Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerschule Antwerpens
Person:
Rooses, Max Reber, Franz/von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2036778
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2038241
IO2 
erflen 
Nachfolger 
Italiener. 
behandelt er befonders Gegenftände aus der heiligen Schrift, gelegent- 
lich auch Allegorifches, ja der fonft fo würdige Künftlei" wagte felbft ab und 
zu in der Art des älteren Brueghel ein Volksfprüchlein zu illuftriren. Dafs er 
ein flinker Zeichner war, und eher eine leichte als eine bedeutfame und tief 
durchdachte Arbeit lieferte, beweift fchon die überaus grofse Zahl der nach 
ihm gefltochenen Stücke. Leicht von Gruppirung und gefällig von Haltung 
find feine Figuren von der Art, dafs der Meifter an einem Abend ein ganzes 
Blatt damit füllen konnte, ohne bei der hundertften viel mehr geiftige Ermüdung 
zu fühlen als bei der erften. 
Nicht anders verhält es fich mit feinem Malen. Er bedeckt gewaltige 
Flächen mit feinen fchönen aber kalten Figuren, ohne dafs er felbft dabei 
einige Bewegung fühlte oder in uns erweckte. Alle Geftalten find fäuberlich und auf. 
merkfam angeordnet wie gemalt, fie fmd im Fleifch wie in der Farbe gut, 
und das einzige Gebrechen, welches fie haben ift, dafs fie nicht leben und dafs 
fie uns die Frage aufdrängen, ob es Menfchen feien oder gut gefärbte 
Wachsfiguren. 
Es fcheint faPc unglaublich, dafs Marten de Vos ein Schüler und Freund 
des Tintoretto war, und bei diefem nicht blos zeichnen und componiren lernte, 
fondern fogar das Landfchaftliche in deffen Gemälden ausführtefii Würde man 
vielmehr unter allen italienifchen Meiftern den zu fuchen haben, welchem Marten 
de Vos am fernften fteht, fo müfste man zunächft an diefen Venetianer denken, 
an diefen kühnften Coloriften und wildeften Zeichner, an cliefe unbezähmbarfte 
Künfllernatur, die jemals jenfeits der Alpen lebte. Das einzige, worin de Vos 
einigermaffen an feinen Meifter gemahnt, ift feine ungemeine Fruchtbarkeit; Denn 
von Tintorettds Urwüchfigkeit, feuriger Phantafie und ungeftümer Schöpfungs- 
kraft hat er nichts, auch nicht den blafseften Anklang und Schatten 
überkommen. 
Fragt man flch, wie es gefchehen konnte, dafs die niederländifchen 
Maler in Italien in diefer lrVeife zu Antipoden ihrer Meifter {ich entwickeln 
konnten,  denn wie de Vos ift es den meiflen feiner Schulgenoffen eigen- 
thümlich, dafs fie nur ganz Wenig an die grofsen Männer erinnerten, deren 
Spuren {ie zu folgen vorgaben und deren Namen man ihnen wohl auch ge- 
legentlich als Ehrentitel beilegte  fo ergibt fich Folgendes. Van Orley 
erinnert allerdings fchlagend an Rafael, wie auch Floris in einigen Gemälden 
an Michel Angelo denken läfst; wenn aber nach ihnen fchwer wird zu fagen. 
welchem lVleifter der eine oder andere der Niederländer gefolgt fei, fo kommt 
diefs wahrfcheinlich daher, dafs die letzteren, ehe fie in Italien jene Meifter 
von Angeficht zu Angeficht kennen lernten und dazu kamen, die füdliche 
Kunft an der Quelle felbft zu ftudiren, bereits den Unterricht von folchen ge- 
noffen hatten, welche früher über den Alpen gewefen waren. Diefer Künft- 
unterricht aus zweiter Hand brachte nothwexldig eine doppelte Verfchlechterung 
zu Wege; und wenn die verderbten Schüler in die Werkftätten oder vor die 
Meifterwerke der grofsen Meifter felbft kamen, war ihr Gemüth nicht mehr 
empfänglich und ihre Hand nicht mehr biegfam genug, um die Eindrücke 
frifch zu empfangen und frei von vorausgegangenen ManiereinHüfsen Wieder- 
zugeben. Ohne fich nun Rechenfchaft von ihrer eigenen Anlage zu geben und 
ohne den Muth zu eigener NVahl zu befitzen, verloren fie fich an den Werken 
verfchiedener Schulen und Zeiten und es entltand daraus ein Gemengfel, in 
welchem alle Eigenart und Kraft erftickte. Sie wollten von Allem etwas 
behalten, und behielten auch in der That von Allem, mit Ausnahme von fich 
Abecedario pittorico , 
ORLANDI 
ad nomen.
        

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