Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Großherzogthum Sachsen-Weimar-Eisenach: Verwaltungsbezirk Weimar: Amtsgerichtsbezirke Blankenhain und Ilmenau
Person:
Lehfeldt, Paul
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2454025
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2454921
106 Bnnzxmwmm, Kirche. Blankenhain. 
Relief der heiligen Sippe, an der Chor-Nordwand nach Osten zu, aus zwei 
Theilen zusammengesetzt (die dritte Tafel in der Mitte fehlt), in der Anordnung denen 
zu Burgtonna (s. Bau- u. Kunstdenkm. Thür., Amtsgerichtsbez. Tonna, S. 202; vgl. 
auch Rabis, in Westkreis Altenburg S. 33 und die Gemälde in Molschleben und 
Pferdingsleben in Heft Gotha bezw. Tonna) etc. ähnlich, doch besser in Einzelheiten 
als viele und ganz im Sinne einer gemüthlichen Familienscene aufgefasst (Lichtdruokfk). 
Auf der Bank sitzt Maria Kleophae mit dem kleinen Simon an der Brust, zu ihren 
Füssen spielt der kleine Thaddaus mit seiner Keule (hier genrehaft in einem Mörser). 
Neben ihr sitzt ihr Gatte Alphäus und halt die Rechte väterlich an der Schulter des 
kleinen Jacobus (des Jüngeren), welcher mit Barnabas zusammen in das vom Vater 
gehaltene Buch schaut. (Dies wiederkehrende Motiv hat den Darstellungen der heiligen 
Sippe öfter den Namen der "Schule" verschafft.) Auf der anderen Seite der Maria 
Kleophae sitzt Maria Salome's Tochter, deren kleiner Jacobus (der Aeltere) zu Füssen 
der Mutter steht, die ihn am Aermchen hält; er führt einen Apfel zum Munde und ist 
von hinten gesehen eine sehr nett geschnitzte Figur. Neben Maria Salomds ihr Gatte 
Zebedaus, den kleinen, ein Buch haltenden Johannes (den Evangelisten) anfassend. 
Hinter der Bank schauen, in einer Art ernster Unterhaltung begriffen, die würdigen 
Vater uns an, der dicke alte Zacharias (bezw. Ephraim), der vornehm erscheinende 
Salome mit wohlgepilegtem Bart, Kleophas, der seinen ihn charakterisirenden Krempen- 
hut abgenommen hat, und der langbartige Joachim. [Die fehlende Tafel enthielt also 
Joseph über Maria und Anna mit dem Jesuskind] Die etwas unter halber Lebens- 
grösse geschnitzten Figuren sind, wenn auch mit den Fehlern der Zeit behaftet, doch 
durch genügende Kenntniss, sorgfältige Ausführung, wechselvolle Gesichtsbildung und 
gute Beobachtung zufälliger Bewegungen, wie der Tracht im Einzelnen höchst an- 
ziehend, auch wohlerhalten in Farben und (nicht zu vordringlicher) Vergoldung; an 
ihrem jetzigen Standpunkt trefflich zu sehen. 
Grabmal im Langhaus am nördlichen Triumphbogen-Theil, gross. Der reich 
und in maassvollem Roccoco verzierte Untertheil enthält in der Mitte auf Vorhang- 
Nachahmung die: "Grabschriit: Die Tochter räumt das Grab zur Mutter Ruhestatt. 
So schlaff o SELIGE in deiner Tochter Gruft. Biss beyde euch zugleich des 
Höchsten Stimme rufft. S0 wie im Cabtnet ein theurer Diamant-Stein, Soll dein Ge- 
dächtntss stets in uns verwahret sein. Jgfr. Antonetta Ohristiana Juliana Gott- 
schalckin. 1' den 6' Dec. 1722" und ladet an den Seiten in Schnörkeln mit Kämpfer- 
gesimsen aus. Auf diesen stehen links die betende Figur der Treue und Unschuld 
(neben ihr die Taube auf einem Eichenzweig), rechts die Ewigkeit (in der Hand eine 
Schlange, zu Füssen eine umgestürzte Urne). In der Mitte das im Ganzen ovale, 
doch in starker Verschnörkelung umrahmte Schild mit der Inschrift für die geborene 
Esther Juliane Ziegling aus Saalburg, in erster Ehe an den geraischen Bürgermeister 
Keilhau, in zweiter Ehe an den Erbherrn auf Gumperda, Kesslar und Drössnitz, 
Kammerdirector Gottschalck verheirathet, t 1768. Auf dem Schild sitzt ein "Engel 
mit Palmzweig. Das Ganze ist kühn und flott aufgebaut, die Figuren in Einzelheiten 
wohlgebildet, so dass die Derbheit und Manierirtheit dagegen zurücktreten. Sehr 
gut erhalten, Sandstein  einzelne Gliederungen und die Schriftilachen neu vergoldet. 
ü) Manchem dürfte folgende Erläuterung willkommen sein. Die heilige Anna hatte nach der Legende 
drei Gatten, erst Joachim, danach Kleophas, dann Salome, und aus jeder Ehe ein Kind Maria; die älteste 
Maria heirathete Joseph, die zweite den Alphäus, die dritte den Zebedäus. Die Kinder derselben sind im 
Text angegeben.
        

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