Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Großherzogthum Sachsen-Weimar-Eisenach: Verwaltungsbezirk Eisenach: Amtsgerichtsbezirk Eisenach - die Wartburg
Person:
Voss, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2477139
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2481784
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Kunstsammlungen. 
Wartburg. 
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und im nördlichen Deutschland sind daher die Seitenwände der gothischen Schränke 
in der Regel aus glatt gehobelten Brettern hergestellt, die ohne Absatz von oben 
bis unten hinab reichen. Auch die eisernen Handgriffe an den Seiten sind am 
norddeutschen Schrank in den Zeiten des gothischen Stils nicht vorhanden.) 
Diese Art des Aufbaues des vierthürigen Schrankes ist für einenfgrossen 
Theil Süddeutschlands und der Alpenländer charakteristisch. Doch eine Anzahl 
der besten Schränke dieser Gattung stammt aus Nürnberg. Auch das schön 
gemaserte Holz der ungarischen Esche, aus dem die glatten Flächen des Wart- 
burgschmnkes gearbeitet sind, wurde häufig in den Nürnberger Schreinerwerk- 
statten verwendet. 
Das reiche gothische Rankenornament, mit dem die Bekrönung des Schrankes 
und die Seitenwände verziert sind, ist allerdings in der Zeit um 1500 nicht nur 
in Nürnberg, sondern auch in mancher anderen Stadt im Süden wie im Norden 
Deutschlands heimisch. Wir finden dasselbe Rankenornament auch an den Be- 
krönungen der aus Holz geschnitzten Altarschreine in derselben Zeit in den ver- 
schiedensten Gegenden Deutschlands, von den Rheinlanden bis nach Schlesien, von 
den Alpen bis in die norddeutsche Tiefebene. Auch durch Kupferstiche ist diese 
Form des gothischen Rankenwerkes weit verbreitet worden. Daniel Hopfer 
hat es in Augsburg gestochen, ebenso Israel v. Meckenem in Bocholt 
an der holländischen Grenze. Ihre Kupferstiche wurden in den Werkstätten der 
Bildschnitzer als Vorlagen benutzt. Die beiden grossen, über Kreuz gelegten 
Blüthenstengel mit den phantastisch geschnitzten Distelköpfen, die sich an der Be- 
krönung des Dürerschrankes der Wartburg finden, kommen nicht nur in Nürnberg 
vor, sondern auch an den fränkischen und thüringischen Altarschreinen. S0 
namentlich in der Werkstatt Tillmann Riemenschneiders in Würzburg, 
ganz ebenso auch in der Werkstatt Valentin Lendenstreichs in Saalfeld, 
z. B. in Oberwellenborn bei Saalfeld und in Oberrottenbach bei Schwarz- 
burg. Doch das Rankenornament an den Altären der Werkstatt Lendenstreichs ist 
von Nürnberger und Würzburger Vorbildern beeinflusst. Daher die Verwandtschaft 
mit dem Rankenwerk des Dürerschrankes. Die Meister der sächsisch-thüiingischen 
Schnitzaltäre sind in diesen Ornamenten indessen nur die Nachahmer und es ist nicht 
anzunehmen, dass der Schrank der Wartburg in einer der Werkstätten der thüringisch- 
sächsischen Altäre oder an einem anderen Orte in Mitteldeutschland entstanden 
sei. Auch die Verwendung italienischer Plaketten lässt viel eher an die Ent- 
stehung in Nürnberg denkenü). In jenen wanderlustigen Zeiten blieben die 
künstlerischen Motive nicht immer auf eine bestimmte Gegend beschränkt. Dafür 
sorgte auch der lebhafte Kunsthandel. Nicht nur ein so umfangreicher Schrank 
wie der Dürerschrank der Wartburg, sondern auch die grössten Altarschreine 
liessen sich leicht auseinander nehmen und auf weite Entfernungen hin ver- 
schicken. So sind diese Motive sowohl nach Norddeutschland wie in die Alpen- 
länder gekommen. Doch Nürnberg ist anscheinend damit vorangegangen. Die 
langen Blüthenstengel mit den grossen Distelköpfen finden sich z. B. an einer Nürn- 
 P1 ul Web e r lehnt die Vermuthung der Herkunft des Schrunkes aus einer Nürnberger Werk- 
stutt ab "d: das Bunkenwerk seiner gunaen Führung und Technik nach so ausgesprochen elchsiech 
ist, du! die Anfertigung in litteldeutaehlund viei wahrscheinlicher ist". (Buumglrtels Wartburg, S. 608).
        

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