Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Großherzogthum Sachsen-Weimar-Eisenach: Verwaltungsbezirk Eisenach: Amtsgerichtsbezirk Eisenach - die Wartburg
Person:
Voss, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2477139
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2479266
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Das 
Landgrafenhaus. 
Die 
Wartburg. 
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nur die Volute des ionischen Capitells und der Consolstein der Antike, sondern auch 
das Sattelholz des alten angestammten Holzbaues der Germanen sind ihre Vorläufer 
gewesen. An deutschen Bauwerken des 11. und 12. Jahrhunderts sind sie zahlreich 
vorhanden. Doch eine ganz bestimmte Art der Verzierung des Kämpfersteins habe 
ich nur auf der Wartburg und am Niederrhein  in Schwarz-Rheindorf und in der 
Castorkirche zu Coblenz  gefunden: einen schmalen vertikalen Rundstab, 
der die beiden trapezförmigen Seitenflächen in zwei gleiche 
Theile trennt (Abbildungen S. 126). Für die einheitliche architektonische Wir- 
kung des Kämpfersteines ist diese Trennung nach unserem Empfinden vielleicht 
ein Nachtheil. Die harmonisch geschlossene Form des Steines, dessen Masse sich 
an beiden Seiten, ähnlich wie das ionische Capitell der Antike, zu zwei Eckvoluten 
zusammenrollt, wird dadurch zerschnitten und gleichsam in zwei an einander 
stosseude Consolsteine zerlegt. 
An keinem der Kämpfersteine in den romanischen Kirchen der sächsischen 
Länder, in Quedlinburg, Gernrode, Hildesheim, Magdeburg, an keiner der Kaiser- 
pfalzen zu Eger und Seligenstadt, an keinem der Palastbauten von Dankwarderode, 
Münzenberg und anderen Orten in Nord- und Süddeutschland findet sich diese 
trennende Leiste. Wenn ein so seltenes Merkmal nur in zwei, noch dazu weit von 
einander entfernten Gegenden auftritt, so ist es nicht an jedem dieser Orte von 
neuem erfunden, sondern der eine Meister hat es von dem anderen entlehnt  
oder aber, er hat es selber von dem einen Bauwerk nach dem anderen Bauwerk 
herübergebracht.  
Auf der Wartburg findet sich diese verticale Leiste allerdings nur auf dem 
Kämpferstein über dem oben genannten Aehrencapitell. Doch da dies der einzige 
alte Kämpferstein der Wartburg ist, so ist dieses Beispiel entscheidend. Diese 
Bedeutung des Motivs hat auch Ritgen erkannt und dementsprechend "die Restau- 
rirung des ganzen Landgrafeuhauses durchgeführt. In Schwarz-Rheindorf ßllt diese 
verticale Linie besonders ins Auge. Sie ist dort an fast allen Kampfersteinen 
der Gallerie angebracht. An der Castorkirche zu Coblenz dagegen liegen die in 
dieser Weise verzierten Kämpfersteine im Innern der beiden halbrunden Treppen- 
thürme, die an die beiden SVestthürme angebaut sind. Im südlichen Treppen- 
thurm sind die Kämpfersteine sicher alt, aus der Zeit der Erbauung der Kirche. 
3) Die flache Wölbung der Deckplatte der Capitelle, die für das Land- 
grafeuhaus charakteristisch ist, findet sich auch in Schwarz-Rheindorf (Abbil- 
dung S. 127). Bei der Seltenheit dieser Wölbung in Thüringen, die sonst nur in 
der Nicolaikirche zu Eisenach und im Schloss bei Freyburg a. d. Unstrut vor- 
kommt, ist das Merkmal als Eigenthümlichkeit der Werkstatt von besonderer Be- 
deutung. Allerdings von den ungefähr 140 Capitellen der Kapelle zu Schwarz-Rhein- 
dorf sind es nur 14 Capitelle, welche diese Wölbung der Deckplatte zeigen  Doch 
diese Anzahl genügt für den Nachweis, dass zwischen dem Landgrafenhause und 
 10 Cnpitelle mit der gewölbten Deckplatte befinden sich nnl der Gnllerie. Außerdem 3 Cnpitelle 
im obersten Geechou des Thnrmee; ferner 1 Cnpitell im Innern des Thnrmee, im vorletzten Stockwerk, 
und wer seitlich der Kuppel, neben der schmalen Thnrnitreppe, nach Westen zu. (Siebe die Abbildungen 
nach den Zeichnungen des Hilfsarbeiter: den Pmvinzinlooneervatore der Rheinprovinz, Architekten Frnnz 
Krnnse in Bonn, dem ich nnch die Zeichnungen der Cnpihelle n der Andreukirehe in Cöln und alle 
Brnnveiler verdanke.)
        

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