Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Bau und Schmuck der Kapelle unter Sixtus IV.
Person:
Steinmann, Ernst Giovenale, Giovanni Battista Anderson, Domenico
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2142478
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2145885
KAPITEL IV: PHARAOS UNTERGANG IM ROTEN MEER 255 
 
Roberto Malatesta selbst die blutigste genannt hat, die jemals in Italien ge- 
schlagen wurde'). Wie man in Rom über diese Vorgänge dachte und sprach, 
schildert Stefano Infessurat), weniger ausführlich zwar als Sigismondo de, Conti; 
aber als gleichzeitige Quelle verdient seine Beschreibung vor allen übrigen den 
Vorzug. Der Herzog von Kalabrien hatte sich auf einer Insel verschanzt, die 
nur zwei Zugänge offen liess, als er sich gezwungen sah, die Schlacht anzunehmen, 
welche Roberto Malatesta ihm anbot. Anfangs richteten die janitscharen grosse 
Verluste unter den Päpstlichen an, die von Velletri herangerückt waren, und 
Alphons selbst kämpfte wie ein Löwe. Aber auch Roberto Malatesta erfüllte 
die Pflichten des Feldherrn und Soldaten mit gleicher Treueß). Immer führte 
er den ermüdeten Truppen neue Hilfsscharen zu, überall sah man ihn erscheinen, 
durch Wort und Beispiel die Kämpfenden anfeuernd. S0 zog sich endlich der 
Herzog, der Übermacht weichend, in sein Insellager zurück, und jetzt ergoss 
sich aus der Menge seiner Geschütze ein Feuerregen auf die Scharen Malatestas. 
Der Tag wäre ruhmlos zu Ende gegangen, hätte nicht ein Unwetter die Be- 
lagerten verhindert, ihre Geschütze aufs neue zu ladent). Sie wurden wehr- 
los, und unaufhaltsam drangen die Päpstlichen in das Lager ein. Als nichts 
mehr zu retten war, entschloss sich der Herzog zur Flucht, nachdem er die 
letzten Anordnungen erteilt, sich selbst und seine Begleiter zu decken. Er 
entkam nach Nettuno und von dort in einem Nachen nach Terracina, wo ihn 
die Flotte seines Vaters aufnahm. Sein ganzes Lager fiel in die Hände Robertos, 
und unter den Gefangenen befanden sich zahlreiche Führer und Herren seiner 
nächsten Umgebung. 
Den Sieg weiter zu verfolgen, die ermüdeten Truppen ausruhen zu lassen 
und die Verwundeten zu pflegen, begab sich der Held der Schlacht zunächst 
nach Velletri, während Girolamo Riario mit den Gefangenen nach Rom 
eilte, dort sich mit den Lorbeeren fremder Verdienste zu schmückenß). Am 
24. August erschien er wie ein Triumphator in der Stadt, und man sah jetzt 
die Männer, welche eben noch die Mauern Roms bedroht hatten, von den 
Siegern geführt, gesenkten Hauptes durch die Strassen dahinschreiten bis 
zum vatikanischen Palast. Ein Spross der Orsini aber schleifte die königliche 
Fahne, vor welcher die Römer einst gezittert hatten, durch den Strassenstaub 
1) In dem Bericht an den Rat von Rimini heisst es: E pure con 1a grazia di Dio ordinammo le 
nostre battaglie, et animosamente andassimo a picciare il fatto d'arme che poteva essere ore 
tredici, e qui furono fatte battaglie piü aspre che mai fossero vedute e fatte in ltalia; e durarono 
Hno a ore XXII. 
z) Diario della cittä di Roma ed. Tommasini p. 102. 
3) Sigismondo de' Conti p. 142: lbi fortissime strictis gladiis pugnans, ducisque et militis oFFicium 
obiens horam ferme sustinuit. Den Mut und die Umsicht des Herzogs von Kalabrien bezeugt 
u. a. der Bericht des Antonio Montecatini an den Herzog Ercole d'Este. Vgl. Tonnini, Storia di 
Rimini (1882) V p. 285. 
4) Stefano Infessura a. a. O. p. 103: Postquam bombardarii iterum dictas bombardas caricantes 
nunquam potuerunt ulterius caricare, eo quod ignis non poterat pulverem comburre propter 
Pluviam magnam, quae ibi continua erat. Wegen ihrer Bedeutung für die Erklärung des Freskos 
des Durchzugs durchs Rote Meer führe ich diese Stelle wörtlich an. 
5) Vgl. über den Einzug des Girolamo Riario in Rom den Schluss der Depesche des Lorenzo 
Lanti an die Balia von Siena im Arch. della Soc. Rom. XI p. 608.
        

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