Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Grundriss der Anatomie für Künstler
Person:
Duval, Mathias Neelsen, Friedrich Carl Adolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1956005
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1958795
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Vorlesung. 
Vierundzwanzigste 
oder einige der Hautmuskeln zur Zusammenziehung bringt, 
annehmen müssen. Wir werden so finden, dass man diese 
Muskeln wohl mit Namen bezeichnen kann, wie Muskel der 
Aufmerksamkeit, des Schmerzes, des Drohens, des 
Lachens, des Weinens, der Verachtung, des Ekels 
u. s. w.  Aber es ist hier durchaus nicht unsere Aufgabe, die 
qruhende Physiognomiew zu studieren, wie sie uns durch 
die regelmässige und dauernde Hervorhebung einzelner Züge 
die Geistesrichtung des betreffenden Menschen, und die ihn 
am häufigsten bewegenden Leidenschaften enthüllt. Ohne 
Zweifel haben diese beiden Studiengebiete vielerlei Be- 
rührungspunkte untereinander; wir müssen zugeben, dass bei 
einem Menschen, der sich häufig Zorn- und Wutausbrüchen 
hingiebt, die oft wiederholte Zusammenziehung der Muskeln, 
Welche diese Leidenschaften ausdrücken, allmählich die Züge 
des Gesichtes derart gestalten können, dass gewissermassen 
ein Abdruck der heftigen Gefühle, die es am häufigsten er- 
regt haben, zurückbleibt. 
Aber diese Zergliederung der Geistesrichtung eines 
Menschen durch die Untersuchung seiner aruhenden Phy- 
siognomiex ist ein sehr heikles Ding, welches noch sehr viel 
Ungewisses bietet und zu philosophischen Erörterungen führen 
würde, die uns von dem Boden der Anatomie zu weit ab- 
lenken Umüssten. Dagegen ist die Untersuchung der Frage, 
welchen bestimmten Ausdruck die Zusammenziehung dieses 
oder jenes Muskels dem Gesicht verleiht, seit den Unter- 
suchungen von Duchenne (in Boulogne) ein Studium ge- 
worden, das ganz die gleiche Genauigkeit und Sicherheit 
der Beobachtung gestattet, wie wir sie für anatomische Un- 
tersuchungen fordern müssen. 
Vor den Untersuchungen Duchennes beschäftigten 
sich die meisten Bücher über den Gesichtsausdruck fast aus- 
schliesslich mit der (Physiögnomikx, d. h. der Erkenntnis 
der Gesichtsrichtung durch das Studium des gewöhnlichen 
Zustandes der Gesichtszüge. Wir müssen hier besonders an 
die Werke von Le Brun, Camper, Lavater, C. Bell,
        

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