Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Grundriss der Anatomie für Künstler
Person:
Duval, Mathias Neelsen, Friedrich Carl Adolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1956005
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1957201
Siebente 
Vorlesung. 
73 
chialis ist 75.  Diese Art der Bezeichnung, die im Grunde 
nur darauf beruht, irgend ein Zahlenverhältnis durch ein 
Prozentverhältnis auszudrücken, ist sehr wertvoll, da sie es 
ermöglicht, in leicht verständlicher Form die Verschieden- 
heiten der Massverhältnisse bei verschiedenen Rassen und 
Arten auszudrücken.  
S0 bezeichneten wir eben den Index brachialis (das Ver- 
hältnis des Unterarms zum Oberarm) als 75, und wählten 
diese Zahl, um das Beispiel möglichst einfach zu gestalten; 
thatsächlich ist bei erwachsenen Europäern der Index nur 74 
(der Unterarm verhält sich zum Oberarm wie 74 zu 100). 
Wenn man diese Gliedmassen bei dem erwachsenen Neger 
misst und in die Prozentzahl umrechnet, findet man, dass 
der Index brachialis hier 79 ist. Bei dem Neger erscheint 
also der Unterarm im Verhältnis zum Oberarm länger. 
Endlich, wenn man zu den Affenarten übergeht, sieht 
man, dass der Index 80 und selbst 100 erreicht, d. h. die 
Länge des Unterarmes der des Oberarmes gleichkommt, und 
wir begreifen so, dass die bedeutende Länge der oberen 
Gliedmassen bei den menschenähnlichen Affen besonders 
durch die beträchtliche Länge des Unterarmes bedingt ist. 
Aber von grösserer Bedeutung für uns ist die Thatsache, 
dass bei derselben Menschenart der Index brachialis in ver- 
schiedenem Alter nicht der gleiche ist; so beträgt er bei 
dem Kinde des Europäers zur Zeit der Geburt 80; vor 
dem Ende des ersten Jahres nur noch 77 und sinkt im wei- 
teren Verlauf des Kindesalters allmählich, um beim Er- 
wachsenen die Zahl 74 zu erreichen. Daraus geht deutlich 
hervor, dass während des Wachstums der Oberarm verhältnis- 
mässig schneller an Länge zunimmt, als der Unterarm. Wenn 
wir jetzt noch einen Augenblick bei der vergleichenden 
Anatomie verweilen dürften, würden wir an dem Skelett des 
Löwen oder des Pferdes sehen, dass bei diesen Tieren der 
Unterarm in gleichem Masse wächst, wie der Oberarm, so 
er die Länge desselben bei dem ausgewachsenen Tier er- 
reicht oder überschreitet.
        

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