Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Grundriss der Anatomie für Künstler
Person:
Duval, Mathias Neelsen, Friedrich Carl Adolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1956005
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1957170
70 
Vorlesung. 
Siebente 
des Unterschenkels entspricht und endlich beim Orang, 
namentlich aber beim Gibbon, bis an die Knöchel geht.  
Wenn wir unter den verschiedenen Abschnitten der 
oberen Gliedmassen einen Teil suchen, welcher als gemein-m 
sames Mass unter ihnen gelten könnte, finden wir nichts 
Entsprechendes; die Länge der Hand, welche als natürliches 
Mass gegeben erscheinen könnte, geht in den Massen der" 
übrigen Teile nicht mit ganzen Zahlen auf, weder in denen 
der Schulterknochen, noch in der Länge des Ober- und 
Unterarms. Wenn man aber von der Länge der Hand das 
letzte Glied des Mittelflngers abzieht, gewinnt man ein Mass, 
das ziemlich genau der Länge des inneren Schulterblattran- 
des, und also auch der des Schlüsselbeines entspricht, und 
wenn man dieses als Handlänge bezeichnet, kann man sagen, 
dass der Oberarm zwei, der Unterarm eine und eine halbe 
Handlänge messen; jedoch sind diese Massverhältnisse so 
wechselnd, dass wir nicht weiter dabei verweilen wollen. 
Vielleicht könnte noch mehr Gewicht darauf gelegt wer- 
den, dass die Hand als Massstab für die Gesamtlänge des 
Körpers gelten kann, da diese zehn Handlängen ausmacht; 
aber es ist das ein lNIassverhältnis, welches zwar oft der 
Wirklichkeit entspricht, aber zu häufig Ausnahmen zeigt, um 
als Regel gelten zu können.   
Uebrigens sei hier ein für allemal bemerkt, dass für den 
Anatomen ein allgemein gültiger Kanon, d. h. eine Regel 
für die Massverhältnisse, welche auf alle Personen, sowohl 
grosse wie untersetzte Gestalten gleich gut passt, nicht vor-ß 
handen ist. Wenn man dagegen unter Kanon eine ideale 
Regel versteht, nach welcher eine menschliche Gestalt ge- 
bildet sein mus, um dem Schönheitsgefühl zu entsprechen, 
so werden wir die Frage nach den Massen eines solchen 
als ausserhalb des Gebietes der Anatomie liegend be- 
zeichnen müssen; wir haben uns hier aber nicht mit den 
Lehren der Aesthetik zu befassen und werden uns des- 
halb darauf beschränken, wo wir die Frage nach den Mass- 
Verhältnissen berühren, zu erwähnen, innerhalb welcher mehr
        

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