Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Grundriss der Anatomie für Künstler
Person:
Duval, Mathias Neelsen, Friedrich Carl Adolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1956005
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1958879
240 
Vierundzwanzigste Vorlesung. 
von zu geben, dass der wissenschaftliche Ernst dieser Unter- 
suchungen dem Leser klar werde, und er sich zum Studium 
des Originalwerkes angeregt fühle.  
Die Untersuchungen haben das für den Künstler sehr wich- 
tige allgemeine Ergebnis, zu zeigen, dass oft die Zusammen- 
ziehung eines Muskels genügt, um eine Leidenschaft auszu- 
drücken, dass man also nicht alle Züge eines Gesichtes zu 
ändern braucht, um ihm den Ausdruck des Schmerzes, der 
Aufmerksamkeit, des Zornes, der Verachtung, des Ekels 
u. s. w. zu geben; jedes dieser Gefühle malt sich durch 
eine leichte Veränderung bloss am Auge oder bloss an den 
Lippen. Aber diese örtliche Veränderung spiegelt sich schein- 
bar in der ganzen Physiognomie wieder, und so sind die 
Künstler durch die blosse Beobachtung dazugekommen, lange 
an der Annahme festzuhalten, dass z. B. Aufmerksamkeit, 
oder Schmerz durch gemeinsame Wirkung einer grossen 
Zahl von Gesichtsmuskeln zum Ausdruck kämen; der Ver- 
such zeigt nun aber, dass der Schmerz nur durch einen 
Muskel, welcher die Augenbrauen hebt und runzelt, zustande 
kommt; an einem Gesicht (Fig. 70), wo dieser Muskel allein 
verkürzt ist, erscheint der Ausdruck des Schmerzes voll- 
kommen. Man könnte glauben, dass der Mund sich be- 
teiligt, wenn man aber den oberen Teil des Gesichts zudeckt, 
erkennt man, dass die untere Hälfte in voller Ruhe ist. 
Um diese geschichtliche Darstellung, die bei der hier 
behandelten Frage nicht das Unwichtigste ist, zu beenden, 
wolllen wir bemerken, dass die Arbeiten Duchennes in 
Frankreich nicht von Anfang an günstig aufgenommen wurden. 
Die Physiologen sowohl, wie die Künstler zeigten ein gewisses 
Misstrauen gegenüber einem Werk, das bestimmte Regeln 
und wissenschaftliche Gesetze da aufstellen wollte, wo man 
gewohnt war, sich durch Fantasie und Gefühl leiten zu 
lassen. Wenige Personen verstanden die physiologischen 
Gründe, welche Duchenne veranlassten, als Gegenstand seiner 
Untersuchungen- einen armen Kranken mit im Ruhezustand 
fast blödsinnigem Ausdruck zu wählen, und man machte sich
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.