Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Großherzogthum Sachsen-Weimar-Eisenach: Verwaltungsbezirk Weimar: Amtsgerichtsbezirk Weimar
Person:
Lehfeldt, Paul
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2456047
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2458138
Weimar. 
WEIMAR. 
 
von 1553, wonach wegen der Feuersgefahr alle Scheunen ausserhalb der Stadt an- 
gelegt werden sollten. Die Reformation (Luther war 1518 hier, dann 1521, 1522 
und seit 1530 öfter, so 1540, wo er zu dem hier erkrankten Melanchthon eilte) 
fand hier ohne Sturm Eingang; eine Abnahme kirchlichen Sinnes könnte man darin 
erblicken, dass 1533 die Jacobskirche als solche einging und 44 Jahre lang als 
Kornhaus benutzt wurde. Eine neue Epoche begann für Weimar 1nit der Landes- 
regelung 1547 bezw. 1554 (siehe Geschichte des Amtsgerichtsbezirkes). Weimar 
wurde die Hauptstadt des neuen Herzogthums Weimar, zunächst Aufenthaltsort der 
Gattin des gefangenen Kurfürsten, Sibylle, und der drei Söhne, dann Residenz des 
1552 nach seiner Entlassung aus der Gefangenschaft mit grosser Begeisterung und 
Feierlichkeit von der Bevölkerung begrüssten Johann Friedrichs I. selbst. Noch in 
den zwei letzten Lebensjahren, die er in der Stadt verlebte, that er für dieselbe 
viel und ebenso seine Nachfolger. 1554 wurde der Markt gepflastert, 1569 der 
Stadt ihre käuflich erworbene Gerichtsbarkeit übertragen. Es war ein günstiges 
Geschick für die Stadt, dass gerade zu der Zeit, als sie dauernder Fürstensitz 
wurde, die Renaissance in Deutschland zu voller Blüthe gekommen war und mit 
der regen Bau- und Kunst-Thätigkeit auch wahrhaft künstlerischer Sinn Hand in 
Hand ging, reichbegabte Meister herangezogen wurden. Ist auch durch spätere 
Zerstörung (durch Willkür und durch Feuer) Vieles verloren gegangen, so sind 
doch prächtige Zeugnisse der Kunst aus der 2. Hälfte des 1G. und der 1. Hälfte 
des 17. Jahrhunderts erhalten. Bedeutend muss das um die 2. Hälfte des 16. Jahr- 
hunderts vollendete Stadthaus gewesen sein, nach den mit: 1561! und 1583 be- 
zeichneten Resten zu urtheilen; zu dem 1618 verbrannten Schloss gehörte das noch 
vorhandene Portal, welches die gute deutsche Renaissance der Zeit um 1550 ver- 
räth. Der Deutschorden, welcher seit dem 13. Jahrhundert (in der nach ihm 
benannten Rittergasse) angesiedelt war, baute sich als Comt-hurei das stattliche 
Haus (Herderplatz Nr. 9). Mit Kurfürst Johann Friedrich I. zog sein Kanzler Brück 
nach Weimar und baute sich am Markt das schmuckvolle Haus, in dem Brück's 
Schwiegervater Lucas Cranach bis zu seinem Tode 1553 wirkte, auch wohl die 
Skizzen zu seinem herrlichen Altargemälde in der Stadtkirche entwarf. (Seine Be- 
stallung von 1552, dass er bei dem Kurfürst und dessen Söhnen Zeit seines Lebens 
bleiben und wegen des ihm gegebenen Gnaclengeldes und Unterhaltung seine Arbeit 
etwas billiger ansetzen sollte, ist bezeichnend für damalige Kunstverhältnisse.) In 
der Stadtkirche selbst entstanden, neben diesem von Cranach dem Vater und dem 
(1553 nach Weimar gezogenen) Sohn ausgeführten Altarwerke, Grabmäler und Gedenk- 
tafeln, die zu den glänzendsten und schönsten Thüringens gehören. Schon für Johann 
Friedrichs I. Stieiinutter Margarethe, i" 1521, hatte Peter Vischer oder ein Schüler die 
Grabplatte angefertigt; einfachere Platten für eine Schwester und einen Sohn Johann 
Friedriclfs I., Johann Ernst, goss Peter Vischer's Schwiegersohn, Peter Mülich zu 
Zwickau. Einen würdigen Schmuck der Kirche bildet das Grabmal des Kurfürsten 
selbst und seiner Gemahlin Sibylle von Jacob Schlaf zu Eisleben, bezw. Hans Lampe 
zu Jena. Das vollendetste Denkmal in der Kirche ist das der ersten Gemahlin 
Johann Friedrichs II., Agnes, T 1555, an künstlerischer Schönheit von hervor- 
ragendster Bedeutung. Die durch Grösse und Pracht ausgezeichneten Denkmäler 
von Johann Friedrichs I. jüngeren Söhnen Johann Wilhelm, 1'" 1573, von Meister
        

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