Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Quellen für Maltechnik während der Renaissance und deren Folgezeit, <XVI.-XVIII. Jahrhundert>
Person:
Berger, Ernst
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2028780
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2030694
Quellen 
für 
die 
Maltechnik 
den 
Niederlanden. 
Bekanntlich hatte die erste grosse Blütezeit.- der Kunst in den Niederlanden 
um die Mitte des XV. Jahrhunderts begonnen und Jahrzehnte lang angehalten; 
und obwohl die Brüder van Eyck nebst ihren Schülern weit über die Grenzen des 
eigenen Vaterlandes berühmt und geschätzt waren, ihre technischen Neuerungen 
sogar epochelnachend für die ganze Folgezeit gewesen sind, ist doch kein einziges 
litterarisches Denkmal erhalten, das uns über diese wichtige Zeitperiode genauer 
unterrichtete. Soviel Mühe man sich ziuch bisher gegeben hat, um über die be- 
rühmte Eriindung der Oelmalerei in Holland selbst authentische Nachrichten zu 
finden, es war umsonst. 1) Ausser der Bezeichnung „Oelfarbe" sind nicht die ge- 
ringsten Aufzeichnungen über den technischen Prozess der damaligen Maler uns 
erhalten geblieben, so dass es den Anschein hatte, dass dieses Geheimnis für alle 
Zeiten verborgen bleiben sollte. 
Einhundertfünfzig Jahre politischer Wirrsale und religiöser Kämpfe hatten jede 
Tradition hinweggrefegt, so dass der neuen Generation nur schwache Erinnerungen 
an die vergangene Zeit übrig blieb. Wie dann mit dem Beginne des XVII. Jahr- 
hunderts der italienische Einfluss allein auch in den Niederlanden ausschlaggebend 
geworden, wird später noch des näheren zu erörtern sein. Hier sollen nur der 
Reihenfolge nach die vorhandenen Quellen aufgezählt werden, soweit sie uns einen 
Einblick in die Technik der Malerei gestatten?) 
Die für uns wichtigste Quelle ist Kar el van M an d e rls Werk „Het Schilder- 
Boeck", das im Jahre 1604 zu Harlem im Druck erschien. 
Durchaus unter dem Eintiuss von Vasari stehend, enthält van MandeNs 
Schilder-Boeck in seinem Hauptteil die Lebensbeschreibungen der verschiedenen 
Künstler von Cimabue und Giotto bis auf seine Zeit. Die in Versen verfasste Ein- 
leitung „Den Grondt der Edel vry Schilderkonst" behandelt die Theorie 
der Kunst, welche der Autor „zum Besten der lernbegierigen Jugend" in 14 aus- 
führlichen Kapiteln beschreibt. Und auch in diesem Teil lehnt sich van Mander 
an seine italienischen Vorbilder Lomazzo, Borghini u. s. w. an. Er beginnt mit 
einer Anrede und einer Ermahnung an die aufstrebende Kunstjugend, behandelt 
dann die einzelnen Teile der Malerei: Zeichnung, Proportion, Bewegung, Schönheit. 
1) Näheres darüber ist zu finden bei (Jrowe und Cavaleaselle, Gescli. d. altniederl. 
Malerei, deutsche Origx-Ausgabe v. Ant. Sprin er (Leipz. 1875), p. 5: Berichte über 
älteste Mauermalereien des XIII. u. XIV. Jhs. zu Fgloreffe bei Namur, in Huy an der Maas, 
in Maestrioht Lütt' il Ge t G ' H lem Deventer p. 9: urkundlich älteste N: h  ht 
über Oelinaleiei v. 33341rllieingröiizlirldmallJohzinn III., Herzogs v. Brabant wird im lgcianäilgkt 
die Bemalung mit guten Oelfarbeii  „de pointure de boines couleurs a ole"  ausbedungeii); 
vergl. de Laborde, les Duos de Bourgogne, V01. I, Introd. p. LXV, und die Noten von 
Alex. Pinehert u. _Oh. Ruelens zur iranz. Ausgabe des Werkes Yon (irovve u. Oaxfalea- 
äelle, Les aiieiens peintres iiawmands, leur vie et leul-g ÜellVl-QS, ubers. v. _O. Delepierre, 
russel 1862163, p. luVIII  _E.dm. de Busscher (Reelierohes sur les peintres Gaiitois 
ges XIYB et XVS siecles,_ indices primordieui; äßliemlälgl de la lpeätlllbllrü a lliuile ä Gand, 
iäeidiiioiriiliääiniiä; 8324113111: iiiäsziai...   331?    1328, 
, 0     c   
2) Aeltere Quellen zur Geseh. der altniederländischen Kunst sind abgedruckt im An- 
bang der Springerschen Ausg. des obgen. Werkes p. 411.  
        

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