Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Steine von Venedig
Person:
Ruskin, John Jahn, Hedwig
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2399635
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2402130
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S 16. Wenn man die Brustwehr als bloßen Schutz auf 
nicht militärischen Gebäuden betrachtet, so giebt es zwei 
feststehende Gesetze darüber. Sie soll durchbrochen sein, 
sonst wird sie von unten überhaupt nicht für eine Brust- 
wehr gehalten, und sie soll nicht die Form von Zinnen 
haben, besonders nicht bei kirchlicher Baukunst. 
Die bequemste Bekrönung einer richtigen Brustwehr ist 
eine glatte Fläche, auf der der Arm ruhen und entlang 
gleiten kann. Alle Zacken oder Erhöhungen sind unange- 
messen; die letzteren, da sie die Aussicht unterbrechen und 
das Auge stören, wenn sie höher sind als der Arm; die 
ersteren, da sie gefährlich aussehen, wenn sie viel tiefer 
sind, und daher sollte das Unpassende der Zinnenform so- 
wohl, wie die mehr als geschmacklose, ja, ein falsches Ge- 
fühl verratende Anwendung einer militärischen Form bei 
einer Kirche, schon lange ihre Verwerfung bestimmt 
haben. Dennoch liegt (da die Frage wegen ihres maleri- 
schen Wertes hier so eng mit der ihres praktischen Nutzens 
zusammenhängt, dass es vergeblich wäre, sie einzeln zu 
besprechen), ein gewisser Reiz in der Art, wie die gezackte 
Umrisslinie den Schatten des Schiefer- oder Bleidachs mit 
dem oberen Ende der Mauer verschmilzt, was die Anwen- 
dung der Zinne entschuldbar macht, wenn eine Schwierig- 
keit wegen der Behandlung einer einförmigen Linie vor- 
handen ist, oder wenn die Kosten für eine durchbrochene 
Galerie nicht aufgebracht werden können; aber man be- 
denke immer, dass der Wert einer Zinnenbrustwehr darin 
besteht, Schatten auf das Licht der Wand fallen zu lassen, 
oder vice versa, wenn sie sich von dem hellen Himmel 
abhebt, das Licht des Himmels in den Schatten der Wand 
fallen zu lassen; aber dass der eigentliche Umriss der Zinne 
selbst, wenn das Auge daran gefesselt wird, anstatt von dem 
Wechsel von Licht und Schatten, eine so hässliche Auf- 
einanderfolge von Linien ist, wie sie nur ausgedacht werden 
kann. Daher muss die Zinnenbrustwehr nur angewendet 
werden, wo diese Abwechselung von Schatten und Licht 
unter allen Umständen zur Geltung kommt und wo die 
Linien, mit denen man zu thun hat, einen Maßstab haben,
        

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