Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Grundriss der Anatomie für Künstler
Person:
Duval, Mathias Neelsen, Friedrich Carl Adolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1956005
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1956619
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Zweite Vorlesung. 
Sprünge bezeichnet man mit sehr verschiedenen Namen (Knor- 
ren, Knoten, Höcker, Fortsatz (Apophyse,  von arro-qwm in 
die Höhe wachsen), Kamm, Kante, Spitze, Stachel,  und man 
fügt ausserdem oft diesen Bezeichnungen ein Beiwort zu, 
welches mehr oder weniger deutlich die Gestaltung des Vor- 
sprunges angiebt, wie Dornfortsatz, YVarzenfortsatz, Griffel- 
fortsatz u. s. w.  Die Vertiefungen bezeichnet man als 
Grube, Grübchen, Rinne, Gang, Kanal, und gibt auch diesen 
Namen Beiworte, welche ihre Form oder ihre Beziehungen 
zu Nachbarorganen bezeichnen.  
An gewissen Stellen setzt sich an den eigentlichen Kno- 
chen, welcher durch seine Härte, Festigkeit und gelbweisse 
Farbe ausgezeichnet ist, ein Gewebe an, das im Gegensatz 
zu dem Knochengewdbe, elastisch, weniger hart, mit dem 
Messer schneidbar, von bläulichweisser Farbe und in einem 
gewissen Grade durchscheinend ist; dieses Gewebe ist unter 
dem Namen Knorpel bekannt. Die Knochenreifen der Brust 
z. B.  die Rippen, gehen an ihrem Vorderende in Knorpel- 
spangen über, welche in ihrer Form den Rippen selbst 
gleichen. Bei einer Vergleichung des Knochengerüstes von 
verschiedenen Tieren (vom Menschen, Hund, Pferd, Schaf 
u. s.  zeigt sich die überraschende T hatsache, dass ein und 
derselbe Teil, z. B. das Schulterblatt bei einigen Arten ganz 
aus Knochen besteht (Mensch), während bei anderen ein Ab- 
schnitt desselben knorpelig ist (der hintere Abschnitt des 
Schulterblattes beim Schaf). Jedoch erscheinen diese Unter- 
schiede leicht erklärlich, da wir wissen, dass das Knochen- 
gerüst bei allen Tieren im Beginn der Entwicklung nur aus 
Knorpelgewebe besteht, und dass dieses Gewebe erst bei fort- 
schreitender Ausbildung des Körpers durch festes, verkalktes 
Knochengewelae ersetzt wird. Diese Verknöcherung breitet 
sich je nach der Tierklasse mehr oder weniger weit über die 
einzelnen Teile der ursprünglichen Skelettanlage aus; und man 
wird deshalb kein grosses Gewicht darauf zu legen haben, wenn 
man denselben Teil des Skeletts bei einem Tier verknöchert 
findet, bei einer anderen Tierart dagegen knorpelig.  Mit der
        

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