Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Maltechnik des Altertums
Person:
Berger, Ernst
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2042283
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2044878
cestrum, jedes in seiner Weise, geleistet haben: alle drei hatten dem 
Effekt nach dieselben Funktionen. 
a) Cauterium heisst wörtlich das Brenneisen. Nur in dieser Be- 
deutung lässt es sich als ein auch anderweitig vielgebrauchtes 
Instrument nachweisen, und Plinius setzt das ursprünglich griechische 
Wort ohne jede erklärende Beifügung, betrachtet- es als bekannt 
oder ohne weiteres verständlich. so dass eine Abweichung von 
der gewöhnlichen Bedeutung nicht anzunehmen ist. Da es also 
vom Brennen seinen Namen hat, so muss, wenn Malen und 
„Einbrennen" zwei getrennte Operationen waren, das cauterium 
beide nach einander besorgt haben; wenn beides dagegen in eine 
Operation zusammenfiel, so kann nur mit dem von Anfang an 
heissgemachten cauterium gemalt worden sein. 
b) Der Name cestrum hat zwar nichts mit Brennen zu tun, denn 
er hängt mit xevtäw (stechen) und xeorög (gestickt) zusammen, 
aber da es sich bei aller Enkaustik immer um Malen und "Ein-- 
brennen" handelt, so müssen auch dem cestrum diese beiden 
Funktionen zugeschrieben werden, nur irgendwie modiliziert durch 
die besondere Natur des ihm allein vorbehaltenen Elfenbeingrundes. 
c) Dass man mit dem Pinsel malte. ist selbstverständlich, aber ebenso 
versteht sich, dass er zum „Einbrennen" nicht geeignet war. Nun 
besteht aber der Unterschied der neuen dritten Art von den beiden 
älteren darin, dass die Erfindung einer Methode, das Wachs durch 
Feuer dünnüüssig zu machen, es möglich gemacht hatte, auf das 
cauterium zu verzichten und es durch den Pinsel zu ersetzen. 
Folglich muss derGebi-auoh des Pinsels den Effekt des sog. "Ein- 
brennens" schon durch den heissfiüssigen Zustand des Wachses 
erreicht haben. Und von hier aus darf man jetzt rückwärts 
schliessen, dass 
auch bei den beiden älteren Arten das Malen d. h. das Auftragen und 
Bearbeiten der Wachsfarben kein nachträgliches „Einbrennen" erforderte, 
sondern von vorne herein mit heissgemachten Werkzeugen stattfand, 
so dass in der Tat Malen und "Einbrennen"  was vorhin zu- 
nächst hypothetisch gesetzt wurde  in eines zusammenfiel 
und das eigentliche Wesen aller Enkaustik zum Unterschied von den 
anderen Malweisen, die mit Farben im kalten Zustande arbeiteten, 
darin bestand, dass die Farben vermöge verschiedener Verfahren 
durch Erliitizung auf dem Malgrunde befestigt und unter einander 
verbunden wurden: bei den beiden älteren Arten so, dass die Werk- 
zeuge erhitzt, bei der neuen, der Pinseltechnik, so, dass die Wachs- 
farben unmittelbar über dem Feuer für die Dauer der Arbeit heiss- 
flüssig erhalten wurden. Das vielumstrittene oeris pingere ac picturam 
inurere bedeutet dann nicht, wie man beharrlich gemeint hat: „mit 
Wachsfarben malen und nachher das Gemälde einbrennen i, sondern: 
„mit Wachsfarben malen und mittelst Hitze ein Gemälde herstellen 
(oder: Hitze beim Malen anwendenlf" und erklärt sich grammatisch 
als eine die Sache sprachlich auseinanderlegende Umschreibungö), in- 
e) „In derselben Weise haben auch C. Robert und mit ihm Fr. Leo in den 
"Knöchelspielerinnen" S. 10 A. 24 die Worte aufgefasst. Der Letztere fügt hinzu: 
„Ein Anderer hätte ceris pingere et quidem picturam inurere gesagt. Dass hier. wo 
vom aüperfig [dem Erfinder] die Rede ist, das Verfahren in seinen Stadien beschrieben 
sein sollte, kommt mir sogar stilwidrig vor." Uebrigens wurde die von Donner 
auch jetzt noch festgehaltene Auslegung in gut lateinischer Diktion statt des Sub- 
stantivs picturam vielmehr das passive Participium von pingere erwarten lassen, so 
dass es hiesse ceris pingere pictaque inurere, und man darf wohl fragen. 0b Plinius 
nicht diese gewöhnliche und unzweideutige Form vorgezogen haben würde.  Den 
Ausdruck ,.mit.telst Hitze ein Gemälde herstellen" gebraucht Plutarch Amator. 16 
p. 759 C fast Wörtlich, wenn er in einem Vergleich die vergänglichen Gemälde, die 
durch das äqf öypotg Cwypacpatv entstehen. den dauerhafteren elxöveg äv ä-(zocbpoaci 
YPU-(PÖIJEVGJ öidc Ttupbg entgegensetzt." 
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