Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Otto Greiner
Person:
Vogel, Julius
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2085455
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2085877
dadurch unmöglich gemacht wird, je gesehen hat, dem wird sicher der Gedanke sich 
aufgedrängt haben, daß die Studien künstlerisch auf einer höheren Stufe der Vollendung 
stehen als die entsprechende Figur im Ölgemälde. Es handelt sich hierbei nicht nur um 
den stärkeren Eindruck, der jedes unmittelbar vor der Natur entstandene Kunstwerk mit 
einem zauberhaften Reiz umkleidet, sondern ebensosehr um die großartige zeichnerische 
Technik und um fein nüancierte Übergänge in den Farben, Eigentümlichkeiten, die in 
dem Maße die Technik der Ölmalerei schwer erreichen kann. Greiner ist sich dieses 
Kontrastes vollkommen bewußt gewesen. ßjede Studie hat einzeln, wie sie gemacht ist, 
mehr Leben als dasselbe Stück im Bilde; das findet sich, von Dürer angefangen, bei 
jedem, der Kompositionen machte. Das darf auch nicht anders sein, denn im Bilde 
darf nicht jedes Stückchen für sich renommieren, sondern muß sich im Interesse des 
Ganzen unterordnerm Unter diesem Gesichtspunkte mögen namentlich die Akte, die 
wir in unseren Lichtdrucktafeln vervielfältigt haben, beim Vergleich mit den Figuren des 
Gemäldes betrachtet werden. 
Das Greinersche Gemälde, auf dem Dache seiner Werkstatt am Kolosseum in 
Rom entstanden  daselbst, wo vor Jahren Max Klinger gewohnt hatte  ist ein 
Freilichtbild, dessen Luft- und Farbenstimniung durch den Ort seiner Entstehung ver- 
ständlich wird. sDer ganze Vorgang spielt sich gleichsam ab unter der großen Glocke 
der Luftß Das Kolorit ist in seinen einzelnen Tönen nicht so intensiv und leuchtend, 
wie man es bei südlichen Szenerien zu sehen gewöhnt ist. Es ist in seiner Gesamtheit 
eher etwas grau und entspricht der charakteristischen Färbung der Natur, wenn der 
heiße Südwind die Luft mit Dunst erfüllt und die Sonne kaum die bleifarbenen Wolken- 
massen zu durchdringen vermag. Die einzige scharfe Farbe ist das Rot in der Mohn- 
blumenguirlande: wes ist gleichsam das Sinnliche, das sich nochmals matter wiederholt 
am Schurze des Helden, auf den es wirken mußs. Über ein Prinzip von Wichtigkeit 
in der Behandlung der Frauenkörper schreibt der Künstler: wBesonders wichtig sind an 
den Sirenen alle Überschneidungen, die trotz aller Gedrängtheit der Figuren immer 
die Gelenke freilassen, denn nur dadurch bleibt Bewegung und Verkürzung verständlich. 
Hauptsache war, die beiden Torsen der vorderen Figuren ganz frei zu halten, so daß 
man zu einem ungestörten Genuß derselben kommtß An gewissen Verdrehungen der 
Gliedmaßen, so an dem linken, an dem Aste des Ölbaumes sich anhaltenden Arm der 
vorderen Sirene hat man Anstoss genommen und fehlerhafte Zeichnung und Mangel an 
anatomischem Gefühl festgestellt. Hier liegt allerdings, namentlich auffallend in den 
Studien, eine für das Auge merkwürdige und ungewöhnliche Verkürzung vor. Aber 
man darf, abgesehen davon, daß diese Verkürzung in sämtlichen Studien sich findet, also 
mit Absicht und Bewußtsein so gezeichnet ist, auch nicht vergessen, daß das, was 
anatomisch bedenklich erscheint, doch auf einer richtigen Naturbeobachtung beruhen 
wird, die uns nur deshalb falsch dünkt, weil unser Auge solche Verkürzungendnie unter  
den Licht- und Lufteffekten, wie sie der Süden bietet, zu sehen gewöhnt   Jiwükä 
Auffallend ist auf den ersten Blick die materielle Ungleichwertigkeiili 51' 
gegenüberstehenden Gruppen: die fest umschlossenen Sirenen erscheinen kompakttsuäiät 
massig gegenüber den im Schiffe vorübersegelnden Griechen, die sich klar von der Luft
        

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