Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Großherzogthum Sachsen-Weimar-Eisenach: Verwaltungsbezirk Eisenach: Amtsgerichtsbezirk Eisenach - die Wartburg
Person:
Voss, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2477139
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2478944
Das 
Landgrafenhaus. 
Die 
Wartburg. 
sind neu. Alle übrigen Capitelle dieser inneren Arkadenwand sind alt. Charak- 
teristische Beispiele sind auf den Lichtdrucken nach S. 40 und 96 sowie auf den 
Abbildungen S. 32, 35 und 43 dargestellt. Siehe auch die Anmerkung auf S. 104. 
Die wichtigste Neuerung, welche die jetzige Decke des Festsaales mit sich 
brachte, bestand darin, dass die Decke auch zugleich mit über den langen Corridor 
hinweg gelegt wurde. Noch um das Jahr 18:30, als der Umbau des Landgrafen- 
hauses begann, waren Gallerie und Festsaal von einander getrennt. jeder der 
beiden Räume hatte eine besondere Bretterdecke. Ritgen dagegen glaubte, aus 
den romanischen Bogenfenstern in der nördlichen tiiebelmauer schliessen zu 
müssen, dass diese Fenster ursprünglich auch die Mitte des ganzen Saales gebildet 
haben. Daher gestaltete er die neue Decke so, dass die Gallerie mit dem Saale 
zu einem einheitlichen Raume verbunden wurde. War die Gallerie vordem nur 
ein langer Corridor ausserhalb des Saales, so wurde sie jetzt zu einem inneren 
Emporenban, von dessen (völlig neu hergestelltem) oberem Geländer man frei in 
den Saal hinabblicken konnte. 
Anscheinend hatte der Saal durch diese Verbreiterung an Schönheit der Raum- 
Verhältnisse gewonnen  wenigstens nach dem Geschmack des 19. Jahrhunderts, 
das die breiten Säle den langgestreckten, gallerieähnlichen Hallen früherer Jahr- 
hunderte vorzog. Dass der Saal in Wirklichkeit die jetzige Form gehabt hat, ist 
unwahrscheinlich, schon aus dem einen Grunde, weil die Arkadenwand, welche 
den Corridor von dem Festsaal trennt, eine Dicke von 0,86 m hat. Das ist un- 
gefähr dieselbe Stärke wie die der änsseren Hauptmauer an der Ostfront des Land- 
grafenhauses, während die Aussenwand der Bogenlauben an der Hoffront nur 
0,65 m stark ist. Eine so massige Innenmauer mit schweren, breiten Wandpfeilern, 
welche sich zwischen die zierlichen Oetfnungen der Arkaden stellen, baut man nicht, 
um das leichte Holzgerüst einer Tribüne für die Spielleute oder für die den Festen 
zuschauenden Frauen zu tragen. Eine Mauer von dieser Stärke hatte nur dann 
einen Sinn, wenn sie nicht allein die Decke des Saales, sondern den ganzen Dach- 
stuhl des Landgrafenhanses zu tragen hatte. Es war die Aussenwantl des Saales. 
Ausserhalb derselben war ursprünglich wahrscheinlich nur ein Umgang projectirt, 
der in erster Linie als Weh rgan g bestimmt war. Die Ansicht des Landgrafen- 
hauses mit einem derartigen oifenen Umgang ist auf S. 17 dargestellt. 
Die grossen Säle auf deutschen Ritterburgen waren nicht nur der Schauplatz 
von feierlichen Gerichtssitznngen und ritterlichen Festen. Bei einer Belagerung 
der Burg wurde gerade im grossen Saale ein beträchtlicher Theil der Besatzung 
untergebracht. Ein geräumiger Wehrgang hatte hier seinen besonderen Werth. 
Wie sich der Wehrgang an der am meisten gefährdeten Südseite des Landgrafen- 
hauses fortsetzte, lässt sich nach dem vollständigen Neubau dieses Südgiebels 
allerdings heute nicht mehr feststellen; doch die auf S. 96 erwähnten Kragsteine 
scheinen einen solchen Wehrgang getragen zu haben. 
Der ganze künstlerische Schmuck des Festsaales ist, mit Ausnahme der Ar- 
kaden der Galleriewand, neu. Nicht nur die Bemalung, sondern auch die 
reiche Architektur, welche Ritgen für die künstlerische Ausstattung der Wände 
geschaffen hat. Vor allem die ganze decorative Architektur der langen Haupt- 
wand an der Ostseite des Saales. Das Gebälk der schrägen Dachtiächen wird 
von mächtigen Consolen getragen, die theils auf romanischen Zwergsäulen, theils
        

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