Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Großherzogthum Sachsen-Weimar-Eisenach: Verwaltungsbezirk Eisenach: Amtsgerichtsbezirk Eisenach - die Wartburg
Person:
Voss, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2477139
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2480476
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Die 
Wartburg. 
Margaretheugang 
und 
Elisabethengang. 
219 
Landgrälin Margarethe, der Tochter Kaiser Friedrichs II. bei ihrer Flucht von 
der Wartburg durch das Fenster dieses Zimmers mit Hilfe einer Strickleiter treue 
Dienste geleistet haben soll. Dieses "Eseltreiberstübchen" ist mit einigen Gegen- 
ständen alten Hausraths aus früheren Jahrhunderten ausgestattet. ln der Ecke 
steht ein aus Kacheln des 17. Jahrhunderts aufgebauter Ofen. An der Decke 
hängt über dem Tisch ein Lichtgal gen an einer aus Holz geschnitzten 
Kette. Daran hängt eine eiserne Bergmannslampe.  An der Erde steht ein 
Römhilder Kasten mit der Jahreszahl 1668. Ein Bordbrett mit ein paar 
irdenen Krügen und Tellern, eine kunstlose Armbrust und Pfeile, eine kleine 
geschnitzte Truhe aus dem 17. Jahrhundert, eine Tischklappe an der Wand und 
Butzenscheiben in den Fenstern bilden die bescheidene, Ausstattung des kleinen 
Raumes. Man betritt ihn von dem Vorraum des Margarethenganges, welcher die 
Hausvogtei mit dem neu errichteten Gebäude der Dirnitz verbindet. Der Blick 
von diesem Vorraum in das Eseltreiberstübchen ist auf unserer Abbildung S. 218 
dargestellt. 
Margarcthengang und Elisabethengang. 
Der lange Verbindungsgang, der von der Vogtei zum Rüstsaal der Wartburg 
führt, hat zur Erinnerung an die Landgräiin Margarethe den Namen Marga- 
reth eng ang erhalten. Ein ähnlicher Verbindungsgang liegt auch auf der anderen 
Seite des vorderen Hofes, dem man zur Erinnerung an die heilige Elisabeth den 
Namen Elisabethengang gegeben hat. Der malerische Blick in beide Gange 
ist auf unserem Lichtdruck nach S. 220 dargestellt. Die Gange liegen auf den 
Ringmauern des vorderen Hofes. Sie dienten vor allen Dingen zur Verbindung 
der Vorderburg mit dem Landgrafenhause und den übrigen Gebäuden der Haupt- 
burg. Zu diesem Zwecke sind sie mit einem festen Ziegeldach bedeckt und mit 
breiten Fenstern nach beiden Seiten ausgestattet. Nicht nur die Besatzung, sondern 
auch die Burgbewohner konnten hier, vor Wind und Wetter geschützt, vom Ritter- 
haus zur Hauptburg gelangen, ohne die Höfe zu betreten. Als eigentliche Wehr- 
gängc zur Abwehr eines feindlichen ADgTiü-GS kamen die beiden Gänge weniger 
in Betracht, da der Burgberg zu beiden Seiten steil abfällt und hier die ge- 
schütztesten Stellen der Burg waren. Von ehemaligen Schiessluken mit verstell- 
baren Klappläden ist auf keiner der alten Ansichten aus dem 17. und 18. Jahr- 
hundert, welche die Ostseite der Wartburg mit dem Elisabethengang darstellen, 
etwas zu sehen. Nur ein weit herausgebauter, geräumiger Erker in der Mitte des 
Elisabethenganges deutet auf eine ehemalige Wehranlage. Von hier aus konnte 
die Ringmauer nach beiden Seiten hin wirksam mit der Armbrust oder mit Feuer- 
watfen bestrichen werden. Beide Gange sind ungetäthr 11], m breit. Um diese 
Breite zu gewinnen, sind die Fachwerkwände an beiden Seiten über die Ring- 
mauern vorgekragt. Auf unserem Querschnitt S. 220 ist dies dargestellt. Die 
aus Holz gezimmerten Knaggen (d. h. Console) sind noch grossentheils erhalten. 
Ebenso das Holzfachwerk der Wände. Die stark geschwungenen Hohlkehlen der 
mit dem Zimmermannsbeil zurechtgehauenen Knaggen deuten etwa auf die Zeit 
von 1500 bis 1550. Ganz ähnliche Holzconsole hat auch das ehemalige Gasthaus 
„Zum Stern" in dem nahe gelegenen Berka a. d. Werra, wo Luther auf seiner
        

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