Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Grundriss der Anatomie für Künstler
Person:
Duval, Mathias Neelsen, Friedrich Carl Adolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1956005
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1958158
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Siebenzehnte 
Vorlesung. 
Muskel hat seinen lateinischen Namen daher, dass er die 
Form eines griechischen Delta, d. h. die Gestalt eines Drei- 
ecks hat (dessen Grundfläche nach oben, die Spitze nach 
unten gerichtet ist); er ist kurz, breit und dick, und Wie ein 
halber Hohlkegel gestaltet, um das Schultergelenk zu um- 
fassen. Er entspringt oben am äusseren Drittel des vorderen 
Schlüsselbeinrandes (12, Fig. 49), am Gelenk zwischen 
Schulterhöhe und Schlüsselbein und an der ganzen Länge 
des Hinterrandes der Schultergräte (I8, Fig. 55). Seine 
Fasern laufen von hier nach unten, die mittleren senkrecht, 
die vorderen ein wenig schief nach hinten, die hinteren etwas 
schief nach vorne, um sich mittelst einer kurzen Sehne an 
die Rauhigkeit des Oberarmbeines (s. Seite 46) anzusetzen. 
Dieser dicke Muskel besteht aus starken Faserbündeln, 
welche man durch die Haut sich einzeln zusammenziehen 
sieht, je nachdem die ausgeführte Bewegung mehr die Wirkung 
dieses oder jenes Muskelabschnittes erheischt. Der Schulter- 
muskel wirkt nämlich so, dass er den Arm vom Rumpf ent- 
fernt und bis zur Wagerechten erhebt; aber während die 
mittleren Faserbündel den Arm einfach nach aussen erheben, 
bewegen ihn die vorderen zugleich vorwärts, die hinteren 
rückwärts.  Ausserdem ist bemerkenswert, dass der Muskel, 
in welchem Zustand der Thätigkeit er sich auch befinde, nie- 
mals senkrecht gegen den Hebelarm, den er bewegt, den, 
Oberarmknochen, gerichtet ist, sondern sich immer sehr 
schief an ihn ansetzt. Daraus folgt, dass der Schultermuskel 
trotz seiner Dicke doch nicht mit grosser Kraft arbeiten kann, 
und es erfordert deshalb die Stellung, bei welcher wir die 
Arme wagerecht ausgestreckt halten, am meisten Anstrengung 
und führt am schnellsten zur Ermüdung. Um zu verstehen, 
inwieweit die Stellung des Schultermuskels gegenüber dem 
Oberarm ungünstig ist, genügt es, dass wir dieselbe mit der 
Stellung des zweiköpiigen Armmuskels gegenüber dem Unter- 
arm vergleichen und uns überzeugen, dass dieser Muskel, wel- 
cher in schräger Richtung sich an den herabhängenden Unter- 
arm ansetzt, in dem Masse, wie er die Beugung derselben
        

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