Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Großherzogthum Sachsen-Weimar-Eisenach: Verwaltungsbezirk Eisenach: Amtsgerichtsbezirk Eisenach - die Wartburg
Person:
Voss, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2477139
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2480957
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Die 
Wartbxug. 
Geschichte 
der 
Wartburg. 
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Unter Landgraf Friedrich dem Freidigen. Die Wartburg war Siegerin geblieben, 
Friedrich der Freidige, wie man ihn nannte, war nun Markgraf von Meissen 
und Landgraf von Thüringen zugleich, denn sein Bruder Heinrich war schon 
länger tot, und Diezmann war 1308 ermordet worden. Er behielt die Wartburg als 
Wohnsitz bei, obwohl sie im äussersten Westen seiner Lande lag. 
Ungefähr ein Jahrhundert hatte die Wartburg als F ürstensitz gedient. Burg- 
gTafen gab es seit 1227 nicht mehr, dafür wohnten andere Hofleute da. In den 
Kriegszeiten mochte manches verwahrlost sein, und der Aufenthalt in den Räumen 
des Palas mochte bei Unwetter und Kälte unbehaglich sein. Jedenfalls begann 
der Markgraf umfassende Bauten vorzunehmen. Der Anlass war ein Brand des 
Palas. Im Jahre 1318 schlug der Blitz in den grossen Thurm. Das Feuer zer- 
störte Dach und Holzwerk und sprang auf das bleigedeckte Obergeschoss des 
Palas über. Der grosse Saal brannte aus mit seiner getäfelteu Decke. mit den 
Geräthschaften, Waffen und Gemälden. 
Friedrich liess den Thurm und das Obergeschoss des Palas wiederherstellen, 
und zwar im neuen, gothischen Stil. Die Läugswände wurden erniedrigt, die 
Giebel erhöht, so dass das Gebäude ein steileres Dach bekam, die Arkaden 
wurden  wohl auch zum Schutz gegen die Witterung, zum Theil zugebaut und 
viereckige Fenster eingebaut. Neue Gemälde schmückten den grossen Saal, auch 
die Schlacht von Lucka war dargestellt. 
Zu seiner Wohnung aber liess sich der Fürst neben dem Bergfried ein neues 
hohes Gebäude aus Holz, die Dirnitz, errichten. Es war ein Fachwerkhaus 
mit vorkragenden Stockwerken, aussen oder innen bunt bemalt, denn man nannte 
es auch das „gemalte Haus". Es deckte die nördliche Giebelseite des Palas 
und erstreckte sich über den Bergfried noch hinaus, so dass der Thurm zum Theil 
in das Haus eingebaut war. Am Nordende des Thurmes etwa trennte eine Quer- 
maner den vordersten Hof ab, ebenso wie sich weiter südlich eine Mauer quer 
von Osten nach Westen zog, so dass die Burg damals drei Höfe hatte. Um die 
Cisterne liess der Burgherr Erde aufschütten und schuf sich hier einen Lustgarten. 
Daneben verstärkte er die Befestigungen, namentlich wohl nach der Südseite, 
die sich während der Belagerung als der bedrohteste Theil erwiesen hatte. Ver- 
mutlich wurde damals der hintere Thurm, der frühgothische Formen aufweist, neu 
errichtet, um künftigen Angriffen von der Eisenacher Burg her von noch grösserer 
Höhe aus zu begegnen. Auch der innere Thorbau mit dem gotischen Bogen und 
das Ritterhaus in seiner jetzigen Gestalt wird aus jener Zeit stammen. 
Die Wartburg war Friedrich dem Freidigen so lieb geworden, dass er sie bis 
an sein Ende als Wohnung beibehielt, und sie dünkte ihm nun so fest, dass er sie 
 wahrscheinlich das untere Geschoss des Palas  zu seinem Schatzhaus und 
Archiv machte. Von Meissen, vom Osterland und vom Pleissenland liess er alle 
seine Schätze an Silber auf die Wartburg fahren. Eine Probe auf ihre Festigkeit 
hat die Burg nicht mehr zu bestehen brauchen, zum Glück hat sie auch keine 
"Bleibüchse" auf sich gerichtet gesehen, wie sie 1365 der Herzog Albrecht vom Salz 
gegen die Belagerungswerke Friedrichs des Strengen abfeuern liess. 
Lange konnte sich Friedrich des erneuerten Schlosses nicht freuen. Kurz nach 
jenem erschütternden Spiel von den zehn Jungfrauen, das die Predigermönche in 
Eisenach im Frühjahr 1321 aufführten, lähmte ihm ein Schlaganfall Glieder und
        

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