Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunst-Kritiker und Reformer
Person:
Broicher, Charlotte
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2415918
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2417604
Ein Antlitz blickt aus jedem dieser Rahmen, 
Nur eine Fraue sitzt und steht und lehnt: 
Hier sie der Schleier zu verbergen wähnt, 
Hier Spiegelbilder ihren Reiz bekamen. 
Im Sommergrün ein Mädchen ohne Namen, 
Die Königin, vom Purpurkleid umschönt, 
Die Heilige, Engel  jedes Bild ersehnt 
Dieselbe Sehnsucht ohne zu erlahmen. 
Aus ihrem Antlitz saugt er sein Gedicht, 
Und ihre Lieb' erfüllt den ganzen Raum, 
Schön wie der Mond und lustvoll wie ein Baum: 
Nicht harrensbleich, und Kummer drückt sie nicht, 
Nicht wie sie ist,  nein, nur im I-Ioffnungslicht, 
Nicht wie sie ist,  nein, lebt in seinem Traumß 
Madox Brown nennt sie eine wahre Kiinslerin, 
ein Weib ohnegleichen. Denn Rossettis Schaffens- 
freude, die durch die Versuche, ihr Bild neu und 
immer anders zu gestalten, so gesteigert wurde, 
machte sie doch nicht etwa zu einem passiven 
Instrument in seiner Hand. Zu seiner Überraschung 
fand er eines Tages Zeichnungen von ihr, die in 
hohem Maße seine Bewunderung erweckten. Es 
war fast selbstverständlich, daß ihre Kunst aus 
Rossettis Kunst hervorwuchs. Ihre Fantasie hatte 
einen romantischen Zug, ihre Erfindungskraft war 
geistreich und fein, und von anmutiger Reinheit 
der Empiindung. Doch wirkte die geistige Tem- 
peratur, in die sie durch Rossetti verpflanzt worden, 
wie Treibhausluft auf ihre Talente. Sie entfalteten 
sich zu schnell und in tropischer Fülle. Der Gegen- 
satz zu der geistigen Öde, in der sie bisher gelebt 
"i Christina Rossetti. Übersetzt von Etta Federn. 
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