Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Großherzogthum Sachsen-Weimar-Eisenach: Verwaltungsbezirk Weimar: Amtsgerichtsbezirke Grossrudestedt und Vieselbach
Person:
Lehfeldt, Paul
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2452210
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2453949
VIESELBACH, 
Kirche. 
Vieselbach. 
ä 
Kanzelbau aus der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts, hinter dem Altar und 
unten mit den Kirchbänken an der Nord- und Süd-Seite des dadurch als solcher 
hervorgehobenen Chores verbunden. Sonach im Erdgeschoss flachbogige (an den 
Seiten-Durchgängen des Kanzelbaues etwas verschnörkelte) Oeffnungen zwischen 
korinthischen Pilastern, mit Gebälk darauf und aufgesetzten Urnen. Oben eine 
Brüstungsiiäche, vor welcher die Kanzel im Grundriss: k.) Vortritt, mit den Figuren 
der Evangelisten an den Ecken (ähnlich Utzberg, aber weniger lebendig) und Frucht- 
bündeln an den Flächen geschmückt. Sie ist von einem älteren Bau, jedenfalls dem 
von 1624 genommen (s. unten), aber überarbeitet. Auf der durchgehenden Brüstung 
ein Aufbau von der Form:  J Kk an den Kanten mit Fruchtsträngen belegt, 
an der Fläche rechts und links mit Rankenwerk durchbrochen (dies recht gut); vor 
dem oberen, rechteckigen Kanzel-Eingang unterstützen zu den Seiten Engel den 
Schalldeckel. Darauf ein hochgliedriges Gebälk. Auf diesem erhebt sich noch als 
Aufbau ein höchst wunderliches Gemisch. Das Gerüst dieses Aufbaues ist laut 
Inschrift, die ein hübsch geschnitztes Cartouchen-Schild darunter enthält, 1626 her- 
gestellt, eine Stiftung von Hans Hirschfeld. Es ahmt sichtlich trotz seines flotten 
Zimmermanns-Barocks einen Aufsatz mittelalterlicher Altarwerke nach. Figuren 
sind zwischen zwei inneren, höheren, dorischen Säulen und zwei äusseren, dorischen 
(im Schaft von Schnörkelwerk unterbrochenen und mit Buckeln belegten) Pilastern 
aufgestellt; die zwei inneren Säulen sind durch ein im Hauptzug bogiges, aber 
durch geschnörkelten Umriss und durchbrochene Schnitzerei aufgelöstes Schnitzwerk 
eines Engelskopfes zwischen Voluten und Draperien verbunden, darüber noch ein 
ebenfalls frei und phantastisch gestellter Obelisk. Ein ähnlicher, etwas unregelmässiger 
Bogen mit Obelisk im Scheitel bildet von den äusseren Pfeilern nach dem Schaft der 
inneren Säulen eine Ueberdeckung. Nach aussen hin schliesslich als Einfassung der 
Pfeiler Schnörkelwerk und ein stehender Engel. Soweit die Herstellung von 1624. 
Die Figuren, die in diese Art Bogen-Durchgänge gestellt sind, sind mittelalterlichen 
Holzschnitz-Werken entnommen. In der Mitte sehen wir die etwa halblebensgrosse 
Gestalt der Maria, an einem Lesepult sitzend, von einer Verkündigungsgruppe. Neben 
dem Pult aber sehen wir noch eine viel kleinere Figur, die wir als die eines an den 
Baum gebundenen, heiligen Sebastians erkennen. (Dieser Sebastian übrigens wieder 
in seiner Haltung ein interessanter Nachklang des alten Apollino.) In der linken 
Oelfnung ferner finden wir den eigentlich zur Maria gehörenden (ihr nun den Rücken 
drehenden) Gabriel, mit charakteristisch erhobener Rechten (in Gesicht und Flügel 
1624 oder bei der Herrichtung im 18. Jahrhundert restaurirt und zeitgemäss über- 
arbeitet). In der rechten Oeffnung schliesslich steht die in der Grösse zur Maria 
passende Figur eines heiligen Andreas mit seinem Kreuz. Die verschiedene Her- 
kunft der verschiedenen Theile des Kanzelbaues entgeht darum dem ersten Blick, 
weil alle Figuren, besonders die oberen, bis zur Unkenntlichkeit iingerdick mit weisser 
Farbe und Kalk überpinselt sind. Ebenso alles Uebrige des Kanzelbaues, mit einigem 
Gelb (statt Gold); nur die Kanzel selbst hat an den Flächen und mehreren Blättern 
Schwarz und Grau, die Evangelisten einige bunte Farben bekommen. 
Grabstein, an der Nordwand eingemauert, zum Theil rechts durch die Kirch- 
bank, oben durch die Empore verdeckt. Man liest von der Unterschrift: SVB HOC 
SAXO RECONDITA IACENT ossa IACOBI QVI VIXIT SEPTIMANOS XI. OBIIT AD VII KL.AV-
        

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