Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Großherzogthum Sachsen-Weimar-Eisenach: Verwaltungsbezirk Eisenach: Amtsgerichtsbezirke Gerstungen und Eisenach (ohne Wartburg): Amtsgerichtsbezirk Eisenach - die Landorte
Person:
Voss, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2473126
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2475216
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GROSSENLUPNITZ, 
Kirche. 
Eisenach. 
namenlose Künstler auch noch nach Lendenstreichs Tode weiter gearbeitet und 
im Jahre 1516 den Altar für Grossenlupnitz vollendet haben? Auch auf diese 
Weise würde sich die Jahreszahl 1516 mit dem so stark ausgesprochenen künst- 
lerischen Charakter des Autors der bekannten Lendenstreich-Altäre in Einklang 
bringen lassen. 
Durch den Altar von Grossenlupnitz ist die Frage nach den Altären aus der 
Werkstatt Lendenstreichs um einen neuen ungemein wichtigen Beitrag erweitert 
worden. Die erforderlichen kunstgeschichtlichen Untersuchungen jetzt in der 
Kirche zu Grossenlupnitz anzustellen, wird leider ausserordentlich erschwert, da 
der Altar in der Kirche viel zu hoch, mehrere Meter über dem Fussboden, ange- 
bracht ist. Einzelne Dinge, wie die Hande, Ohren, Nasen, Augen und andere 
Theile der Gesichter, die bei kunstgeschichtlichen Vergleichen oft eine entscheidende 
Rolle spielen, kann man in dieser Höhe nicht mit der erforderlichen Deutlichkeit 
erkennen. Ein Kunstwerk, das der alte Meister für die Betrachtung in nächster 
Nähe geschaffen hat, würde einen geeigneteren Platz verdienen. Dasselbe gilt von 
dem schönen Altar in Altengönna. 
Der ganze Altarschrein ist, aufgeklappt, 3,46 m lang und ungefähr 1,73 m 
hoch. (Mit völliger Genauigkeit liess sich das Mass in dieser Höhe nicht fest- 
stellen.) Der geschnitzte Haupttheil des Altars ist 1,73 m lang, jeder der beiden 
Flügel 0,865 m breit. 
Oben auf dem Altarschrein stehen vier Büsten von jugendlichen weiblichen 
Heiligen. Jede von ihnen hat auf der Brust eine kreisrunde Vertiefung, die 
Hostienkapsel. Diese vier Büsten haben ursprünglich sicher an einer anderen 
Stelle gestanden, vielleicht in dem ehemaligen Untersatz (der Predella) desselben 
Altarschreins. An solchen Stellen kommen dergleichen Büsten mit Reliquien- 
kapseln vor, meist in Augenhöhe, so dass man die Reliquien und die dabei 
liegenden geschriebenen Zettel deutlich erkennen kann. Zu diesem Altarschrein 
scheinen die Büsten gehört zu haben; denn der Ausdruck der Köpfe, der Schnitt 
der Gesichter ist derselbe wie an den Statuetten der Barbara und der anderen 
jugendlichen weiblichen Heiligen, die das dazugehörige Gegenstück bilden. Man 
beachte namentlich die hohen runden Stirnen, die. wie Kegelkugeln gewölbt sind, 
die breit auseinander liegenden Augen, die dicken Stumpfnasen, das fette Kinn 
und die plumpe, etwas vorgestreckte Oberlippe. Diesen vulgären Zug haben auch 
die beiden vorgenannten geschnitzten weiblichen Statuetten. Besonders auffallend 
ist die Aehnlichkeit in der Darstellung der gelockten Haare. Man vergleiche nur 
die Form der über die Brust herabfallenden Locken an der Büste der heiligen 
Margaretha mit dem Haar der geschnitzten Statuette der heiligen Barbara. An 
beiden dieselben krausen Wellenlinien und dieselben groben Kerbschnitte des 
Schnitzmessers. 
Zuthaten des späten Barockstils dagegen sind der geflügelte Engelskopf, 
welcher oben in die Mitte des Altarschreins gesetzt ist. Ferner die beiden ge- 
ilügelten Engelsköpfe, welche an der Unterkante des Altarschreins als Console an- 
gebracht sind. Der Stil der Köpfe und der Engelsitlügel deuten auf den Anfang 
des 18. Jahrhunderts. Möglich, dass sie bei der Erneuerung der Kirche in den 
Jahren 1712-1716 gemacht sind. 
Eine aus Holz geschnitzte Maria, welche den Leichnam Christi im Schosse 
hält, befand sich bis 1909 im oberen Geschoss des Kirchthurmes, seitdem wird sie
        

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