Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Großherzogthum Sachsen-Weimar-Eisenach: Verwaltungsbezirk Apolda
Person:
Lehfeldt, Paul
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2459749
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2463174
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JENA, 
Schloss. 
Jena. 
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schon 1751 wieder herabgenommen werden mussten]. Im Jahre 1757 wurde das 
ganze nördliche Hauptgebäude  nach seinem Erbauer das neue Wilhelminer 
S.chloss genannt  restaurirt. Dasselbe zeigt jetzt nach dem Hofe zu eine Frei- 
treppe; vor dem Mittelbau und an diesem einige Verzierungen über den Fenstern 
im Stil des 18. Jahrhunderts, über der Thür das sächsische Wappen und das Mono- 
gramm von Ernst August. Im Innern ist eine ganz bemerkenswerthe Treppenanlage 
mit Kreuzgewölben des Ganges und der Treppenläufe. Zwischen rechteckigen Gurt- 
bögen sind einige verzierte Stuckdecken. Aussen bildet dieses Gebäude die Ecke 
des Fürstengrabens und der Schlossgasse. Es dient heute als Unterkunft für wissen- 
schaftliche Sammlungen und enthält u. a. das orientalische Münzkabinet, 
das archäologische und mineralogische Museum, sowie einige Hörsäle. 
Auf die Restauration im 18. Jahrhundert ist auch der auf dem alten Rnndthurm 
stark zurückgesetzte, achteckige, obere Bau mit der Schweifkuppel zurückzuführen. 
Dieser Bautheil enthält jetzt das germanische Museum. 
Die Westseite des grossen Hofes bildet der an der Schlossgasse gelegene 
Flügel, dessen einer Theil die Wohnung des Grossherzogs bildet. Dieser Flügel 
wurde gebaut, wie die Inschrift am Treppenhause nachweist: IM IAR 1570 DEN 
24. TAG MAII IST DIS HAUS IM GRÜNDE ANGEFANGEN, und zwar vom 
Herzog Johann Wilhehn, weshalb dieser Gebäudetheil auch wohl Johann Wilhelmer 
Schloss genannt wurde. Hier springt ein runder Treppenthurm, durch rauten- 
förmige Fenster erleuchtet, vor, jetzt mit dem Gebäudedach abschliessend. Neben dem 
Thurm das hübsche Eingangsportal, ein Rundbogen mit Facetten an den Pfeiler- und 
Bogengliederungen, toscanischen Capitellen und mit rechteckiger zahnschnittverzierter 
Umrahmung, darüber ein ebenso profilirter Dreieckgiebel. 
Die Verbindung dieses Johann Wilhelmer Schlosses mit dem 1661 fertig ge- 
stellten Nordbau  dem neuen Wilhelminer Schlosse  liess Herzog Bernhard, 
„damit er aus dem neuen Wilhelminer Schloss einen freien Gang in das Johann 
Wilhelmer Schloss habe", herstellen durch den heute noch stehenden Zwischenbau im 
Nordwesten des Hofes, dessen Untertheil später als Spritzenhaus verwendet wurde. 
An das neue Wilhehniner Schloss wurde 1660 östlich (nach dem Rimdthurm 
zu) ein Anbau, die Schloss- und Militärarresthaus-Wach e, gemacht, aus verputztem 
Fachwerk, unbedeutend. 
Gleich unbedeutend ist das Reitbahngebäude, welches die Ostseite des 
Hofes bildet und 1668 an Stelle der Hofschmiede errichtet wurde. Es enthält das 
landwirthschaftliehe Museum und geht mit der östlichen Aussenfront nach der Saal- 
bahnstrasse hin, mit der Südseite stösst es an die Nachbargebäude. 
Den südlichen Flügel des grossen Schlosshofes bildete der M arstall. Nach 
Hortledefs schriftlichen Aufzeichnungen (Zunxnris topograplzelcclzes Taschenbuch S. 31) 
wurde das Gebäude 1585 gebaut und mit eigenthümlichen Zierrathen in der Front 
geschmückt (Scnnnmm u. FÄnBEk, S. 72). Früher diente es als Kornboden und 
wird wohl auch jetzt noch so genannt. Gegenwärtig befinden sich die herrschaftlichen 
Stallungen darin. 
(Ein hier in der Front oben vermaueiter, männlicher Kopf soll der Sage nach der eines 
begnadigten Verbrechers sein, welcher zur Sühne als Meisterstück ein Fachwerkhaus ganz 
ohne Eisennägel in der südlich an das Schloss stossenden Gasse gebaut habe. Nach einer 
anderen Sage baute ein begnadigter Verbrecher die 1819 abgebrochene Löbderblücke und
        

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