Volltext: Von der Begründung durch Friedrich III. von Brandenburg bis zur Wiederherstellung durch Friedrich Wilhelm II. von Preussen (Teil 1)

Ueber den Tisch befand sich ein ausserortlentlich grosser Spiegel mit vergoldetem Rahmen von Bildhauer- 
arbeit; an den Wänden standen drei bis vier Dutzend Eichenholzstühle gepolstert und mit Leder bezogen. 
Zwischen beiden Thüren war ein Kamin von ansehnlicher Grösse und Höhe von architektonischer Erfindung, 
weil das Zimmer keinen Ofen hatte." Besondere Beachtung verdient auch die Beschreibung des Kaminstücks. 
„Dieses Werk der Kunst, so wohl seinesgleichen in der Welt nicht gehabt, ist um desto mehr zu bedauern, da 
es durch einen schnellen Flammenraub hat müssen vernichtet werden, als es den Künstlern soviel saure Mühe ge- 
kostet. Es war ein Tableau aus Holz geschnitzt und ein Werk eines berühmten Engländers namens King, 
welcher, da er ein Mitglied der Akademie war und Königliche Pension genoss, solches zu seinem Nachruhm 
der Akademie geschenkt hatte. Dieses Stück, welches sechs Fuss Höhe und drei Fuss Breite hatte, war ein 
Quodlibet von mancherlei Verrichtungen, aus Lindenholz geschnitzt. Es bestand aus ineinander gepflochtenen 
Guirlanden von Blumen und Früchten, Fischen und Vögeln, verschiedenen Instrumenten aus allerlei Wissen- 
schaften, alles so präcise geschnitten, dass man die Adern in den Blättern, die kleinsten Federn der Vögel auf 
das Genaueste ausgedrückt fand. Es befanden sich daran ganze Gebundt Fische und Vögel von allerlei Sorte, 
Krebse, Frösche und mancherlei Wasserthiere, alle möglichen mechanischen Instrumente aus der Optik, 
Geschlechterketten mit Ehrenmedaillen, ein ganzes Halstuch von Kanten (Spitzen), durchsichtig, dass man das 
Dessein darin so sehe, als ob es gebügelt gewesen, ein Notenbuch mit musikalischen Instrumenten; auf der 
Violine fand man die Saiten, bei der Malerpalette ein Bund Pinsel; alles war so bewunderungswürdig gearbeitet 
dass man sich über die grosse Geduld des Künstlers bis zum Erstaunen wundern musste, wie der menschliche 
Witz und Verstand sich so besondere Gegenstände zu seinem Vergnügen wählen kann. Es war um dasselbe 
ein vergoldeter geschnitzter Rahmen. Der Grund war dunkelblau, auf welchem dieses geschnitzte Werk sich 
befand, und alles war darauf so hell und klar, als ob es aus Bernstein gearbeitet wäre. Das ganze Zimmer war 
bei der ersten Einrichtung mit lauter gegründeten Tüchern für Malereien aptirt und garniret. Diese hatten 
zugleich alle geschnitzte goldene Rahmen, und wenn ein Mitglied der Akademie zu seines Namens Gedächtniss 
und zu seiner Ehre sein Andenken hinterlassen wollte, so wurde ihm ein solches gegründetes Tuch dafür 
verabfolgt, welches hernach wieder, wenn das Stück fertig war, in den Rahmen gesetzt wurde. Es befinden 
sich in dem Konferenzzimmer noch viele dergleichen gegründete Tücher." Hierauf folgt die „Beschreibung 
des Spindes". „Wenn man nun in die erste Thür des Konferenzzimmers kam, so sah man rechter 
Hand ein vortretfliches grosses eichenes Spind von architektonischer Erfindung, ein Meisterstück eines Kunst- 
tischlers, es war inwendig voller Schubkästen, hierin befanden sich die Statuten der Akademie, die Dotationen, 
die Ehrenschrifteit und Dokumente derselben, die schönsten Zeichnungen berühmter Mitglieder der Akademie, 
die Kupferplatten und Abdrücke derselben, so ihr zu Ehren gefertigt und geschenkt waren, die Zeichnungen 
der Eleven, welche sich ganz besonders hervorgethan und darüber ihres Fleisses wegen die von den Vorstehern 
festgesetzten Medaillen als Prämien erhalten hatten. Es war also der Tresor der Akademie. Auf diesem 
prächtigen kostbaren Spind stand ein Modell von einer Ehrenpforte, es war sehr sauber gearbeitet und von 
einer graciösen Ernndung." 
Die weitere Beschreibung der Malereien, die sich im Konferenz-Zimmer befanden, ist leider vom 
Schreiber unterbrochen worden. Aber auch so erkennt man zur Genüge, wie viel Wert damals auf die künst- 
lerische und geschmackvolle Ausstattung der Akademie gelegt wurde und wie eifrig die Künstler selbst dabei 
mitwirkten, ihre Wirkungsstätte durch eigene Kunstwerke zu verschönern und behaglich zu machen, gleich- 
zeitig bestrebt, sich und ihrer Kunst ein bleibendes Denkmal zu setzen. Hierbei ist freilich zu erwähnen, dass 
sie dazu durch das Statut vom Jahre 1699 geradezu verpflichtet waren. 
Noch einmal hat Friedrich während seiner Regierungszeit das Akademiegebäude wesentlich erweitert, 
was hier gleich hinzugefügt wertleti möge. Die Stiftung der Sozietät der Wissenschaften (11. Juli 1700) ver- 
anlasste ihn, den Architekten Martin Grüneberg mit der Anlage des nördlichen Hofes, also im Umfang der 
heutigen Anl-age, zu beauftragen. Die Mitte dieser Nordfront an der Dorotheenstrasse bekam einen turmartigen 
Pavillon mit einer Sternwarte, in dem nach langen Vorbereitungen am 15. Januar 1711 die erste Sitzung der 
Akademie der Wissenschaften stattfand. 
I)ie Akademie der Künste war inzwischen bei dem wachsenden Andrang, der sich alsbald zeigte, 
mit den ihr zur Vertügung stehenden Räumen nicht zufrieden. Im Jahre i7o7 resolvierte der König, wie noch 
zu berichten sein wird, auf die Eingabe der Akademie, dieselbe solle so lange in den ihr angewiesenen 
Räumen auf dem Stall in der Dorotheenstadt bleiben, „bis ihr eine andre Gelegenheit angewiesen werden 
ltann". Offenbar war wegen Zudrangs von Akademisten und Schülern eine Klage über das nicht ausreichende 
Quartier vorausgegangen. Es wurde ein neues, selbständiges Gebäude in Aussicht gestellt, doch ist schliesslich 
ein solches nicht bewilligt worden. 
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