Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerschule Antwerpens
Person:
Rooses, Max Reber, Franz/von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2036778
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2038229
IOO 
brfien 
Italiener. 
Nachfolger 
gut modellirt waren, dann legte er wenig Werth auf das Uebrige, "und am 
wenigften auf die Farbe. Die einzige Abwechslung feiner Tinten befteht in 
dem mehr ins Blafse, Graue, oder Dunkle Gehenden des Fleifches feiner Figuren. 
Die wenigen Draperien, die er anwandte, find abfichtlich farblos, um dem 
kunftvollen Nackten nicht zu fchaden. 
Im Mufeum zu Brüffel (Nr. 196) finden wir ein Stück von F loris, welches 
lebhaft an den Engelfturz erinnert; Es ift ein Triptyehon, 1566 gemalt und 
das sjjüngfte GCfiClllie' vorPtellend. Wie das eben befprochene Werk des Künftlers 
ift es eine Studie von nackten Körpern, die in allerlei Formen und Haltungen 
ihre akademifchen Gliedmafsen zur Schau ftellen. Dazu repräfentirt es eine 
ftolze Verleugnung der Farbe, die bis dahin das hervorragendfte Element in 
der Malerei war, und die Verhimmelung eines neuen Stils, der vielmehr bei 
einem Bildhauer als bei einem Maler gelernt zu fein fcheint. Floris der felbft 
ehe er den Pinfel ergriffen denMeifsel geführt, der von Michel Angelo, dem 
grofsen Maler und noch gröfserem Bildhauer hoch eingenommen gewefen, war 
auch wohl der Mann dazu, diefe Richtung unverblümt zu verkünden. 
Im Mufeum von Antwerpen finden wir noch ein Stück von Floris, das 
ihn uns von einer etwas andern Seite kennen lehrt. Es ifi N0. 113 und trägt 
den Titel: vdie Anbetung (IlCl'I"li1'tlC11((. Rings um das Jefuskind und feine 
Mutter find verfchiedene Hirten und eine Hirtin verfammelt; auf dem Boden 
liegt ein Lamm mit zufammengebilndenen Pfoten, dazu ein Efel. Die Scene 
geht in einem verlaffenen und zur Ruine verfallenen Gebäude vor fieh. Was 
uns zuerft auffällt, ift die Abwefenheit aller glänzenden Farben: die einzigen 
in die Augen fpringenden Töne find die von einem citronengelben Kleid links- 
und von einem orangegelben rechts. Die ganze obere Hälfte des Gemäldes 
wird durch graurothe Bautrümmer eingenommen, alle Farben der Hauptperfonen 
fmd verwafchen und verfchoffen und haben eine ftark ausgefprochene Neigung 
ins NVeifs zu verblaffen. Dasfelbe ift am Nackten der Fall, was bei einigen 
Figuren, wie z. B. bei der Mutter Gottes weifs wie Kreide ausfieht, während 
es bei andern hell und gebrannt erfcheint. Die vollen Farben der alten Schule find 
hier ganz verlaffen und durch Gegenüberftellung von Licht und Dunkel erfetzt. 
Und merkwurdigeriveife ift die aus diefen farblofen Tönen entftehende Harmonie 
und das ausftrahlende Licht die befte Eigenfchaft des Werkes. Die Haupt 
gruppe ift einfach faftkunftvoll componirt, mit klar ausgefprochenem aber nicht 
immer erreichten Streben nach Gefälligkeit. Die Malerei hat etwas Griefiges, 
was man früher nicht kannte und fpäter wieder abftreifte. 
Unter den hiftorifchen Bildern des F loris darf auch fein sSalomonifches 
Urtheile nicht unerwähnt bleiben, das Prunkftück des antwerpener Gemeinde-s 
rathfaales, das ficher eines feiner fchönften Werke ift, aber leider in zu fchlechtem 
Lichte hängt um fich geltend zu machen. 
Eine feiner vornehmften Schöpfungen ift uns lediglich im Stich erhalten 
geblieben: xdie fchönen Kiiilfte und die Thaten des Herkulesa, Welche er in zwei 
Sälen der Villa des Nikolaas Jonghelingh nahe bei Antwerpen malte, und wo- 
von die erfte Reihe aus fieben, die zweite aus IO Stücken beftand. In dem 
die Erde von Ungeheuern faubernden Herkules fand er die mit Begierde er- 
griffene Gelegenheit um feiner Liebe für kräftigen Körperbau und wuchtige 
Bewegungen freien Lauf zu laffenfli 
IF 
Die „'l'haten des Ilerkules" ünd vielleicht nach Slaanien gekommen. Philipp II. hatte fie 
bei {einem erßen Belitzer bewundert und als diefer mit Schulden an die Staatskaffe flurb, 
wurden durch Vermittlung des Arias Montanus die zehn Gemälde behufs Begleichung der 
Angelegenheit dem Könige zum Kauf angeboten. Ob diefer zu Stande kam, wiffen wir
        

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