Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Michelangelo
Person:
Steinmann, Ernst Michelangelo <Buonarroti> Anderson, Domenico
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2150517
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2151394
VORWORT 
ZUM 
ZWEITEN 
BANDE 
„Wie gross ist der Abstand zwischen einem Menschen und einem 
anderen", schrieb Pier Vettori am 4. Januar 1557 an Vincenzo Borghini 
nach Florenz. „Diese deutschen Edelleute hatten nur den einen Wunsch, 
Michael Agnolo Buonarroti zu sehen, und ich liess sie einführen. Er 
aber nahm sie gütig auf, und sie waren wohl zufrieden." Dies merk- 
würdige Zeugnis eines Zeitgenossen über deutsche Romfahrer, die dem 
grossen Michelangelo am späten Abend seines Lebens ihre Verehrung be- 
zeugten, darf als vielsagendes Omen für den einzigartigen Kultus ange- 
sprochen werden, den der Genius Michelangelos seitdem in Deutschland 
gefunden hat. Allerdings hat sich auch hier die Geschichtsschreibung erst 
in jüngster Zeit des grossen Florentiners bemächtigt, trotz der schranken- 
losen Bewunderung, mit welcher schon Goethe dem Schöpfer der Sixtina- 
Fresken gehuldigt hat. Der vorliegende zweite Band des Sixtina-Werkes 
ist ganz der Kunst Michelangelos geweiht, ein neues Glied in der langen 
Kette von Publikationen, die in den letzten Jahrzehnten vor allem in 
Deutschland, aber auch in England und Italien, über den Meister er- 
schienen sind. Dass dieser zweite Band schon nach Umfang und Aus- 
stattung über dem ersten steht, rechtfertigt sich mit dem Wunsche, die 
grössere Aufgabe auch grösser und würdiger zu behandeln. Stellte sich 
das Thema für den ersten Band als ein mannigfach verzweigtes dar, so 
verengerten sich jetzt die Kreise um wenige grosse Persönlichkeiten, um 
die höchsten Kunstschöpfungen eines einzigen Mannes. Im ersten Bande 
war die politische Geschichte Roms von den Kunstbestrebungen Sixtus IV. 
nicht zu trennen; zur Darstellung der Baugeschichte des Palastheiligtums 
und seines reichen künstlerischen Schmuckes gesellte sich die Individuali- 
sierung zahlreicher Künstler und endlich eine Schilderung des glänzenden 
Kultus, dessen Schauplatz die Kapelle jahrhundertelang gewesen ist. Im
        

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