Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerschule Antwerpens
Person:
Rooses, Max Reber, Franz/von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2036778
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2040483
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Schule. 
RubensTche 
Die 
Schuld an rückftändigen Jahrgehaltern vor feinem Tode nicht mehr bereinigt. 
Die politifchen Schwierigkeiten, in welche der König verwickelt war, nahmen 
alle feine Mittel in Anfpruch und liefsen ihm nicht genug übrig, um die Koften 
feiner Liebhabereien zu decken. 
Nicht blos für den König, fondern auch, wie gefagt wurde, für eine 
grofse Zahl der vornehmften englifchen Familien malte van Dijck Porträts. 
Auf vielen fürftlichen Landfitzen des höheren englifchen Adels Findet man noch 
lange Reihen von Bildniffen feiner Hand, welche von den Befitzern eben fo fehr 
als Ahnenporträts wie als Meifterwerke der Kunft verehrt werden. Bei dem 
Herzog von Marlborough bewundert man neben einem überaus prächtigen 
"Herzog von Buckingham" früheren Datums abermals ein Reiterbild Carl I., 
welches den König auf rahmfarbenem Rofs in einer Landfchaft darltellt, ein 
Bild, welches vor dem Exemplar zu Windfor kaum zurückfteht. Auch bei 
Lord Darnley zu Cobham-House, bei dem Herzog von Buccleugh in London, 
auf Wilton-House dem Landfitz des Lord Pembroke prangt noch ein ganzer 
Schatz von Meifterwerken. Aber wie gefagt wir würden kein Ende finden, 
wenn wir ein Verzeichnifs von all jenen Werken geben wollten, welche van 
Dijck in England gefchaffen. 
Unter den Porträts, welche er von I632H-35 malte, zählten wir einige 
feiner gefeiertften Werke auf. Die Stücke aber, die er während feines dritten 
Aufenthaltes in Flngland geliefert, fmd durch Hüchtige Ausführung und matte 
Färbung unterfcheidbar. In den letzten Jahren feines Lebens gab er feinen 
warmen Ton und fein gründliches Studium des menfchlichen Gefichtes preis um 
eine fchwiichere graue Färbung und eine ilachliifsige Eleganz anzunehmen, 
welche beweifen, dafs er feine Leichtigkeit im Arbeiten und feine reiche Be- 
gabung gebrauchte Odtflf mifsabriuichte um viel zu produciren. l)ie warme Sonne, 
welche van Dijck auf den Bildniffen feiner ZWCllICII und betten Manier ftrahlen 
liefs, hatte ausgefehieilen und wurde durch ein blaffes Mondlicht erfetzt, das 
Feuer, das aus feinen Augen funkelte, vaar erlofchen, die Kraft war in der 
Breite der Ausführung und liormgelaung untergegangen. Die Malerei ift grau, 
die Pinfelführung manchmal gefchickt aber fehr oft nachliifsig und flüchtig. 
Es ift noch immer Leben und läewegixng im Körper und Kopf, aber die 
Bewegung ift Ineilleils erlangt durch die Stellung der Perfon und durch die 
'l'ournürc, welche der Maler durch die Pofe dem Oberkörper gab. Elegant 
und vornehm bleibt er immer, wenn auch in die feinen Köpfe etwas lintnervtes, 
Allzufchwaches kommt. Diefs tmgünftige Urtheil findet jedoch keine Stelle 
bei feinen Kinderportriits aus diefer Periode, welche fogar zu van l)ijcks 
berühmteften und namhafteften Stücken zählen. Wie am Anfang feiner Lauf- 
bahn, fo malte er auch gegen das linde feines Lebens Kinderbildniffe, welche 
weit über den Darftellungen von erwachfenen Perfonen ftehen. Es fcheint 
denmach, dafs er ebenfo wie damals, als feine Kunft noch nicht die volle 
Reife erlangt hatte, fo auch in der Zeit, als feine Hand die Zauberkraft den 
Menfchen auf der Höhe feines Lebens wiederzugeben bereits wieder verloren 
hatte, noch das zarte naive Wefen des Kindes mit all der fchwacheren 
Anmuth und flilleren Poefie zu erfaffen vermochte, wie fie der Jugendperiode 
von van Dijck's Kunft eigen und. 
Das fchönfte diefer Kinderbildniffe ift wohl die Gruppe im Mufeum zu 
'1'1.1rin, welche die drei Kinder, oder vielmehr die drei Töchter Carl I. darftellt, 
Nach dem Alter der Kinder zu fchliefsen, mufs das Bild vom Jahre 1639 
flammen, in welchem Prinzefs Mary 8, Elifabeth 4 und Anna 2 Jahre alt war. 
Das ältefte Kind legt die Hand auf den Kopf eines Hundes; in vollem Lichte 
flehend trägt fie ein rothes filbergefticktes Kleid und guckt fehr verftändig aus
        

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