Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Großherzogthum Sachsen-Weimar-Eisenach: Verwaltungsbezirk Eisenach: Amtsgerichtsbezirke Gerstungen und Eisenach (ohne Wartburg): Amtsgerichtsbezirk Eisenach - die Stadt Eisenach
Person:
Voss, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2468973
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2471049
224 
EISENACH, 
Georgenkirche. 
Eisen ach. 
proiilirt-es Spitzbogenfenster (1515), zugemauert, 
zwei schmale moderne Fensterschlitze. 
sowie 
daneben 
unten 
und 
oben 
Plump und schwer lag auf dem Ganzen das breite Walmdach mit seinen zahl- 
reichen unküustlerischen Dachluken, die zur Beleuchtung der ehemaligen oberen 
Empore der Kirche erforderlich waren. 
Gothische Architekturformen aus der Zeit des Mittelalters sind am Aeussern 
der Kirche kaum noch vorhanden. Die hohen Spitzbogenfenster am Altarraum 
und den beiden Langfronten zeigen Profile, welche für die gothischen Bauten aus 
der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts (und aus noch späteren Zeiten) charakte- 
ristisch sind. Der Meister von 1560 hat wohl nur deshalb das Langhaus mit Spitz- 
bogenfenstern ausgestattet, um den Neubau in Harmonie mit dem damals stehen 
gebliebenen Altarraum zu bringen.  Auch das spitzbogig überwölbte Portal an 
der Südseite, dessen Rundstäbe sich am Scheitel und am Kämpfer des Bogens 
durchschneiden, ist wahrscheinlich nicht früher als in der Zeit um 1525 oder noch 
später entstanden. (Abbildung S. 225.) Steinmetzzeichen sind an dem aus gothischer 
Zeit stammenden Mauerwerk der Ostfront des Altarraums mehrfach erhalten. 
Die Fenster im Chor sind spätgothisch, aus der Zeit um 1515. Jetzt sind die 
Profile einfach, mit mehreren schon verhältnissmässig flachen Kehlen und kleinen Ab- 
stufungen profilirt. Sockelgesims und Fensterbankgesims haben schlichte gothische 
Profile. Die Strebepfeiler (ursprünglich an jeder der drei freien Seiten zwei Zwischen- 
pfeiler zwischen den Eckpfeilern, die östlichen Eckpfeiler übereck gestellt) sind vom 
Sockelgesims und Fensterbankgesims umzogen, über noch einem Vorderfiachengesims 
zurückgesetzt und enden mit Pultdächern; sie sind später der Verstärkung Wegen in 
dem hinteren Theil etwas höher geführt worden. Doch nur die östlichen Strebepfeiler 
sind frei sichtbar, diejenigen der Nord- und Südseite sind zum grossen Theil durch 
die Mauern der Anbauten zu verschiedenen Zeiten eingebaut oder ersetzt worden. 
Noch von 1515 her tritt an der Nordseite des Chors im 3. Joch ein Bautheil, 
so stark wie das Langhaus, vor. Das Erdgeschoss ist wohl ursprünglich als Sacristei 
errichtet und mit einem (jetzt zugemauerten) Kleeblattbogenfenster an der Nordseite 
beleuchtet werden. Um 1580 ist dieser Theil mit Steinen des verfallenen Katharinen- 
klosters zu einem Archiv umgebaut. Das 1. Obergeschoss war wohl eine Kapelle und 
erhielt ein mittelgrosses Spitzbogenfenster. Jetzt ist dieser Bautheil vom Chor ganz abge- 
schlossen; im Erdgeschoss ist er nur durch eine eiserne, hinter dem Getäfel der Ohornord- 
wand versteckte Thür zugänglich. Im Obergeschoss ist er gegen das Nordschiff des Lang- 
hauses geöffnet und enthält eine Treppe, die von dem 1. zum 2. Emporengeschoss des Nord- 
schiffes führt. Aussen erscheint dieser Bautheil durch gleiches Traufgesims und Dach mit 
dem Langhaus ganz zu diesem gezogen. An das 1. und 2. Joch der Nordseite ist im 
18. Jahrhundert ein niedriger Anbau (für Begräbnisse?) gesetzt, ebenfalls von innen 
wie aussen unzugänglich, durch eine Mittellisene an der Nordseite in zwei Abtheilungen 
getheilt und in jeder dieser Abtheilungen, wie an der Ostseite mit einem kleinen 
Rechteckfenster beleuchtet. 
An der Südseite des Ohores tritt vor dem 3. Joch ein Anbau, ebenfalls so weit 
wie das Langhaus vor. Sein Erdgeschoss ist Bau von 1515, ursprünglich wohl Ein- 
gangskapelle, später Sacristei, mit einem Kreuzgewölbe von kehlprofilirten Rippen auf 
baldachinartig profilirten Consolen (mit Rosette im Schlussstein) bedeckt, an der Ost- 
wand mit einer rechteckigen Sacramentnische versehen. Die beiden Obergeschosse 
darüber (das 1. mit dem Herzogsstand, das 2. mit dem Gefolgestand) sind von 1717 
und haben geputzte Flachdecken. Auch dieser Vorbau ist zum Langhaus durch das 
gleiche Traufgesims und Dach gezogen. Ferner ist hier, um Gleichheit mit dem Lang- 
haus zum Schein zu erzielen, ein dessen Fenstern gleichgrosses Spitzbogenfenster vom 
Erdgeschoss zum 1. Obergeschoss durchgeführt, welches, beide Geschosse beleuchtend,
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.