Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Großherzogthum Sachsen-Weimar-Eisenach: Verwaltungsbezirk Eisenach: Amtsgerichtsbezirke Gerstungen und Eisenach (ohne Wartburg): Amtsgerichtsbezirk Eisenach - die Stadt Eisenach
Person:
Voss, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2468973
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2472183
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Wohngebäude von geschichtl. Interesse. 
EISENAUII, 
Eisenach. 
222 
Beträchtliche Farbspuren von Wandgemäilden sind in einem grossen Raume des 
Obergeschosses erhalten. Man erkennt Zweige, Weinlaub, auch zwei Rehe, aus- 
geführt in flüchtiger dekorativer lÄiandmalerei. Auch von den Inschriften sind 
einige Worte erhalten, z. B: der JWCHSCH werde ich,    Alles ohne Gottes Wort 
Erlöser und Seliqmacher,   Sowohl die Formen der Malerei wie die Schrift 
deuten auf das 17. Jahrhundert, also mit grosser Wahrscheinlichkeit auf ungefähr 
dieselbe Zeit wie die Ausführung der Sterngewölbe im Erdgeschoss. Ursprünglich 
befand sich hier ein grosser Saal. Die Unterzugbalken der Decke sind noch zum 
Theil erhalten. Später ist der Saal durch Fachwerkwande getheilt worden. 
Im Vordergebäude befinden sich im Obergeschoss zwei Stuckdecken aus der 
Zeit des Roccocostils. Die Wände waren mit Oelgemälden auf Leinwand bespannt, 
die jetzt im Thüringer Museum aufbewahrt werden. Es sind dekorative Arbeiten 
aus der Roccocozeit. 
U38 Bachmuseum. Das Haus am Frauenplan, in dem der Tondichter 
Johann Sebastian Bach am 21.. lllärz 1685 als Sohn des Eisenacher Stadt- 
'musicus Johann Ambrosius Bach geboren wurde, ist seit dem Jahre 1906 in den 
Besitz der Neuen Bachgesellschaft e. V. in Leipzig übergegangen und von 
ihr in ein Bachmuseum umgewandelt worden. Das schlichte Gebäude ist als Beispiel 
eines kleinbürgerlichen Wohnhauses aus dem 17.-l8. Jahrhundert von Inter- 
esse. Es ist ein völlig kunstloser Fachwerkbau, dessen Aussenfront mit Putz be- 
deckt ist. Der älteste Theil sind die Kellergewölbe. Der Fachwerkbau zeigt 
keinerlei Ornamente, aus denen man mit Sicherheit auf die Zeit der Erbauung 
schliessen könnte. Der tlache Bogen der Hausthür deutet auf die Zeit um das Jahr 
1700. Auch unter dem Fassadenputz sind keine geschnitzten Ornamente ver- 
borgen, wie die Untersuchung beim Neubau ergeben hat. Charakteristisch für ein 
Wohnhaus in den thüringischen Städten ist der breite Erker (rechts neben der 
Hausthür). Er ist in der ganzen Breite des Zimmers herausgebaut und hat dicht 
neben der Hausthür, an der schmalen Seitentläche, ein kleines Fenster, von dem 
aus man den Platz vor der Hausthür überblicken und erforderlichenfalls auch ver- 
theidigen konnte. Im Innern giebt die Diele in der Hauptsache den Eindruck der 
alten Zeit wieder. Das Treppengeländer ist nicht mehr das ursprüngliche, sondern 
aus einem anderen Eisenacher Hause hierher gebracht. Die Ausstattung der 
einzelnen Zimmer mit sämmtlichen Möbeln und Musikinstrumenten ist erst seit 
dem Jahre 1906 hier angesammelt. Es befinden sich darunter die verschiedensten 
Gegenstände thüriugischer Herkunft aus dem 18. Jahrhundert, auch aus noch früherer 
Zeit. Die bauliche Wiederherstellung und die stimmungsvolle Ausstattung ist im 
Wesentlichen Dr. Georg Bornemann, unter Mitwirkung des Architekten 
Johannes Castobius, zu verdanken. G. V. 
Die Instrumentensarnmlung. Wenn sich die alte Thür des Hauses, in 
dem J oh. Seb. Bach geboren wurde, hinter dem Besucher geschlossen hat, umfängt 
ihn eine andere Welt, als die da draussen, eine Welt "windst-illen Lebens Genüge". 
Versetzt schon der mit rothen Backsteiniiiesen ausgelegte Flur uns in das Milieu 
bescheiden-bürgerlichen Lebens gegen das Ende des 17. Jahrhunderts, so wird in 
den im oberen Stock gelegenen Wohnräumen das Empfinden, sich in einer ver- 
gangenen, hier lebendig gewordenen Zeit zu bewegen, immer stärker. An der
        

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