Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Großherzogthum Sachsen-Weimar-Eisenach: Verwaltungsbezirk Weimar: Amtsgerichtsbezirk Weimar
Person:
Lehfeldt, Paul
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2456047
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2458268
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WEIMAR, 
Stadtkirche. 
Weimar. 
134 
Grundriss-Form jener Ü Der Chor bestand aus dem Schlussjoch und 
Bauzeit ist folgende:  einem kurzen Rechteck-Joch, das Langhaus wird 
durch vier Pfeilerpaare in drei Schiffe getheilt, die jedoch unter einem Dache liegen 
(also Hallenkirche). Die Kirche war einfach, aber trotz der kurzen Bauzeit sehr 
gediegen ausgeführt [Alles gewölbt, die Gewölbe mit Blei vergossen]. Von diesem 
Bau sind, ausser der Anlage, von Einzelheiten noch erhalten: die schlichten, acht- 
eckigen, auf Sockeln ruhenden, aber ursprünglich capitelllosen Pfeiler, die Scheide- 
bögen, entsprechend: U profilirt und die Bögen sowie die Gewölbe über dem Chor 
und dem 1. Mittelschiff-Joch; ferner die mit Benutzung der älteren hergestellten, 
äusseren Strebepfeiler, an allen Ecken schräg gestellt, in der Ausbildung schlicht, 
von dem Sockelgesims umzogen, darüber von dem Fensterbank-Gesims (Kaifgesims), 
dann nach einem Vorderiiächen-Gesims zurücktretend und oben in Pultdächern ab- 
schliessend. Von den gothischen Gesimsen ist das Sockelgesims zum grösseren 
Theil erhalten, das Fensterbank-Gesims zum kleineren Theil, da die neueren Fenster 
tiefer herabgehen und das Gesims durchbrechen. Ferner bemerken wir an der 
Chor-Südseite innen die rundbogige, doch schweifbogig umzogene und mit (an Kämpfer 
und Scheitel sich gabelnden) Kantenstäben versehene Thür, welche einst wohl ins 
Freie führte, jetzt aber gegen die Sacristei-Wand von 1583, in die eine kleinere 
Thür schräg gebrochen ist, läuft, auch von dem Grabmal Nr. 10 (meiner Reihen- 
folge) in der rechten Hälfte verdeckt ist; an der Ostseite aussen eine kleine, schweif- 
bogige, giebelförmig umzogene Heiligenblende; an der Nordseite im 5. Joch unten 
ein vermauertes, vorhangbogiges Fenster, am Thurm ein Gesims in Langhaus- 
Dachhöhe und im obersten Geschoss zweitheilige [des Mittelpfostens beraubte] Spitz- 
bogen-Fenster mit spätgothischen Maasswerken. Den Thurm deckte wohl, wie heute, 
ein achteckiger Helm. Im Jahre 1513 erhielt die Stadt das Patronat über die Kirche; 
eine Sacristei wurde 1583 (Jahreszahl an der Südfront der Sacristei) in die ein- 
springende Ecke zwischen Chor und südlichem Langhaus mit Benutzung des 1. süd- 
lichen Langhaus-Strebepfeilers, schräg vortretend im halben Achteck gebaut (nach 
Wette von einem Strafgelde); davon sind noch das untere Mauerwerk, welches jetzt 
schräg hinter den neueren, 1735 hergestellten Mauern mit einem rechteckigen, noch 
gothisch profilirten Fenster sitzt, ferner die Thür zur jetzigen Sacristei und die Thür 
zum Chor erhalten, welche innerhalb der oben erwähnten Thüre rundbogig, aber 
noch mit Wulst und Kehle proülirt sind. Wahrscheinlich in Zusammenhang mit 
dem Bau des grossen Denkmals, welches 1617 für Herzog Johann und seine Ge- 
mahlin neben dem Denkmal des Herzogs Johann Wilhelm an der Chor-Nordwand 
aufgerichtet werden und den Chor scheinbar verlängern sollte, wurde der 1. Scheide- 
bogen des Nordschilfes nach dem Chor hin durch eine Wand bis auf die durch das 
Denkmal selbst gegebene Flachbogen-Oeffnung zugemauert und so das 1. Nord- 
schiff-Joch verdunkelt. Nach dem 2. Joch hin wurde nur in Emporenhöhe eine 
Holzwand gezogen und das so entstehende Obergeschoss zur Bibliothek eingerichtet 
(wie es noch im vorigen Jahrhundert hiess, jetzt Gemeinderathsstand). So blieb 
die Kirche bis 1726, in welchem Jahre unter Herzog Wilhelm Ernst der Umbau be- 
gann, der heute den decorativen Hauptcharakter der Kirche bildet und uns, in den 
Verhandlungen genau überliefert, ein klares Bild der damaligen Baugesinnung giebt. 
Uns interessirt Folgendes daraus: Baumeister war Ludwig Hoffmann in Schulpforta, 
Rechnungsführer der Kastenverwalter J. H. Schuhmann, Zimmermeister Palm. Der
        

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