Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Denkmale deutscher Bildnerei und Malerei von Einführung des Christenthums bis auf die neueste Zeit
Person:
Förster, Ernst
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2073797
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2074622
DER 
DENKSFEIN 
AUF 
DER 
FÜRSTENGRUFT 
DER 
FRAUENKIRCHE 
ZU 
MÜNCHEN. 
Die Hauptstadt Bayerns, die unter König Ludwig ein Mittel- und Höhepunkt der 
deutschen Kunst des neunzehnten Jahrhunderts geworden, hat bereits im fünfzehnten eine 
Blüthezeit derselben erlebt, von welcher die Geschichte nur darum so gut wie gar keine 
Notiz genommen zu haben scheint, weil der Ruhm der benachbarten Kunststädte, Augsburg, 
Ulm und Nürnberg alle gleichzeitigen Leistungen im südlichen Deutschland überstrahlte; 
oder auch weil die nachfolgende Zeit, um wie Vieles ärmer an Geist sie auch war, mit 
einer viel grösseren Anzahl von Werken sich verewigt hat. Jene Kunstdenkniale aber aus 
der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts, Bauwerke, Bildnereien und hlalercietl in München 
und der Umgegend, haben ein so eigenthümliches Gepräge, dass sie nicht als Neben-Er- 
gebnisse der fränkischen und schwiälaischen Schule angesehen werden dürfen, sondern einer 
selbstständigen oberbayrischen Kunst angehören. Als bedeutendstes Denkmal der Baukunst 
dieser Zeit und Gegend steht die Frauenkirche in München da; und sie enthält auch eines 
der bedeutendsten Werke der gleichzeitigen Bildnerei. Es ist dies der Uenkstein auf 
der Fürstengruft im Chor der Kirche. Leicht geht man daran vorüber, weil er unter 
dem gewaltigen Katatalk verborgen liegt, welchen Kurfürst tilaxiinilian I. um die Mitte des 
17. Jahrhunderts darüber hat errichten lassen. Mit Hülfe aber eines angezündeten Lichtes 
kann man Gestalten und Formen genau erkennen. Man sieht auf dem Stein von röthlichem 
Marmor in stark erhobenen Figuren einen Fürsten in kaiserlichen: Ornat auf dem 'l'hrone 
sitzen; (die Rechte mit dem Scepter ist abgebrochen  die Linke hält den Pteichsaplel; das 
Haupt unischliesst die Beichskrone und der lange, weite, reichverzierte Mantel bedeckt den 
Oberkörper und legt sich in vollen, grossen Falten über Schoss und Beine. Zwei schwe- 
bende Engel halten den Teppich hinter dem Throne, an dessen Postamente der Beichsatller 
angebracht ist, während die Wappen von Bayern und der Pfalz, der Löwe und die Wecken, 
zu beiden Seiten ihre Stelle gefunden; so dass man erkennt, dass man einen Fürsten vor 
sich habe, der zugleich die bayrischen Lande als Herzog und das deutsche Reich als Kaiser 
regiert hat. 
Unter dieser sitzenden Gestalt stehen zwei Figuren; die eine, ältere, m Ilaustraclzl, 
 1'?     
em Barret auf dem Kopf, um den Lßlb den Schwertgurt, Sporen an den Bussen, die Anne 
E. Fönsrmfs Denkmals: d. deutschen Bildnerei. II. 6
        

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