Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der angewandten Anatomie
Person:
Pfeiffer, Ludwig
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2433773
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2439560
Darstellung der Kranken 
und 
Verwachsenen 
der Kunst 
435 
Abschnitt. 
Die 
die 
Darstellung der Kranken und 
Grenzmarken auf dem Gebiet 
Verwachsenen in der Kunst, sowie 
des Künstlers und des Anatomen. 
Als Ergänzung für die nüchternen Zahlenreihen und schematischen 
Zeichnungen sind dem Text des Handbuches eine Reihe von Tafeln 
eingeHochten worden. Dieselben stellen ldealgestalten von Künstlern 
aus alter und neuer Zeit dar. 
Vom Verfasser ist mit Absicht in dem Text des Handbuches das 
Gebiet des Anatomen von dem des Künstlers möglichst getrennt gehalten 
worden, und kein Versuch ist geschehen, Aktstudien zu besprechen oder 
dem Gesetz über die Wuchsform des Normalmenschen und über die 
menschliche Schönheit nachzuforschen; denn es gibt, wenn wir die Men- 
schen unserer wirklichen Umgebung beobachten, so wenig eine Normal- 
gestalt oder ldealgestalt, als es eine Normalpflanze gibt. Hier Gesetze 
in strengen Zahlen aufstellen zu wollen, ist eitel Spielerei. Innerhalb 
weiter Grenzen wechseln beim Menschen die Körperhöhe und die Pro- 
portionen der Oberfiächenteile zu einander, ohne dafs bereits ein Wuchs- 
fehler vorzuliegen braucht. 
Was innerhalb dieser Grenzen als schön gilt, das hängt sehr von 
den Anschauungen der Zeiten und der Künstler ab. Auch an das, was 
krank oder fehlerhaft ist, haben sich zu allen Zeiten die Künstler heran- 
gewagt, und hier berühren sich, an den Grenzen zwischen den beiden 
Gebieten, die Zuständigkeit des Künstlers und des Anatomen. Das Urteil 
des Anatomen dürfte im Grenzgebiet das entscheidende sein. 
Stimmen die Ziele der Kunst mit den Gebieten der Wissenschaft 
überein? Diese Frage hat eine eingehende Betrachtung in dem Buche 
von  M. Charcot und P. Richer: Les Difformes et les Malades dans 
l'Art gefunden. Mit vielen Abbildungen. (Paris, 1889.) Ein Anatom 
(Richer) und ein Kliniker (Charcot) haben sich vereinigt, um aus der grofsen 
Menge von bildlichen und figürlichen Darstellungen die künstlerisch her- 
vorragenden Dokumente in einem beschreibenden Verzeichnis zu sammeln. 
Minderwertige Darstellungen sind nicht berücksichtigt, wie auch nicht die 
fabelhaften Kentauren, Sphinxe, Sirenen u. s. w. Nur als Ausnahme 
sind aus der alten ägyptischen Kunst einige Karikaturen aufgenommen, 
welche von historischem Wert sind, insofern sie bereits ziemlich getreu 
die Wuchsfehler am Buckeligen und Lahmen wiedergeben. 
Der Zwergwuchs ist am meisten vertreten. Der Reihe nach folgen 
die Darstellungen von Blinden, Kranken, Besessenen, Geistes- 
kranken, Gelähmten, Leprösen, Pestkranken. Von einem deutschen 
Maler, Matthias Grünewald, einem Zeitgenossen von Lukas Cranach 
und A. Dürer, enthält z. B. das Buch eines der ältesten Dokumente über 
das Auftreten der Syphilis (Museum von Kolmar). 
        

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