der Sculptnren. Ein grosser Theil der Capitelle ist verwittert 
und beschädigt. Anch im Innern der Zimmer des Landgrafenhauses sind einige 
Capitelle bei der Restaurirung im 19. Jahrhundert stark überarbeitet. Viele Capi- 
telle sind überhaupt vernichtet. Doch nach den erhaltenen Resten glaube ich 
wenigstens die oben genannten Gruppen unterscheiden zu können. Bei der 
grossen Menge der Sculpturen ist es wahrscheinlich. dass die einzelnen Meister 
auch Schüler oder Gehilfen bei der Ausführung beschäftigt haben. Einen völlig 
persönlichen Stil darf man daher nicht in jedem einzelnen Capitell erkennen 
wollen. Das Wesen der einzelnen Persönlichkeit kommt in den Zeiten der roma- 
nischen Kunst überhaupt bei weitem nicht so stark zum Ausdruck als in den 
Zeiten der Renaissance. Die kunstgeschichtliche Untersuchung muss sich daher 
in der Regel damit begnügen, wenn es gelungen ist, die Heimath der Werkstatt 
nachzuweisen und der Beantwortung der Frage näher zu kommen, unter welchen 
künstlerischen Eindrücken diese Arbeiten entstanden sind.
        

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