Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Olympia
Person:
Boetticher, Adolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2004423
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2008635
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Charakter 
makedonischen 
Herrschaft. 
dem Gebiete des künstlerischen Schaffens eintreten. Für die Leistungen 
der Einzelnen trat nunmehr ein allmächtiger Herrscher ein, der mit dem 
Gefühle seiner Macht den Wunsch verband, diese auch in die äussere 
Erscheinung treten zu lassen, den Reichthum, der aus Orient und Occident 
in seiner Hand Zusammenfluss," aus dieser Hand wieder in glänzenden 
Strömen über das Land auszugiessen. 
Es scheint mir, dass die mitleidsvolle Theilnahme, welche den Freund 
des hellenischen Volkes bei dem Hinblick auf den Verlust seiner politi- 
schen Unabhängigkeit ergreift, den Blick für das Thatsächliche dieses 
Actes und für dessen Urheber hin und wieder getrübt hat: das Volk, 
welches seine Freiheit einbüsst, ist _ja nicht mehr" dasjenige, das sich 
unsre Freundschaft gerechter Weise erwarb; es ist längst ein anderes ge- 
worden. Auch wer sich der Annahme eines providentiellen Verlaufes 
der Menschengeschichte verschliesst, auch wer davon absieht, dass die 
Schöpfung des alexandrisehen Weltreiches in teleologischem Sinne eine 
Nothwendigkeit war und eine Berechtigung hatte, diese Üpfer zu fordern, 
auch er wird zugeben müssen, dass die Vereinigung der durch innere 
Fehden zerrissenen griechischen Cantone in einer starken Hand in jenem 
Zeitpunkte ein Segen für das Land gewesen ist, dass ohne dieselbe 
grösseres Unheil über dasselbe hereingebrochen wäre. Denn diese Hand 
war nicht die eines Barbaren, die sich plündernd nach den Schätzen aus- 
streckte, um die Stufen des Thrones damit zu schmücken; sondern von 
hellenischer Bildung durchtränkt, in begeisterter Hingabe an hellenische 
Literatur aufgewachsen, war Alexander sicherlich die glücklichste Per- 
sönlichkeit, das Scepter über Hellenen zu führen. Und wie anders würden 
ihre Schicksale sich gestaltet haben, wie anders würde unser Urtheil 
über die Folgen ihrer Unterwerfung lauten, hätte nicht ein jiiher Tod 
das unvollendete Riesenwerk des gewaltigen Jünglings zerschmettert. 
Auch Alexanders Vater war seinen Anschauungen nach durchaus 
Hellene. Von Epameinondas erzogen, hatte er frühzeitig an den Ge- 
schicken und Interessen des gemeinsamen Stammlandes theilgenommen. 
An demselben Tage der 106. Qlympiade, an welchem ein Bote die Mel- 
dung von seines Feldherrn Parmenion Siege über die Illyrer, ein anderer 
die frohe Botschaft brachte, dass ihm ein Sohn geboren sei, an diesem 
selben Tage kam ihm auch von dem Festplatz von Olympia die Kunde, 
dass sein Ross im Rennen den Preis davon getragen habe. Es war nicht 
Feindschaft gegen Griechenland, was ihm achtzehn Jahre später das 
Schwert in die Hand drückte, um dieses Land zu erobern, sondern der 
Hader der Griechen unter einander, von denen die eine Partei ihn gegen
        

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