Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Quellen für Maltechnik während der Renaissance und deren Folgezeit, <XVI.-XVIII. Jahrhundert>
Person:
Berger, Ernst
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2028780
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2031710
Abhandlung über die Firnisse. 
Die Firnisse sollen, um gut zu sein, sehr trocknend, 
klar, durchsichtig und so wenig als möglich gefärbt sein. 
Wasser soll sie nicht angreifen, sie sollen sich Weder ab- 
schälen, noch springen, und ohne weisslich oder dunkel 
zu werden, waschbar sein, und sollen, wenn sie mit der 
Zeit dunkler geworden sind, mit denselben einfachen Oelen. 
aus welchen sie bereitet, wieder erneut werden können. 
Diese genannten Firnisse sind entweder einfache, wie 
der Lack [Gummilack], oder zusammengesetzt aus gewissen 
l-larztropfen, welche in gewissen Oelen gelöst, sich auf der 
Llnterlage ausbreiten lassen. 
Die zur Firnisbereitung geeigneten Oele sind Nussöl, 
und Leinöl, welche allein mit Bleiglätte oder (was besser 
ist) mit gebranntem weissen Vitriol trocknend gemacht, 
auf der Arbeit trocknen und gegen jegliche Flüssigkeit 
widerständig sind. Wenn die Lösung der Harze mit 
diesen Oelen gemacht ist, sind die Firnisse schöner und 
konsistenter. 
Vllenn diese Oele mangeln, kann man im Notfalle 
Hanföl, auch wenn es grünlich ist, gebrauchen oder falls 
man in günstiger Lage, wie im Heideland sich befindet, ist 
helles Mohnöl sehr vortrefflich und trocknend, wenn es aus 
dem Samen durch Pressen gewonnen wurde. 
Es trocknet aber nicht, wenn es nicht künstlich so 
hergestellt ist. 
Die gebräuchlichsten Oele für feinere lilirnisse sind 
Terpentinöl, Spicköl und Steinöl mit 'l'erpentin selbst, 
welcher, obschon fett, schliesslich langsam trocknet und 
den Firnis vor Abschiilen bewahrt. Man brauche davon 
nur sehr wenig, etwa den 10. oder 12. Teil. 
Die zu diesem Zwecke geeigneten Gummi und Harze 
sind: Mastix, Sandaraca, oder Gummi von Juniperus, 
Gummi aninme [Flussharz] vor allen anderen, ausge- 
nommen der Gummi-Lack [Schellack], der sehr rein aus- 
gesucht und woraus man den chinesischen Firnis bereitet; 
gelber Ambra, womit die Lauten geiirnisst werden, sehr 
reine Benzoe etc. 
Sieh" zu, 0b der in Steinöl oder Spicköl einmal gelöste 
Ambra [Bernstein], der durch Verdunstung trocken ge- 
worden, geeignet ist, sich leicht in Nussöl, Leinöl oder 
einem anderen löst. 
Paracels. Chirurg. p. 306 [sagt]: "Bernstein wird in 
Steinöl zum Aufwallen gekocht, dann von neuem trocken 
gelassenft 
Idem p. 492: „Ist die Kunst des Blirniss erfunden 
worden, gemacht mit eim gelben Agstein." 
Sieh" zu, 0b Bernstein, Benzoe in sehr verstärktem 
Weingeist gelöst, Gummi animae mit Terpentinöl, Steinöl 
oder Spicköl auf dem Stein gerieben, nicht geeignet sind, 
durch eine leichte Auflösung über Kohlen oder im Sandbad 
bereitet zu werden. 
Zur bequemen ,Bereitung dieser Lösung habe man zu 
diesem Zwecke ein besonderes Destilliergefäss, dessen Fugen 
mit Harz oder Kalkkitt, Eiklar und ein wenig Mehl ge- 
schlossen werden. Stelle es ins Sandbad und anfangs 
schwach erwärmend, steigere hernach die Wärme, um die
        

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