Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Großherzogthum Sachsen-Weimar-Eisenach: Verwaltungsbezirk Eisenach: Amtsgerichtsbezirke Gerstungen und Eisenach (ohne Wartburg): Amtsgerichtsbezirk Eisenach - die Stadt Eisenach
Person:
Voss, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2468973
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2470998
Eisenach. 
EISENACH, 
Georgenkirche. 
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dass Jahrzehnte lang kein Gottesdienst darin stattfand, und dass der Rath der Stadt 
den Kurfürsten Johann Friedrich um die Erlaubniss ersuchen konnte, die Kirche 
als Rathhaus einzurichten. Pfarrkirche, und zwar nunmehr einzige Pfarrkirche 
der Stadt, war einstweilen die Barfüsserkirche. Dr. Strauss hatte schon 1525 in 
ihr gepredigt. Aber sie lag ungünstig. Für alte und schwache Leute war der 
Weg auf die Anhöhe zu beschwerlich, dazu litt ein Rathsherr durch einen Sturz 
bei Glatteis Schaden an seiner Gesundheit. 
S0 beschloss der Rath der Stadt, welcher die eingezogenen Einkünfte der 
Pfarrkirchen, der Jakobskapelle und der Spitalkapellen zu verwalten hatte, im 
Jahre 1560 die Wiederherstellung der Georgenldrche. Der Chor konnte bis 
zum Dach hinauf stehen bleiben, das übrige Gebäude aber musste wegen seines 
verfallenen Zustandes grösstentheils abgerissen und neu aufgeführt werden, mit z Wei 
Emporen, Säulen oder Pfeilern, gewölbter Vorhalle, Giebel und Dach. Aus der 
Barfüsserkirche nahm man die Pfeifen und Tuben der Orgel, aus der Blrauenkirche 
die Bänke und anderes. 
Im Jahre 1561 wurde das erneuerte Gebäude eingeweiht. Die Geistlichkeit 
und die Lateinschule mit ihren Lehrern zogen mit vierstimmigem Gesang in die 
Kirche. Das erste Paar, dass darin getraut wurde, waren Johannes Phmd v. Wenk- 
heim und Magdalene Goldaclcer. 
Von der Erneuerung und zugleich von der ersten Erbauung kündete nachher 
eine Inschrift im Chor, über dem Stand der Geistlichen: 
Anno M. CXC. 
Der Landgraf Inodeunlg ein nz'ildev' Herr, 
Die Kirche baut zu S. Georgen Elzr. 
Zu Gottes Ehr allem der Rath 
Sie zuiederuonb erneuert hat i). 
Im 16. und 17. Jahrhundert nahm man noch manche Verätnderung vor. 
1562 wurde ein gedeckter Gang vom Zollhof herübergeführt, 1580181 ein 
Kreuzgewölbe aus Steinen des Katharinenklosters hergestellt; 1576 baute Georg 
Schauenberg eine neue Orgel, die 1695-98 durch eine nach Anleitung des 
Organisten Johann Christoph Bach von Gg. Christian Sterzing ge- 
geschafene ersetzt wurde. 1593 wurde die Kanzel vom Maler Werner Saal- 
f eld gemalt. 1610 veranstalteten fürstliche Räthe und Diener eine Sammlung, um 
die Aussenmauern zu berappen (tünchen?), weil sie einen „unziemlichen Aspekt 
gegen das Schloss" boten. 1614 erhielt der Chor neuen malerischen Schmuck 
mit vielen Sprüchen nach Vorschrift des Superintendenten N ik. Rebhan, 1672 
eine dritte Empore und neue Bemalung, 1676 eine neue Kanzel. (Die alte kam 
in die Annenkirche.) 
Bis 1743 lag die Kirche nicht frei. Nördlich stand zu ihr parallel die fürst- 
liche Kanzlei, das frühere Rathhaus, nach Osten bloss bis zum jetzigen 
Marktbrunnen reichend, daran schloss sich ein Wachthaus. Was an der Kirche 
aussen bemerkenswerth war, schildert 1712 Johann Limberg im „Lebenden und 
schwebenden Eisenach": „Umb S. Georgen Kirche gehet eine Mauerw), in dessen 
i") Die "Alte Thüringische Chronicka" (bäankfurt u. Leipzig 1715), in der sich diese Inschrift findet, 
bezieht sie, offenbar falsch, auf die Erneuemng von 1515. 
M) Nach Trupp (Hdschr. in Weimar, Bibliothek) war sie 5 Fuss hoch und hatte 5 Eingänge.
        

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