Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Raffael und Michelangelo
Person:
Springer, Anton Dohme, Robert
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2356845
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2361292
POLITISCHE 
VERWICKELUNGEN. 
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Waffen in der Hand ertrotzt. Die enge Verbindung der Familie mit dem Papft- 
thum war feitdem ihre {tärkfte Stütze gewefen. Als nun das Papitthum felbit 
die tieffte Demüthigung erfahren hatte, Clemens VII. fcheinbar machtlos zu 
Boden lag, glaubten die Florentiner endlich die rechte Stunde gekommen, die 
alte Freiheit für immer zu fichern. 
Papft Clemens hatte guten Grund, die Franzofen ebenfo zu fürchten, wie 
die Kaiferlichen und hätte am liebften Franz I. und Karl V. Italien fern gehalten. 
Sein verhängnifsvoller Wahn, die eine Partei gegen die andere ausfpielen zu 
können, brachte ihm das Verderben. Im entfcheidenden Augenblicke fand er 
{ich von der franzöfifchen Hilfe verlaffen und dem Angriffe der fpanifchen Söldner 
und der deutfchen Landsknechte rettungslos preisgegeben. Das Ziel feiner 
Politik war die Befreiung Italiens unddie Hebung der mediceifchen Hausmacht, 
ihr Ende "die Eroberung Roms durch die kaiferlichen Truppen an dem weitge- 
fchichtlichen Tage des 6. Mai 1527 und die Vertreibung der Medici aus Florenz. 
Kaum war die Nachricht von dem Falle Roms und der Flucht des Papftes 
(II. Mai) nach Florenz gedrungen, als das ohnehin aufgeregte und feit längerer 
Zeit unruhige Volk fich zum Sturm gegen die herrfchende Partei erhob und die 
Zufiände, wie {ie vor der Rückkehr der Medici 1512 beftanden hatten, wieder- 
herfiellte. 
Michelangelo war kein politifcher Kopf, noch weniger ein ftrammer Partei- 
mann. Als ihm (Auguil 1528) ein allerdings untergeordnetes Amt bei der Be- 
hörde, welche die fiscalifchen Rechte an den Liegenfchaften und Einkünften der 
einzelnen Gemeinden zu wahren hatte, übertragen wurde, dachte er nicht daran, 
daffelbe felbit zu übernehmen. nDas verftehe ich nicht, dazu habe ich auch 
nicht die Zeitu Am liebiten hätte er es an feinen Bruder Buonarroto über- 
tragen. Auch das perfönliche Stimm- und Wahlrecht lockte ihn nicht. Bei der 
Wahl eines Proveditore gab er einem Bekannten die Vollmacht, auch in feinem 
Namen zu itimmen. vIhr verfteht diefe Dinge beffer als ich, daher billige ich 
die Stimme, die Ihr an meiner Statt abzugeben habt, wenn ich nur fo viel 
Stimme behalte, um plaudern zu könnenß Freunden, welche {ich vor den ent- 
feffelten Leidenfchaften des Volkes fürchteten, half er, ihre Habe an einem 
ficheren Orte zu bergen. Piero di Filippo Gondi bat fich als Verlleck die 
Sacriftei von San Lorenzo aus. nDamit ich nicht fehe, was er da mache, noch 
merke, wo er feine Sache berge, händigte ich ihm die Schlüffel zur Sacriüei 
eine Gegen die angefehenfien Parteikämpfer, welche in diefer Zeit in Florenz 
herrfchten, gegen Niccolö Capponi und Francesco Carducci, fprach er nachmals 
herbe Urtheile aus. Und wenn auch Michelangelds Erinnerungen im Greifen- 
alter an diefe ftürmifchen Tage in Bezug auf die Thatfachen nicht mehr feft und 
ficher waren, fo liegt doch kein Grund vor, ihre Richtigkeit in Bezug auf feine 
Stimmungen zu beflreiten.  
Michelangelds Verhalten wurde nicht durch politifche Erwägungen, fondern 
durch patriotiiche Empfindungen beftimmt. Der begeiiterte Verehrer Dante's 
hegte ein ftolzes Bild von der Gröfse feiner Vaterftadt in der BruPr; der Mann,  
welcher als Jüngling Savonarolafs dunklen, aber das Gemüth tief ergreifenden 
Worten gelaufcht, konnte von dem Traume eines freien Florenz nicht laffen. Jetzt 
Dohme, Kunst n. Künstler. N0. 62 n. 63. 49
        

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