Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Großherzogthum Sachsen-Weimar-Eisenach: Verwaltungsbezirk Eisenach: Amtsgerichtsbezirk Eisenach - die Wartburg
Person:
Voss, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2477139
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2478144
Das 
Landgrafenhaus. 
Wartburg. 
Deckplatte ist zwar auf 
zwei anderen Seiten ist 
unserer Abbildung des Capitells nicht vorhanden, doch an 
diese charakteristische Bogenlinie deutlich zu erkennen. 
Die Capitelle an den grossen Mittelsäulen im Sängersaal und in der 
Kapelle haben den vorgeschrittenen Stil des Adlercapitells im Landgrafenzimmer 
und können wohl von der Hand desselben Meisters sein. In den sächsisch- 
thüringischen Ländern ist dieser Stil in den ersten Jahrzehnten des 13. Jahr- 
hunderts in der Schlosskapelle bei Freyburg a. d. Unstrut, ferner im Dom zu 
Naumburg, im Kreuzgang des Doms zu Erfurt und im Dom zu Magde- 
burg vertreten. 
4) Die Adler mit dem herabgebeugten Kopf sind in derselben Weise auch an 
den Ecken des Schlangenbändigercapitells in der Erdgesch osslaube angebracht. 
Die Haltung der beiden Adler ist ähnlich wie in der Elisabeth-Kemenate. Doch 
zu beachten ist das mit Perlen besetzte Band am Halse der Adler des Schlangen- 
bändigercapitells. Dieses Perlenband fehlt den anderen Adlercapitellen. Das 
Capitell im Landgrafenzimmer hat statt dessen an den Flügelknochen der Adler 
einen schmalen glatten Streifen, wie er ähnlich auch an den Adlern am Nieder- 
rhein vorkommt, z. B. in der Andreaskirche zu Cöln. (An den Adlern im Dom 
zu Naumburg findet sich statt dessen eine schmale Borte, die mit einer Reihe 
dicht aneinander gereihter Bohrlöcher verziert ist.) Auch die Federn an den 
Beinen der Adler des Schlangenbändigercapitells haben eine andere Form; sie 
sehen aus wie rautenförmige Schuppen. Das kommt an keinem der anderen Adler- 
capitelle des Landgrafenhauses vor.  
Was diese Thiercapitelle trotz mancher Verschiedenheit als Arbeiten derselben 
Werkstatt mit einander verbindet, ist dieselbe Art der Meisselführung: die kerb- 
schnittähnlichen Vertiefungen, mit denen die Schwungfedern der Vögel dargestellt 
sind. Nicht zu vergessen die untere Wölbung an der Deckplatte, die sich bei fast 
allen diesen Capitellen in gleicher Weise findet. 
5) Das Löwencapitell in der Laube des Erdgeschosses zeigt nicht die 
Kerbschnitttechnik der Vogelcapitelle der Wartburg. Das Fell ist durch erhabene 
Locken modellirt. Auch in den Ranken und Blättern macht sich eine besondere 
Form geltend: die Ranken, die durch einen Bandstreifen mit einander verbunden 
sind, laufen am oberen Ende in kleine Blätter aus, deren Spitzen sich mit einem 
kurzen Knick nach vorn üb er biegen. Diese Art der Blätter zeigen ganz ebenso 
folgende Capitelle: In der Erdgeschosslaube das Doppelcapitell mit dem Löwen- 
kopf bei Nr. 2 (Abbildung S. 13 und Lichtdruck nach S. 148). Auch das Greifen- 
capitell im Erdgeschoss bei Nr. 1 hat diese kurz nach vorn über gebogenen Blatt- 
spitzen (Lichtdrnck nach S. 104). Diese drei (Japitelle im Erdgeschoss gehören 
auch dadurch zusammen, dass an der Deckplatte die untere Wölbung fehlt. Aller- 
dings ganz ebenso umgebogene Blattspitzen, auch die Bänder, mit denen die 
Ranken zusammengehalten werden, hat ein Doppelcapitell, an welchem die Deck- 
platte die untere Wölbung zeigt: das Blättercapitell Nr. 4 in der Laube des Erd- 
geschosses (Abbildung S. 180). Dasselbe Fell wie die Löwen in dem Löwencapitell 
der' Erdgeschosslaube hat das Widdercapitell im Sängersaal (Abbildung S. 136), 
das so deutlich auf den Meister von Schwarz-Rheindorf hinweist.
        

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