Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunst und Künstler Spaniens, Frankreichs und Englands bis gegen das Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Dohme, Robert
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2128540
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2129352
Diego 
Velazquez. 
Sevilla, 
Madrid. 
Velazquez, neben Murillo der gröfste und berühmtefle Meifler der fpanifchen 
Malerei, hat in neuerer Zeit das künftlerifche Intereffe befonders lebhaft an flch 
gezogen; er fleht mit feinem eminent realiflifchen Charakter dem modernen 
Gefchmack um fo näher, als er von den Einflüffexi derjenigen Geifiesrichtung 
feiner Zeit, die uns fremd geworden, von der eigenthümlichen Sinnesweife des 
areftaurirten Katholicismusn, die fich in der damaligen fpanifchen Malerei fo 
augenfällig kundgab, in feinen Darfiellungen völlig unberührt erfcheint. Die 
Aeufserungen feiner künftlerifchen Kraft find in diefer Ruckficht vom Charakter 
feines Zeitalters unabhängig und eben deshalb einer unbedingten Wirkung fähig. 
Diego Velazquez wurde 1599 in Sevilla geboren und am 6. Juni deffelben 
Jahres in der dortigen Kirche San Pedro getauft. Sein Vater hiefs Juan Rodriguez 
de Silva, die Mutter Geronima Velazquez, daher der volle Name des Künftlers 
lautet: Diego Rodriguez de Silva y Velazquez; er felbft nannte fich, einer Sitte 
zufolge, die damals in Spanien nicht felten war, wie Murillo, gewöhnlich nach dem 
Namen der Mutter, der fo zum Träger feines Ruhmes geworden ift. Beide Eltern 
ftammten aus adligen Familien, der Vater, der in Sevilla als Rechtsanwalt thätig 
war, vermuthlich aus einem portugiefifchen Gefchlecht. Velazquez, anfänglich, wie 
es feheint, zum Gelehrten beftimmt, hatte einen guten Schulunterricht hinter fich, 
als er feiner Neigung folgen und der Kunft fich widmen durfte. 
Seine beiden Lehrmeiiter in der Malerei waren Herrera der Aeltere und 
Francisco Pacheco; aber nur vom erfteren läfst {ich fagen, dafs er auf die künft- 
lerifche Entwicklung feines Schülers Einflufs gehabt. I-Ierrera, ein Küniller von 
kraftvoller Originalität, hatte mit den Traditionen der italienifirenden Malerei, die 
feit Alexo Fernandes und Luis de Vargas in Sevilla herrfchte, zuerft entfchieden 
gebrochen; in feinen Werken war hier zuerft ein Stil von rein nationalem Gepräge 
und damit zugleich der naturaliftifche Zug des I7. Jahrhunderts in voller Starke 
hervorgetreten. Die nervigen Geftalten feiner Bilder haben echt fpanifche 
Phyfiognomie, feine Behandlungsweife ifi von einer Derbheit und Kühnheit, die 
zu der glatten und fchüchternen Manier jener früheren Richtung den entfchiedenflen 
Gegenfatz bildet.  Die Heftigkeit feines Charakters, fein rauhes und barfches 
lßk
        

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