Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Großherzogthum Sachsen-Weimar-Eisenach: Verwaltungsbezirk Apolda
Person:
Lehfeldt, Paul
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2459749
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2463399
150 
J um, Wohnhäuser. 
Jena. 150 
Bürgermeister Jöcher erbaut. Die Front nach der Johannisstrasse ist sehr breit, im 
Uebrigen mit ihren Rechteck-Fenstern einfach bis auf ein rundbogiges Hauptportal 
und einen Erker. Das Portal hat die wiederkehrende (oben geschilderte) Gestalt, 
doch Kreisöiinungen in den Zwickeln und darüber ein auf drei Consolen ruhendes, 
verkröpftes Gebälk mit dreieckigem, in der Mitte durch einen canellirten Hermen- 
pfeiler unterbrochenem und mit Beschlags-Ornamentik und zwei Wappen geschmücktem 
Giebel. Das Portal ist um der Mittelachse willen aus der Mitte etwas nach rechts 
gerückt. Denn links davon steigt ein auf einem karniesförmigen Consol vorgekragter 
Rechteck-Erker in den Obergeschossen auf. Unschön ist dieser (ebenfalls der Sym- 
metrie wegen) so nahe an das Portal gerückt, dass er in dessen Giebel einschneidet. 
Im Innern sind im Obergeschoss einige prächtige Stuckdecken erhalten  
1. Grosse Saaldeoke (11 m  6 m) mit 3 Deckenfeldern zwischen 2 massigen Trä- 
gern, reich stuckirt, mit umlaufendem Zahnschnitt-Gesims, einfassenden Gesimsen und 
reichem, in jedem Feld wechselndem Ornament, mit weiblichen Büstenköpfen. In den ellip- 
tischen Mittelfeldern Darstellungen des Frühlings (Abbild. S. 149), Sommers und Herbstes 
in fast frei herausgearbeiteten Knabenfiguren, kräftig und virtuos behandelt.  2. Zim- 
mer mit Erker nach der Strasse, Steinsäule mit Consol, die inneren kräftigen Fenster- 
bögen tragend. Die Decke durch starke Träger in zwei Felder getheilt. Gleiche 
Anordnung wie im Saal. Mittelfiguren: in dem einen Mittelfelde unschön gestaltete, 
weibliche Figur (Venus, auf einem Rade schwebend, mit Schleiertuch), im andern 
Amor mit Bogen und Köcher, hübsch. An Stelle der Büstenköpfe in der Saaldecke: 
riesige Blumensträusse.  3. Zimmerdecke, kleiner, mit Wandgesims, auch am Träger 
umlaufend, und zwei Rundfüllungen, mit Lorbeerlaub-Gewinden umgeben, mit stark 
nachgedunkelten, anscheinend biblische Darstellungen behandelnden Oelbildern (kaum 
erkennbar). In den Fensterbögen und Leibungen überall Füllungen mit Lorbeer- 
Zweigen in flacherem Relief und hübscher Anordnung.  4. Grosser Vorsaal, durch 
Einsprung der einen Ecke unregelmässig gestaltet (14 m  7 ,5 m). Die zwei Schmalwände 
mit Pfeilerarcaden (die eine mit 4, die andere mit 5 Oeffnungen), in den Bogenfüllungen 
kräftige Blumen- und Frucht-Gehänge. Darüber ornamentirtes Wandgesims. Die Decke 
der Länge nach durch einen mächtigen Träger in zwei Felder getheilt, mit je zwei 
umrahmten Rundfeldern (leer) und grossen, mit kriegerischen Emblemen gezierten 
Mittelfüllungen. Die der Fensterwand entgegengesetzte Langwand hat einen frei- 
stehenden und einen Eck-Kamin. Beide haben massige Untertheile mit Umrahmungen 
und nach innen geschweifte, schlanke Aufsätze mit je zwei frei gearbeiteten Knaben- 
iiguren.  Raum-Höhe nur 3,50 m und 3,60 m.  
Die vorher erwähnten Portale haben sich so häufig an sonst modernisirten 
Häusern erhalten, deren einzigen Schmuck sie dann bilden, dass hier die am meisten 
in's Auge fallenden eine Aufzählung verdienen. Es sind solche an folgenden Hausern 
(nach Strassen geordnet, mit Hinzufügung sonstiger, beachtenswerther Einzelheiten, 
Inschriften etc): 
Stadthaus in der Johannisstrasse. Hier auch im unteren Flur ein proülirter Rund- 
bogen-Druehgang zur Treppe.  J ohannisstrasse Nr. 22; über dem Bogen die 
Jahreszahl: 1.583. [Die Consolen fortgeschlagen].  Nr. 16 [desgL].  Jener- 
gasse N r. 1.  Nr. A. (ohne Nummer, an der zur Universität führenden Sackgasse), 
mit Schildern zwischen den Facetten.  Nr. 12 (in dieser Gasse). Links vom Portal
        

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