Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Großherzogthum Sachsen-Weimar-Eisenach: Verwaltungsbezirk Eisenach: Amtsgerichtsbezirke Gerstungen und Eisenach (ohne Wartburg): Amtsgerichtsbezirk Gerstungen
Person:
Voss, Georg Lehfeldt, Paul
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2467151
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2467680
Gerstungen  
Geschichtliche 
Einleitung. 
diesen Besitz durch die Kriegswirren hindurch behauptet. Danach kamen auch die 
anderen frankensteinisch-hennebergischeu Besitzungen der Umgegend in ihre Hände, 
wahrscheinlich infolge der Vermählung Friedrichs des Ernsthaften mit Katharina 
v. Henneberg (1346). Freilich machte das Stift Hersfeld seine alten Eigenthums- 
rechte geltend, und so schloss Landgraf Friedrich der Strenge 1354 mit Hersfeld 
einen Vertrag wegen des gemeinsamen Besitzes von Hausbreitenbach, Berka und 
Gebesee ab, die sie damals gemeinschaftlich von „den von Erffurte" lösten (Mitth. 
aus d. Königl. Sächs. Hauptstaatsarchiv Dresden). Daher 1131113811 111111 die thüringischen 
Landesherren lange Zeit nur die Hälfte des „Amtes Hausbreitenbach" in 
ihrem Besitz.  
Die Reformationszeit brachte wichtige Aenderungen mit sich. Das Kloster 
Frauensee wurde aufgehoben und zu einem Amt Frauensee gemacht. Den 
nächsten Anspruch darauf hatte das Stift Hersfeld, von dem das Kloster abhängig 
gewesen war, aber der Land graf von Hessen, Philipp der Grossmüthige, der 
den Bauernanfruhr im Hersfelder Gebiet unterdrückt hatte, liess sich zum Ersatz 
seiner Kriegskosten pfandweise neben der Hälfte der Stadt Hersfeld den hers- 
feldischen Antheil am Amt Hausbreitenbach und das Kloster Frauensee einräumen 
(Kronfeld, Landesk. II, S. 353). So wurde das Klosteramt Franensee ganz und 
das Amt Hausbreitenbach zur Hälfte hessisch, und sie blieben es, da 
Hersfeld 1648 säcularisirt wurde und an die Landgrafschaft Hessen überging. In 
Berka war ein hessischer Amtsvogt, der die Einkünfte des hessischen Antheils am 
Amt Hausbreiteubach entgegennahm, während die sächsische Hälfte von Gerstungen 
aus mitverwaltet wurde. 
Allein auf die Dauer that die Doppelherrschaft nicht gut. Schon in der Refor- 
mationszeit beanspruchte der Landgraf von Hessen das Recht, die Pfarrstellen im 
Amt Hausbreitenbach zu besetzen, und die Unsicherheit der Rechtslage trug wohl 
dazu bei, dass der kleine Bezirk einen Hauptsitz der Wiedertäufersekte 
bildete. Allerdings hatten auch viele Orte keinen eigenen Pfarrer; l)ippach, Haus- 
breitenbach, Fernbreitenbach, Gospenrode und Horschlitt wurden von Berka aus 
versorgt, Wünschensnhl von Herda aus. Die kirchlichen Oberen in Sachsen hatten 
viel Noth mit den Hartnäckigen, und der beharrliche Muth des Wiedertäufers Fritz 
Erbe aus Herda wurde durch langjährige Haft nicht gebrochen. Als ein Märtyrer 
seiner Ueberzeugung starb er 1548 im Thurmgefängniss der Wartburg und wurde 
unter dem Schloss bei dem Elisabethenklösterchen begraben (Schmidt, Justus Menius, 
S. 166ff.  P. Wappler, Die Stellung Kursachsens und des Landgrafen Philipp von Hessen zur 
Täuferbewegung, S. 83-94). 
Auch später verursachte der gemeinsame Besitz des Amtes Misshelligkeiten, 
und die Sache spitzte sich allmählich so zu, dass die hessische Regierung beim 
Tode des Landgrafen Karl 1730 ein Trauergeläute in den Amtsortschaften ver- 
langte und, als das von der Eisenacher Regierung verweigert wurde, Berka mili- 
tärisch besetzen liess (Stegmann, Werraztg., 1906, Nr. 133). Der Streit währte eine 
Reihe von Jahren. Erst 1742 war eine völlige Einigung erzielt: Hessen erhielt 
aus dem Amt Gerstungen die Orte Süss, Kleinensee, Bosserode und Rasdorf, aus 
dem Amt Hausbreitenbach die Dörfer Dippach und Gospenrode; Eisenach, d. h. 
nunmehr das Herzogthum S.-Weimar-Eisenach, behielt den Haupttheil des 
Amtes Hausbreitenbach. Er umfasste die Ortschaften Berka, Herda, Hausbreiten-
        

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