Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Großherzogthum Sachsen-Weimar-Eisenach: Verwaltungsbezirk Apolda
Person:
Lehfeldt, Paul
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2459749
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2462529
83 Jena.  
J mm, Stadtkirehe. 
Die Namen der Werkmeister lauten danach: Teuerkauf, Töpfer, Holpir (Hoyer?), 
Alter meister (oder ist dies: Altmeister, und der Name: Peter?) und Wgel (vielleicht 
für Weigel, da der Raum nicht ausreichte).  Eine weitere, 12 Jahre jüngere, ebenfalls 
auf den Anfang des Thurmbaues bezügliche Inschrift ündet sich auf der äusseren 
Südwand des Thurm-Erdgeschosses, unter dem Reliefbilde des heiligen Michael: Qlnno 
öni mcccclpppvi ecfavb topplyev (Töpfer) ambrosius bovnev vatismeistev. Iyans 
altenburgf. baue samlicb baumeistev (mit Meisterzeichen) paul Furt meisnev eyn 
meisten 15286 vf binsmg pentecostes ist angeleit bisev bau.  So wird der Beginn 
des Baues sowohl auf 1474 als auch auf 1486 angegeben, wir haben demnach wohl an- 
zunehmen, dass nach der ersten Grimdsteinlegimg (1474) der Bau nur langsam fort- 
gegangen oder gar ins Stocken gerathen ist, und erst im Jahre 1484 wieder energisch 
in Angriff genommen wurde. Ueber die Art der Baufortschritte in jener Zeit giebt uns 
eine von Dr. MARTIN, in Tnüring. Vereins-Zeüsclzr. N. F., Bd. I (1882), S. 429  mitge- 
theilte Urkunde interessanten Aufschluss: Die Baukosten wurden aus dem Kirchenver- 
mögen bestritten; "wenn man eine Zeit lang gesammelt hatte, hat man ein Stück am 
Kirchthurm davon gebauet". Der Bau schritt also, wie schon die eben angeführten 
Inschriften zeigen, ruckweise mit Unterbrechungen vorwärts.  In Bedrängniss scheint 
die Bauverwaltung gerathen zu sein, als im Jahre 1525 bei der Säcularisation des 
Klosters die Kircheneinkünfte eingezogen worden waren. Im Jahre 1544 wandte sich 
daher der Rath von Jena an den Landesherrn, damit dieser der Kirche St. Michael 
das ihr zustehende Einkommen wieder überweise. Es wird dabei auch auf den un- 
vollendeten Thurmbau hingewiesen. So haben wir es uns zu erklären, dass erst in 
der Mitte des 16. Jahrhunderts der Thurm fertig gestellt wurde. [Das Jahr 1557 
bezeugte eine von Ann. BnInn, Arclzitectus, S. 77, angeführte Inschrift, die nach der 
Angabe dieses Gelehrten auf einem Gewölbe zu lesen war in dem Raume, „wo die 
Gewichte des Uhrwerks bangen". Sie lautete: anno Domini 1657 des Montags am 
Abende Bartkolomaed ist dieser Hnrm mit aller seiner Zngehörnng, wie vor Augen, 
gäntelich und vollkömmlich vollbracht, die Zeit sind regierende Bürgemeister gewesen 
Hermann Nebeling und Johann Wolfram nnd Baumeister Hans Sckmld der Gerber. 
J. V. V.  
Inwieweit bei der Aufführung des gesammten Kirchenbaues ältere Baulichkeiten 
neben der Kirche oder Strassenzüge zu berücksichtigen waren, steht dahin; auffallend 
ist, dass der grosse quadratische Westthurm nur der südlichen Hälfte des Langhauses 
Vorgebaut ist, also ohne Rücksicht auf die Schiffe; ferner ist die Orientirung des öst- 
lichen Theiles eine andere, als die des westlichen, so dass das Langhaus erst ein wenig 
mehr nach Norden, dann (nach dem Thurme zu) nach Süden geht. Wenn nicht die 
Inschrift vorhanden wäre, würde man demnach vermuthen, dass der Thurm, wie bei 
so vielen Kirchen, älter ist und dass dann das Übrige vom Ohore aus mit nicht "ge- 
nügender Einhaltung derselben Richtung gebaut wurde, so dass für ein Zusammen- 
treffen der einzelnen Theile die Einbiegung der Langhausseiten nöthig wurde. [Viel- 
leicht stand also doch vor dem Bau_ des jetzigen an gleicher Stelle ein Thurm, der aber 
bis auf den Grund abgebrochen wurde, so dass eine neue Grundsteinlegung stattfand; 
dass ein Thurm 1346 vorhanden war, bezeugt der "unter dem Thurm"idamals er- 
wähnte Laurentius-Altar.  Tlzüriug. Vereins-Zeitschr. V, 250]. 
Der Chor liegt S0 110011 gegen das Langhaus, dass, da umgekehrt der Erdboden 
V0I1 Westen nach Osten sich senkt, unter dem Chore noch ein bedeutender Raum übrig 
696-
        

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