Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Quellen für Maltechnik während der Renaissance und deren Folgezeit, <XVI.-XVIII. Jahrhundert>
Person:
Berger, Ernst
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2028780
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2029364
„a guazzo", in der Reihe der Malweisen. Die früheren Autoren, Gennini, Filarete, 
die hier in Betracht kommen, kennen nur Fresko, Oel und Tempera. die letztere 
hauptsächlich aus Ei, eventuell aus Leim bestehend. 
Bei Paolo Pino tritt auf einmal die Bezeichnung vguazzo" auf (s. p. 17 
d. B.) u. z. wird auf der trockenen Mauer sowohl mit Guachefarben (a guazzo) 
als auch mit Oelfarben gemalt. 
Mit auffallender Bezugnahme auf die Uoltramontani", d. i. die jenseits des 
Gebirges wohnenden Niederländer und Deutschen spricht Pino hier von der Gouach e- 
technik (colorire a guazzo), die er im Vergleich zur reinen Oelmalerei für unvoll- 
kommen hält. "Lassen wir sie (d. i. die Gouachetechnik) den Oltramontani, die den 
rechten Weg verloren haben", fügt er hinzu, und polemisiert auch an anderer Stelle 
(p. 29 verso) seines Buches gegen die Landschaften der nlfiandresi" und "Fiarnenghi." 
Paolo Pino's Dialog ist ebenfalls früher geschrieben als Vasarfs bekanntes 
Werk, mithin von diesem unbeeinflusst. Sein abfälliges Urteil über die „nicder- 
ländische Technik" muss aber thatsüchlich befremden, wenn man bedenkt, mit wie 
grossem Erfolg die ersten niederländischen Bilder in Italien aufgenommen wurden. 
Es lassen sich jedoch Strömungen in Italien erkennen, die gegen die „neue Art" 
gerichtet scheinen; wir kommen darauf noch zurück. Vorerst müssen wir uns 
darüber klar zu werden suchen, was zu Pino's Zeit, also um die Mitte des XVI. Jhs. 
unter Guazzo gemeint sein konnte. 
Nehmen wir zunächst das Wort selbst und gehen seiner etymologischen Be- 
dcutung nach, so finden wir im Lexikon: Guazza : der nasse Nebel, 'l'hau; 
guazzare : flüssiges in einem Gefässe hin und her bewegen. schwemmen, schütteln, 
schwenken; guazzetto : Brühe; Guazzt) : Pfütze und Wasserfarbe; guazzatojo : 
Schwemme, Tränke; guazzobuglio r. Gemengsel, Mischmasch; guazzoso z nass, 
feucht, schmutzig. Auf unsere „a guazzo" Malerei angewendet, würde also ein 
Bindemittel zu verstehen sein, das durch Schwemmen, Schütteln, Vermischen eine 
trübe oder weissliohe Flüssigkeit (durch den Ausdruck Thau, Nebel bedingt) ge- 
worden ist. Vergleichen wir überdies, was Armenini über Seccomalerei berichtet, 
(s. p. 54), insbesondere die Stelle von den "verschiedenen Praktikern, die sich 
mit allerlei Mischungen ihre Farben bereiten, um ihren Bildern eine ausser- 
ordentliche Lebhaftigkeit (una vivezzat sopro modo) zu verleihen" und zu 
diesem Zwecke naqua verdc, aqua vergini, sugo di gigli" nehmen, so 
kommen wir der Wahrheit. immer näher. Denn unter den genannten „WVässern" 
befindet sich "aqua di vergini", d. i. J u n gfernmilch, und wie wir an anderer 
Stelle (Beitr. Ill p. 246) bereits nachzuweisen in der Lage waren, verstand man 
zu jener Zeit (laruxiter eine aus zwei Materien bereitete trübe, milchig-e Flüssigkeit, 
was heute mit dem Namen "Emulsion" bezeichnet wird.  
Der Schluss ist gewiss berechtigt, auch Hguazzo" zu diesen milchig-trüben 
Flüssigkeiten zu rechnen, denn aus dem etymologischen Sinne geht das gleiche 
hervor. 
Die Bezeichnung "guazzo" erhält sich bei den Schriftstellern des XVI. Jhs. 
neben der Tempera-Malerei mit Ei und Leimen, geht aber bald als besondere 
Technik verloren, indem sie in dem allgemeinen Begriff "Secco-Malerei" aufgeht. 
Die ülrennung ist kaum bemerkbar bei Vasari (Kap. 25 der lnt-rod.; s. p. 30), 
indem er Leim, "guazzo" und Tempera nebeneinander stellt, ebensowenig bei Lomazzo, 
(s. p.  der für Tempel-a auch die Bezeichnung "a secco" gibt, und a guazzo 
"gleichzeitig erwähnt?  
Dass man hüllt-ä vielfach „Guazzo" (franz. Gouache) mit "Leimfarbe" übersetzt, 
scheint die Folge der etwas unklaren Fassung Vasari's in der genannten Kapitel- 
über-schrift zu sein, die besagt: „Die Darstellungen für Triumphbogen und Fest- 
Dekorationen werden mit Leim gemacht; dieses nennt man 21 guazzo und a tempera." 
Man trifft aber ausserdem für „a guazzo" die Uebersetzung „mit Deckfarben", und 
diese Bezeichnung drückt das Technische derselben noch unvollkommener aus. 
 7) Im XVIIL Jh. wird unter Gouache eine mit Gummi angeriebene Farbe bezeichnet. 
S0 in Johann Daw's wohlunterrichtetem Schilderer und Mahler (1755), nach Tesselin An- 
gaben s. p. 435.
        

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