Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Großherzogthum Sachsen-Weimar-Eisenach: Verwaltungsbezirk Eisenach: Amtsgerichtsbezirke Gerstungen und Eisenach (ohne Wartburg): Amtsgerichtsbezirk Eisenach - die Stadt Eisenach
Person:
Voss, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2468973
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2469891
Eisenach. 
G eschichte 
Stadt 
Eisenach. 
daraus, die dann im Schmalkaldischen Kriege gebraucht wurden und in der Schlacht 
bei Mühlberg von Karl V. erobert worden sein sollenf). Die Klostergebäude 
behielt meist die Landesherrschaft und verwandte sie als Wohnung von Beamten, 
als Kornboden u. dergl. Aber manvernachlässigte sie, und sie wurden noch bau- 
fälliger, als sie vielleicht erst schon waren. Bald benutzte man auch schon Holz, 
Steine und Ziegeln der verödeten Klöster und Kirchen zur Ausbesserung der Wart- 
burg und wohl auch anderer Bauwerke, wie der Stadtmauer und Thorthürme 
(P. Weber, Baugeschichte der Wartburg, im Wartburgbuch, S. 151). 
Die Einkünfte der Vicarien in den Kirchen St. Georg, St. Nikolai, St. Jakob, 
St. Annen und der beiden Sondersiechen, ferner der zum Stift gehörigen Vicarie 
der ehemaligen Oberstedtfelder Kirche St. Michael und Erbzinsen des Nikolai-, 
Katharinen- und Predigerklosters dienten fortan zur Besoldung von Geistlichen 
und Lehrern. Der "gemeine Kasten", zur Armenunterstützung dienend, wurde von 
allerlei geistlichen Stiftungen und dem Erlös aus dem Verkauf von Kirchengeräthen 
und Häusern der Geistlichkeit gBSpBiSt (Berbig, Die kirchliche Versorgung der Stadt 
Eisenach, Beitr. XII, S. 4ff. 
Waren so die stattlichsten Bauten Eisenachs dem völligen Verfall preisgegeben, 
war mit der lhatenlosigkeit und Völlerei der Geistlichkeit auch das bunte Bild 
prunkvoller Heiligenverehrung verschwunden, so ist doch im Verlaufe des 16. Jahr- 
hunderts auch manches Neue geschaffen worden, und unstreitig hat die Stadt da- 
mals wieder eine gewisse Blüthezeit erlebt. Kurfürst Johann Friedrich überliess 
1544 dem Rath der Stadt gegen Kaufgeld und Erbzinsen die Ländereien der 
eingezogenenKlöster St. Nikolai, St. Katharinen und St. Nikolaus, und die 
Bürger erwarben sie sich wieder vom Rath, erst auf Zeit, dann eigenthümlich 
(Stadtrechte, S. 88t u. 91h). Das mag dem zurückgegangenen Ackerbau und dem 
Handel mit Hopfen, Wein und Getreide wieder aufgeholfen haben. Daneben hatte 
man seine Nahrung hauptsächlich von der Viehzucht und besonders von dem Woll- 
handel (Fr. Heusinger, Sammh über Eisenach, f. 261). So wurde zwar die Landwirth- 
schaft auf Kosten des Handwerks bevorzugt, aber zunächst scheint es der Stadt 
selbst doch zu gute gekommen zu sein. Denn um die Mitte des Jahrhunderts er- 
standen mehrere stattliche Neubauten, die den Uebergang zur Renaissance 
zeigen. Die einzigen bemerkenswerthen Steinmetzarbeiten an städtischen und 
bürgerlichen Bauwerken, die Eisenach aus älterer Zeit aufzuweisen hat, entstammen 
diesen Jahren. Kurz hinter einander sind gebaut worden der Rathsbrunnen vor 
dem Chor der Georgenkirche, das Creuznachersche Haus (jetzt der nordöstliche 
Theil des Residenzhauses), die jetzige Apotheke am Markt, der Weinkeller (jetzt 
Rathhaus) und das sogenannte Lutherhaus, wo der Meister jener Bildnereien seine 
Werkstatt hatte (Peter, Steinmetzz. u. Hausnr, Beitr. z. Gesch. Eisen., S. 28  ausserdem 
wurde die Georgenkirche erneuert. 
Einige Jahrzehnte später scheint die wirthschaftliche Lage der Stadt wieder 
zurückgegangen zu sein. 1607 heisst es, der Wollenhandel sei durch Auflagen ge- 
schwächt. -Aber auch die Bürger mögen in Schlaffheit versunken gewesen sein, 
i") Schumacher, Merkwürdigkeiten, S. 75, und J. M. Koch, Eis. Chronik, f. 96. Das Vorspiel 
des Krieges hat sich übrigens bis auf Eisenach ausgedehnt. Als Herzog Moritz 1546 das Land des Kur- 
fürsten Johann Friedrich eroberte, hielten sich allein die drei Städte Wittenberg, Gotha und Eisenach 
gegen seine Angriffe (Topp, Historie, S. 111).  
        

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