Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Denkmale deutscher Bildnerei und Malerei von Einführung des Christenthums bis auf die neueste Zeit
Person:
Förster, Ernst
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2078960
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2080740
MADONNA 
MATTHIAS 
GRUENEWALD. 
ist die Krone des ewigen Lebens, die zwei über der heiligen Jungfrau schwebende Engel ihr 
aufs Haupt zu setzen im Begriff sind. Rings um den Licht-Nimbus, in welchem die Gottes- 
Mutter steht, sind Wolken gelagert, aus denen Cherubim und andere Engelskinder andächtig 
und voll freudiger Bewunderung zu ihr aufblicken. 
Unten links neben der Mondsichel ist das Wappen des Kurfürsten von Brandenburg, 
Cardinal-Erzbischofs von Mainz angebracht. 
Die Auffassung des Bildes ist, wie man sieht, nicht ohne poetisches Gefühl: der 
Künstler hat den Eindruck des Uebernatürlichen, Göttlichen hervorbringen, gleichsam einen 
hohen Lobgesang Mariä malen wollen. Dem entspricht auch die feierliche Anordnung, der 
die Gestalt umfliessende Lichtglanz, der sie frei und gänzlich unberührt von der Umgebung 
erscheinen lässt, dazu der heitre Wolkenkranz mit den vielen Engelangesichtern. 
Dagegen bildet die stark realistische Formengebung, wie sie der fränkischen Schule 
eigen ist, einen fühlbaren Gegensatz zu der hochpoetischen Darstellung. Nicht nur die Engel: 
und das Christkind, nein! auch die gehenedeite Jungfrau selbst erinnern mit ihren sehr ab- 
gerundeten Formen und dicken Gliedmassen zu sehr an die irdische Wirklichkeit, als dass 
wir sie in der idealen Wolkenregion heimisch erachten könnten. Wohl aber hat Gruenewald, 
gleich seinem grossen Zeitgenossen, die weder idealen, noch besonders schönen Züge durch 
den Ausdruck der Güte, Anmuth, Freudigkeit und Liebe zu beleben gewusst, so dass der 
Eindruck seiner fast immer edlen Gestalten durchaus wohlthuend ist. 
Bedeutender, als in den oft sogar unrichtig gezeichneten Körperformen, ist Grueue- 
Wald in der Gewandung, die er nicht nur in einfacher Grösse anzuordnen versteht, sondern 
bei der er auch mit vielem Geschick das kleinknittrige Gefälte vermeidet, das selbst bei Dü- 
rer oft den Eindruck einer Gestalt schwächt. 
Die Färbung des Bildes ist blühend, 
harmonisch; die Behandlung ist leicht und 
äusserst ansprechenden Gesammteindruck. 
ohne im mindesten bunt zu sein; warm, mild, 
flüssig. Das Gemälde macht einen kräftigen und
        

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